Besuch in Berlin Kluger, aber hilfloser Klitschko

Vitali Klitschko wirbt in Berlin mit eindringlichen Worten für seine Politik. Doch ein mysteriöser Einflüsterer weckt Zweifel an seinem Einfluss.

Vitali Klitschko, neu gewählter Bürgermeister von Kiew, gibt am 12.09.2014 in der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin ein Statement ab. Anschließend sprach er in der Akademie der Stiftung über seine Ideen für einen europäischen Weg der Ukraine. Quelle: dpa

Der Kontrast ist so überraschend wie eindrucksvoll. Als Vitali Klitschko in der Berliner Dependance der Konrad-Adenauer-Stiftung die Bühne betritt, wird mit einem Mal aus Aggression Besonnenheit. Hans-Gert Pöttering, Präsident der CDU-nahen Stiftung, hatte Klitschko mit kämpferischen Worten angekündigt.

„Wir stehen an der Seite derer, die auf der Seite der Freiheit sind“, hatte er gerufen und dabei immer wieder die geballten Fäuste in die Luft gereckt. Aufrüttelnde Sätze sind es, pathetisch vorgetragen. Dann steht Klitschko da und sagt mit ruhiger Stimme: „Wir wünschen uns in aller erster Linie Frieden“ und stockt.

Er spricht von seiner russischen Mutter, dem ukrainischen Vater. Es folgen weitere vorsichtige Ausführungen, die sich um die nahenden Parlamentswahlen drehen, um möglichen Föderalismus. Doch über allem schwebt zunächst ein besonnener Ton, wie man ihn selten vernommen hat in den vergangenen Wochen.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Ukraine

„Der Weg der Ukraine nach Europa“, so lautet der Titel dieses Vortrags. Doch es ist vor allem ein Appell an die Unterstützung der Ukraine durch Europa, das Klitschko an die Zuhörer richtet. „Die schrecklichen Ereignisse in unserem Land zeigen, wie brüchig der Frieden in Europa ist“, sagt Klitschko und warnt: „Wenn es uns nicht gelingt, Putin in der Ukraine zu stoppen, dann kann sich kein Land mehr sicher fühlen in ganz Europa.“

Unter den Zuhörern sind einige Bundestagsabgeordnete und Europaparlamentarier. Klitschkos wichtigste Botschaft ist es, den Westen von der Notwendigkeit einer vorgezogenen Parlamentswahl zu überzeugen. In gut sechs Wochen ist der Wahltermin angesetzt.

„Ohne Parlamentswahlen gibt es keine Chance auf Reformen in unserem Land“, so Klitschko. Im aktuellen Parlament seien viele Gefolgsleute des Ex-Präsidenten Wiktor Janukowytsch, die sich nun auf die Seite der Separatisten gestellt hätten und im russischen Fernsehen gegen die Ukraine agitieren würden. „Sie vertreten nicht mehr die Ukrainer“, sagt Klitschko und verweist darauf, dass 80 Prozent der Ukrainer sich vorgezogene Wahlen würden.

Es sind eindringliche, zum Teil auch kluge Worte, die Klitschko dabei über die Lippen kommen. Man kann den Eindruck bekommen, es hier mit einem vertrauenswürdigen Politiker zu tun zu haben. Einem, auf den man setzen kann. Doch bei Klitschko bleibt immer die Frage zurück, wieviel seine Worte wert sind. So beliebt wie er in Deutschland ist, so unklar ist sein tatsächlicher Einfluss auf die ukrainische Politik. In Berlin wird dieser Zweifel sogar bildlich untermauert.

Irgendwann drängt sich ein junger Mann nach vorne zu Klitschko auf die Bühne, setzt sich zunächst etwas verdeckt neben ihn, fummelt hektisch an seinem Smartphone herum. Als der Moderator der Veranstaltung das Wort ergreift, huscht er erst zu Klitschko, dann zum Moderator, flüstert beiden etwas ins Ohr. Danach fordert der Moderator plötzlich Klitschko auf, sich zu vermeintlichen Plänen für den Bau einer Mauer im Osten der Ukraine zu äußern.

Klitschko trägt Worte vor, bei denen man nicht mehr weiß, von wem sie nun stammen. „Es geht nicht um eine Mauer zwischen Völkern, sondern um die Frage, wie wir unsere Grenzen effektiv sichern können.“ Aha.

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Der mysteriöse Einflüsterer setzt sich wieder, wenig später wiederholt sich der Vorgang.

Nach der letzten Intervention ergreift Klitschko noch einmal das Mikrofon, als der Moderator die Veranstaltung bereits beenden will. Er appelliert an die „Einheit derer, die an die europäischen Werte glauben.“ Der Ukraine „geht es nicht darum, irgendwelche Papiere zu unterzeichnen, wir wollen Reformen nach der Art der europäischen Länder machen. Unterstützen Sie uns auf diesem Weg“ Klingt gut. Aber wer spricht hier eigentlich?

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