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Beschäftigungsgipfel in Mailand Der Kampf gegen eine verlorene Generation

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Es ist nicht sinnvoll, einfach nach mehr Geld zu schreien

Es sei "nicht sinnvoll, zum jetzigen Zeitpunkt einfach nach mehr Geld zu schreien", sagte Arbeitsministerin Andrea Nahles. Stattdessen forderte sie Strukturreformen – wie auch schon ihre Vorgängerin.

Ursula von der Leyen hatte im vergangenen Jahr festgestellt: "Es gibt ein klares Muster: Länder mit extremer Jugendarbeitslosigkeit haben keine zeitgemäße duale Ausbildung." Als wäre sie das Allheilmittel.

Praktische und schulische Ausbildung koppeln

Hinzu kommt: Das duale Ausbildungssystem in Deutschland musste sich über Jahrzehnte entwickeln. Auf den Weg gebracht wurde es vor gut 150 Jahren durch Otto von Bismarck. Damals wurden Lehrlinge durch ihren Meister nicht ausgebildet, sondern ausgenutzt. "Der Anteil der Qualifizierten war gering", sagt Experte Struck.

Im Zuge der Industrialisierung wuchs gleichzeitig der Bedarf nach qualifiziertem Nachwuchs. Also wurden Schulstrukturen aufgebaut. Zünfte und Innungen wurden gezwungen, darauf zu achten, dass die Lehrherren sich um die Ausbildung ihrer Lehrlinge bemühten. 

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde dieses System auf die Industrie übertragen. Das alles habe Jahre gedauert, sagt Struck. "Es ist die lange Geschichte, die das deutsche Modell der dualen Ausbildung so erfolgreich macht." Kurzfristig übertragbar sei es wohl kaum, einzelne Ideen allerdings schon.

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In Ländern wie Frankreich, Italien oder Spanien herrscht hingegen eine schulische Ausbildung vor. "Es bedarf der Parallelität von praktischer und schulischer Ausbildung", sagt Struck. Als Vorbild sieht er die deutsche Krankenschwester-Ausbildung – "eine schulische Ausbildung, mit einem hohen Praxisanteil".

Das habe den Vorteil, dass sich die Schüler in den Unternehmen bekannt machen könnten, einen realistischen Einblick in den Beruf bekämen und mit den alltäglichen Belastungen vertraut würden. Aber all diese Änderungen wirkten erst langfristig. Ein reformiertes Ausbildungssystem muss ja erst einmal durchlaufen werden.

Kurzfristig sieht Struck kaum Möglichkeiten, den Jugendlichen nachhaltig zu helfen. Die EU müsse die notwendigen Reformen vornehmen, sodass Jugendliche den Eindruck gewinnen, es verbessere sich etwas. "Für den Einzelnen wird es nicht in großen Schritten vorangehen", sagt Struck.

Umso wichtiger ist: Jugendliche müssen verstehen, dass sich eine Ausbildung lohnt. Bleibt die EU-Politik bei symbolischen Akten – dann kann man künftig wirklich auf eine verlorene Generation blicken.

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