Bericht räumt Fehler ein OECD unterschätzte Auswirkungen der Finanzkrise

Die internationale Wirtschaftskrise 2007-2012 wurde offenbar unterschätzt. Die OECD räumt jetzt Fehler bei der Bewertung ein.

Europas Krisenländer im Reformcheck
GRIECHENLANDWirtschaft: Die griechische Wirtschaft steckt in einer dramatischen Rezession. 2011 schrumpfte die Wirtschaftsleistung um 6,8 Prozent. Für 2012 erwartet die EU-Kommission einen Rückgang von 4,7 Prozent. Die griechische Regierung hatte zuletzt einen Rückgang von 2,8 Prozent vorhergesagt. Das Bild zeigt den griechischen Container-Hafen in Piräus. Quelle: dpa
Haushalt: Trotz drastischer Sparanstrengungen lag das griechische Haushaltsdefizit 2011 bei 10,6 Prozent der Wirtschaftsleistung. Für dieses Jahr erwartet die Regierung ein Defizit von 6,7 Prozent.  Quelle: dpa
Ausblick: Wie es in dem Krisenland weiter geht, ist unklar. Die Wähler haben den Sparkurs der beiden etablierten Parteien Nea Demokratia und Pasok abgestraft. Gewinner der Wahlen sind extreme rechte und linke Parteien. Ob diese jedoch eine Regierung bilden können, ist fraglich. An die vereinbarten Sparziele jedenfalls wollen sich die meisten Politiker nicht mehr halten. Quelle: dapd
PORTUGALWirtschaft: Im zweiten Land, das unter dem Schutz des Euro Rettungsschirms steht, geht es steil bergab. 2011 schrumpfte die Wirtschaftsleistung um 1,6 Prozent - für dieses Jahr prognostiziert die portugiesische Regierung einen Rückgang von 3,3 Prozent. Hoffnung setzt die EU auf 2013: Dann soll die Wirtschaft in Portugal wieder um 0,3 Prozent wachsen. Quelle: dpa
Haushalt: Im Gegensatz zu anderen Euro-Krisenländern hat Portugal seine Sparauflagen für 2011 sogar übererfüllt. Das Haushaltsdefizit lag 2011 bei etwa 4,5 Prozent – und damit unter der mit dem IWF vereinbarten Zielmarke von 5,9 Prozent Quelle: dpa
Ausblick: Was die Sparziele betrifft, liegt Portugal im Zeitplan. Allerdings kann die schwache Wirtschaftsentwicklung das schnell wieder ändern. Ein weiteres Problem ist die Refinanzierung des Staates. Das bisherige Hilfspaket sieht vor, dass sich Portugal ab 2013 wieder selbst 10 Milliarden Euro am Kapitalmarkt beschaffen muss. Experten halten dies für unrealistisch. Sie gehen davon aus, dass ein neues Hilfspaket nötig ist.    Quelle: Reuters
SPANIENWirtschaft: 2011 erzielte Spanien noch ein Mini-Wachstum von 0,7 Prozent. Nach wie vor hat die Wirtschaft das Platzen der Immobilienblase nicht verdaut. Für dieses Jahr erwartet die EU-Kommission einen Rückgang um 1,8 Prozent, im kommenden Jahr soll die Wirtschaft um 0,3 Prozent schrumpfen. Quelle: Reuters
Haushalt: Spanien hat seine mit der EU vereinbarten Sparziele klar verfehlt. Statt eines angestrebten Defizits von 6 Prozent, lag dieses bei 8,5 Prozent. Im kommenden Jahr macht Spanien ein Defizit von 6,3 Prozent und liegt damit weit über dem EU-Grenzwert von 3,0 Prozent. Quelle: Reuters
Ausblick: Nach einer Beruhigung zu Jahresanfang ist  Spanien durch das Verfehlen seiner Sparziele nun erneut ins Visier der Märkte geraten. Spanien hat vor allem auf dem Arbeitsmarkt einschneidende Reformen unternommen, die sich nach Einschätzung von Ökonomen erst langfristig auswirken. Kurzfristig gefährdet das schwache Wachstum die Sparziele.    Quelle: Reuters
ITALIENWirtschaft: Mit der italienischen Wirtschaft geht es wieder bergab. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone muss sich auf einen Wirtschaftsrückgang von 1,4 Prozent einstellen. Im kommenden Jahr soll das Wachstum dann wieder bei 0,4 Prozent liegen. Quelle: Reuters
Italien Flagge Quelle: dpa
Mario Monti Quelle: dapd
IRLANDWirtschaft: Die Krise scheint überwunden. Dank einer kräftigen Erholung des Exportsektors wuchs die irische Wirtschaft 2011 um 0,7 Prozent, 2012 geht es um 0,5 Prozent nach oben. Für 2013 erwartet Brüssel sogar ein Wachstum von 1,9 Prozent. Quelle: Reuters
Haushalt: Das irische Haushaltsdefizit lag 2011 bei zehn Prozent – und damit knapp unter dem Zielwert von 10,6 Prozent. In diesem Jahr soll es auf 8,6 Prozent sinken. Bis 2015 will Irland das Maastricht-Kriterium von unter drei Prozent einhalten. Quelle: dpa
Ausblick: Der Vorteil Irlands gegenüber anderen Euro-Krisenländern liegt in seinem hohen Exportanteil. Durch höhere Exporte konnte die Wirtschaft die harten Einschnitte der Regierung besser abfedern. Die irische Regierung will ab Ende 2012 wieder Geld am Kapitalmarkt aufnehmen. Wenn es gut läuft könnte das gelingen – allerdings zu relativ hohen Zinsen. Quelle: Reuters

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf die angeschlagenen Euro-Länder nach eigenen Angaben unterschätzt. Zwar habe die OECD die Wachstumsprognosen für die betroffenen Länder mit dem Krisenausbrauch 2007 nach unten korrigiert worden, aber nicht in ausreichendem Maße, heißt es in einem Bericht der Organisation, mit dem Titel "Post mortem".

Wie sehr sich die OECD verschätzt hat, zeigen die Zahlen: Durchschnittlich 1,4 Prozentpunkte blieb das Wirtschaftswachstum in den von der OECD beobachteten Ländern hinter den Prognosen zurück. Auch der für 2010 bis 2012 angekündigte Konjunkturaufschwung blieb aus.

Als Grund für die falsche Einschätzung der Krise nennt die OECD, dass bei den Prognosen die wachsende Globalisierung der Realwirtschaft und der Finanzsektor nicht genügend beachtet worden seien. Daher habe man die Auswirkung der Finanzkrise insbesondere auf den Bankensektor und die Zinsänderungen auf dem Schuldenmarkt unterschätzt.

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Nach eigenen Angaben seien "die größten Fehler bei den Voraussagen für die angeschlagenen Länder der Euro-Zone" gemacht worden. Insbesondere Länder, die wegen einer starken Abhängigkeit vom Außenhandel oder wegen eines großen Anteils ausländischer Investoren den Ereignissen in anderen Wirtschaftsnationen besonders ausgesetzt sind, waren weit stärker von der Krise betroffen, als die OECD angenommen hatte.

Der Fehler in der Bewertung sei jetzt korrigiert, so die OECD. Sie hätten zur Kenntnis genommen, dass die gegenseitige Abhängigkeit zwischen den Märkten, der Realwirtschaft und der Stimmung unter den Akteuren in der Wirtschaft stärker sei als früher angenommen.

Die OECD gilt als führend im Bezug auf Wirtschaftsprognosen. Sie stützt sich nun stärker als früher auf empirische Daten, die sie bei ihren Kontakten mit Unternehmen sammle. Diese dienen zur Frühwarnung hinsichtlich wirtschaftlicher Aktivitäten. Derzeit gehören der OECD, die ihren Hauptsitz in Paris hat, 34 Länder an.

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