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Beschäftigungsgipfel in Mailand Der Kampf gegen eine verlorene Generation

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Renzi fordert Konjunkturprogramme

Ein Blick in die bayrische Region Hof zeigt, wie solche Projekte laufen sollten: Mit 300.000 Euro über drei Jahren sollen 40 Hauptschüler gefördert werden. Ohne diese Förderung würden sie wohl wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Workshops zum richtigen Auftreten beim Bewerbungsgespräch, Informatikkurse und Kooperationen mit Unternehmen vor Ort führen sie ins Berufsleben ein. Die Ausrichtung auf die speziellen Gegebenheiten der Region und die Zusammenarbeit mit den lokalen Akteuren sind nach Ansicht von Struck der Schlüssel zum Erfolg.

Was die Kritiker der Sparpolitik sagen

Zugegeben: In Deutschland arbeiten Handwerks- und Handelskammern, Industrie und berufliche Schulen bereits seit Jahrzehnten zusammen, um praktisches und schulisches Wissen zu vermitteln und Übergänge von der beruflichen Ausbildung in den Beruf sicher zu gestalten. "In Italien muss man mit so einem Programm bei null beginnen – das geht nicht in vier Monaten", sagt Struck. Dafür würde es weitaus mehr Geld brauchen.

Warum das duale System funktioniert

Zudem sei es unrealistisch, innerhalb von vier Monaten Praktikums- und Ausbildungsplätze für sämtliche Jugendliche zu schaffen. "Das alles ist in Strukturen, die nicht darauf vorbereitet sind, nicht zu machen."

In der Debatte um Strukturreformen, die neben den EU-Programmen beim heutigen Gipfel im Zentrum steht, wird seitdem immer wieder die Adaption des dualen Ausbildungssystems "Made in Germany" angepriesen. Volker Baethge-Kinsky, Arbeitsmarktexperte des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen, ist skeptisch: "Was bringen gut ausgebildete Arbeitskräfte, wenn die wirtschaftliche Lage keine Arbeitsplätze hergibt?"

Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi fordert deshalb Konjunkturprogramme. Er will den Gipfel für eine "politische Debatte über die Wirtschaftslage" in Europa nutzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel dagegen wolle während des Beschäftigungsgipfels nicht über mehr Investitionen zur Ankurblung der Wirtschaft debattieren, wie es vor dem Gipfel aus Regierungskreisen hieß.

Stattdessen nutzte die Bundesregierung den Gipfel in Mailand, um zu mahnen: Die beschlossenen EU-Gelder sollten erst einmal ausgegeben werden. Immerhin sollen allein im Rahmen von Programmen wie der "Jugendgarantie" in den nächsten Jahren rund 70 Milliarden Euro verteilt werden. Abgerufen wurden diese Mittel bisher kaum.

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