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Bettina Röhl direkt

Derzeitiges Europa gleicht Fass ohne Boden

Bettina Röhl Publizistin

Für die Euro-Rettung via Gründung der "Vereinigten Staaten von Europa" im Blitzverfahren degradieren Schäuble, Merkel und deren politische Widersacher Parlamente und Bürger zu Statisten herab. Derweil werden dem Norden weiterhin Milliarden entzogen und in Griechenland versenkt.

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Können die Griechen ihre Schulden zurückzahlen?

Gigantisches Vermögen, gigantisches Unvermögen, gigantischer Reichtum, gigantische Armut, gigantische Zukunftsaussichten, gigantische Untergangsprognosen. So ließe sich trefflich weiter sinnieren über den gigantischen Kommunismus oder den gigantischen Kapitalismus bis hin zur gigantischen Moral oder gigantischen Religiosität und deren Gegenteile.

Was bringt Größe? Ist Größe ein Wert an sich? Waren 17 Währungen von der DM bis zur Drachme an sich ein Unwert? Und ist der im Vergleich dazu gigantische Euro ein Wert an sich?
Wenn ein persönlich überschuldeter Mann eine persönlich überschuldete Frau heiratet, was passiert dann, Frau Merkel, Herr Schäuble, Herr Steinbrück? Anderes Beispiel: eine Frau mit zehn Millionen Euro Vermögen heiratet einen Mann mit Null Vermögen. Haben dann beide zehn Millionen Euro auf ihren Konten, also zusammen 20 Millionen oder beide alsbald nichts mehr? Diese Frage stellt Merkel Schäuble, Steinbrück und die Berliner Nomen Klatura sicher schon vor größere Probleme.
Automatismen

Das vergleichsweise erfolgreich wirtschaftende Deutschland soll, eurotechnisch gesprochen, mit dem desaströs verschuldeten und notorisch misswirtschaftenden Griechenland verheiratet bleiben und das sei nun einmal gigantisch gut für Deutschland. Und die Scheidung, so behaupten die Berliner Leierkastenspieler, sei für Deutschland und für Griechenland doppelt teuer. Ein gigantischer Behauptungssalat, den man da aus den großkopferten Mäulern täglich zu hören bekommt.

Die Instrumente zur Euro-Rettung

Und wie steht es nun mit dem Automatismus im Allgemeinen und natürlich im Besonderen mit dem europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM)?
Eine Automatik kann einen Fallschirm auslösen, wenn der Springer das Ziehen der Reißleine vergisst, und Leben retten. Eine automatische Schießanlage hat Bürger der DDR einst an der Ausübung ihrer Freiheitsrechte gehindert.

Gleichsetzung der Leistungsfähigkeit

Was den Deutschen Angst macht
Platz 19: Zerbrechen der PartnerschaftAuf dem letzten Platz des Rankings landet die Sorge vor einem Zerbrechen der Beziehung, und das trotz unvermindert hoher Scheidungsquoten in Deutschland. Mit 20 Prozent der Bundesbürger, die sich hiervor fürchten, hat diese Angst aber im Vergleich zu 2012 zugenommen: Im letzten Jahr waren es vier Prozentpunkte weniger. Etwas mehr Männer (21 Prozent) als Frauen (20 Prozent) haben Angst davor, den Partner zu verlieren. Quelle: dpa
Platz 18: StraftatenVor Gewalt und Unrecht fürchten sich 24 Prozent der Deutschen. Die Angst vor Straftaten hat im Vergleich zu 2012 um zwei Prozentpunkte zugenommen. Quelle: dpa
Platz 17: Vereinsamung im AlterDie Herausforderungen einer alternden Gesellschaft bereiten den Deutschen Kopfzerbrechen. Viele haben Angst davor, im Alter zu vereinsamen. 31 Prozent der Befragten äußerten diese Sorge - zwei Prozentpunkte mehr, als 2012. Männer gaben diese Angst mit 29 Prozent etwas seltener an als Frauen (33 Prozent). Quelle: dpa
Platz 16: Krieg mit deutscher BeteiligungDie Sorge vor einem Krieg mit deutscher Beteiligung rutscht mit 32 Prozent in den untersten Bereich der Ängste-Skala. Gegenüber dem Vorjahr nahm diese Sorge aber um drei Prozentpunkte zu. Quelle: dpa
Platz 15: Drogensucht der eigenen Kinder35 Prozent der Deutschen fürchten sich davor, dass ihre Kinder drogenabhängig werden könnten. Diese Angst hat im Vorjahresvergleich mit einem Prozentpunkt leicht zugenommen. Frauen (37 Prozent) sorgen sich hier mehr als Männer (33 Prozent) um das Wohlergehen des Nachwuchses. Quelle: dpa
Platz 13/14: ArbeitslosigkeitDas Schreckensgespenst Arbeitslosigkeit hat im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugelegt. Mit 36 Prozent der Deutschen ist die Furcht vor der eigenen Arbeitslosigkeit um vier Prozentpunkte gestiegen. Noch 2012 war diese Sorge gegenüber 2011 um vier Prozentpunkte zurückgegangen und damit auf den niedrigsten Wert der Studie gesunken – nur 1994 war die Sorge schon einmal so gering. Die Angst vor Arbeitslosigkeit in Deutschland allgemein landet auf dem 13. Platz und kommt auf 39 Prozent - unverändert gegenüber 2012. Quelle: dpa
Platz 12: Sinkender Lebensstandard im AlterZum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig - viele Deutsche haben Angst davor, später einmal finanziell unter Druck zu geraten. 40 Prozent der Bundesbürger - genauso viele wie im vorigen Jahr - fürchten sich vor einem sinkenden Lebensstandard im Alter. Quelle: dpa

Vom Juppie bis zum betuchten hanseatischen Zuhälter und weit darüber hinaus lieben Männer die goldene Rolex möglichst mit Brillanten besetzt und mit Automatikwerk. Das liefert zwar keine genaue Uhrzeit, aber es ist feine Handarbeit; das exakt gehende Quarzmodell hat die Schweizer Uhrenschmiede wegen fehlender Nachfrage aus dem Handel genommen. Und dann das: Discounter bieten plötzlich Herren-Automatik-Uhren im echten Schweizer Look, gar in limitierter Auflage, an. So schnell kann eine Automatik also beinahe wertlos werden.
Auch eine Automatik ist ein sehr ambivalenter Wert. Automatische Mietanpassungen, automatische Zinserhöhungen, automatischer Abkauf von Windstrom, (auch wenn das Netz gerade im Stromüberfluss absäuft) oder das automatische Schließen der S-Bahn-Türen. Automatische Gleichsetzung der Leistungsfähigkeit aller Schüler vom Dödel bis zum Intelligenzprotz. Oder: automatische Gleichsetzung der Leistungsfähigkeit aller Volkswirtschaften. All diese Automatiken oder Automatismen sind Beispiele dafür, das eine Automatik noch keinen Wert an sich darstellt. Falsch ersonnene Automatiken oder Mechanismen oder kaputte Exemplare dieser Gattung richten häufig erhebliche Schäden an.

Wie geht es weiter mit dem ESM?

Der ESM ist ein ziemlich dämlicher Automatismus, der Geld von erfolgreich haushaltenden Staaten in Pleitestaaten pumpt, mit Auflagen natürlich, deren Sinn und Wert jedoch bezweifelt werden darf. Auch der Draghi-Plan die EZB wertlose Staatsanleihen schwächelnder Euro-Länder aufkaufen zu lassen, gar unlimited, ist nichts als eine gigantomanische Lose-Lose-Situation; die EZB ist das Geld los und die Emittenten der Nullnummern perpetuieren mit dem warmen Geldregen aus dem Norden ihr wirtschaftliches Grundproblem der fehlenden Wettbewerbsfähigkeit.
Nie wieder Deutschland?
Vielleicht kann man sich der Frage, die die politischen Klassen in Europa derzeit in einer Art euphorischer Salto Mortale-Stimmung so gnadenlos (und ihre Völker manipulierend) bejahen, nämlich, ob jetzt auch noch eine Fiskalunion, eine Bankenunion, eine Haftungsunion, eine Parlamentsunion und viele Unionen mehr zur Rettung der Euro-Krise hilfreich seien, von einer anderen Seite nähern.
Zum Beispiel mit der Idee: klein, aber fein, stark und dynamisch, nachhaltig erfolgreich. Wie wäre es damit?
Da schrillen einem von der Ferne natürlich eine gewisse Renate Künast und eine gewisse Claudia Roth (und eine ganze Damen- und Herrenriege vornehmlich der grünen Partei) entgegen: das ist doch alles Kleinstaaterei! Das muss größer, gewaltiger, vielfältiger, gigantischer, automatischer, kurz teutonischer sein. Das sind dieselben Damen und Herren, die schon in Wendezeiten grölten, als der Kalte Krieg beendet wurde und zusammen zu wachsen begann, was zusammen gehört: nie wieder Deutschland! Und die jetzt schreien: wir brauchen eine einheitliche gesamt- oder großdeutsche Bildungspolitik. Wir brauchen uniforme Standards und Schüler. Das schaffte, so die durchgegenderten, heute nur noch verkappt linksradikalen Bildungspolitiker, Chancengleichheit und Schüler auf identischem Bildungsniveau. Na wo? In ganz Deutschland natürlich und alsbald überall auf der Welt.

Perverse Bildungspolitik

Wo die Schulen am besten sind
Schülerinnen schreiben am 28.02.2012 in einem Gymnasium in Frankfurt am Main ein Diktat Quelle: dpa
Schülerinnen und Schüler der Klassen drei und vier der Grundschule Langenfeld Quelle: dpa
SaarlandStärken: Im Saarland machen 51,9 Prozent das Abitur. Das ist über Bundesdurchschnitt und befördert das Land damit in die Spitzengruppe im Ländervergleich. Auch in puncto Integration ist das Saarland weit vorne: Nur 4,3 Prozent aller Schüler sind vom Regelschulsystem ausgeschlossen und werden in speziellen Förderschulen unterrichtet. Schwächen: Wirkliche Schwächen haben die Schulen beziehungsweise das Bildungssystem im Saarland laut dem Chancenspiegel nicht. In den einzelnen Bereichen der Kategorien Durchlässigkeit und Kompetenzförderung bewegt sich das Bundesland immer im Mittelfeld. So hat ein Kind auf einer sozial starken Familie eine dreimal höhere Chance, aufs Gymnasium zu gehen als ein Kind aus einer schwächer gestellten Familie. Das ist unschön, aber immer noch überdurchschnittlich gut. 15,9 Prozent aller Schüler in der Primar- und Sekundarstufe 1 besuchen eine Ganztagsschule (Bundesdurchschnitt: 26,9 Prozent). Ländervergleich: Untere Gruppe. Auch das Verhältnis 1:3,3 beim Wachsel der Schulform (pro Schüler, der von der Real- oder Hauptschule "aufsteigt", wechseln 3,3 Schüler vom Gymnasium auf die Realschule beziehungsweise von Real- zu Hauptschule) liegt noch unterhalb des Bundesdurchschnitts von 1:4,3. Auch im Lesen sind saarländische Schüler aud den vierten und neunten Klassen mittelmäßig. huGO-BildID: 25450255 ARCHIV - Schüler und Schülerinnen schreiben am 28.02.2012 in einem Gymnasium in Frankfurt am Main ein Diktat. Zu den Ergebnissen der Koalitionsrunde vom Wochenende gehört das Ziel, noch in dieser Wahlperiode eine Grundgesetzänderung zu erreichen, die das Kooperationsverbot von Bund und Ländern in der Bildungspolitik aufhebt. Foto: Frank Rumpenhorst dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa
Eine behinderte Schülerin sitzt am 01.11.2011 im Gebäude einer Integrierten Gesamtschule Quelle: dpa
Constanze Angermann steht vor dem Finale des Schreibkampfes "Frankfurt schreibt! - Der große Diktatwettbewerb" vor einer Tafel Quelle: dpa
 Ein Schulkind bearbeitet Schulaufgaben Quelle: dpa
Malstunde in der deutsch-chinesischen Kita im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg Quelle: dpa

Aber was wären denn nun die einheitlichen gigantisch egalisierten Lerninhalte, die etwa im deutschen Zukunftsabitur abgefragt werden? Zum Beispiel im Fach Geschichte? Deutschland ja oder Deutschland nein? Herr Joschka Fischer, Herr Daniel Cohn-Bendit? Frau Claudia Roth, Frau Jutta Ditfurth pp.?
In den etwas seltsamen Fächern Moral und Ethik wird abgefragt, was Mainstream ist? Dabei müsste doch eigentlich jeder wissen, dass die Mainstream-Diktatur noch gefährlicher ist als die Diktatur der Partei, die immer recht hatte! Wie steht es denn nun mit dem Fach Mathematik? Die phantastische Mengenlehre, die gute Schüler einst besser verstanden als ihre unausgebildeten Lehrer und ihre ahnungslosen Eltern, wurde rasch wieder abgeschafft, weil die Inkompetenz der auf Geisteswissenschaft fixierten linken Bildungspolitiker ihren fachlichen und pädagogischen Bankrott nicht länger ertrugen. Was die beste Abiturfrage ist, ist noch weniger objektivierbar als die Entscheidung, was der beste Lernstoff ist, aber bitte, dann rauschen eben alle mit Karacho gigantomanisch und auf ein immer niedrigeres Niveau herab.

Können Sie diese PISA-Aufgaben lösen?

Endgültig pervers wird die Bildungspolitik, wenn der Egalismus mit glänzenden Augen und gleichzeitig fauchender Drohgebärde als die individuelle Förderung des Schülers auf dessen Schwächen und Stärken zum Wohle der Gesellschaft verkauft wird: eine gigantischer Verschaukelung der schwächsten Mitglieder der Gesellschaft, nämlich der Kinder, denen keine adäquate Bildung mehr zuteil wird, zum gigantischen Nachteil der Zukunft dieser Gesellschaft; damit alle Abitur haben, wird das Prüfungsniveau gerade in gigantischer ideologischer Verblendung gegen Null gesenkt.
Klein, aber fein
Aber zurück zu klein, aber fein. Beispiel Finnland. Das war nach dem Zweiten Weltkrieg, von kleineren Zentren abgesehen, noch zweite Welt. Heute ist Finnland ein wohlhabendes Land mit reichen Bürgern, einer großen Mittelschicht und vergleichsweise Wenigen, die am unteren Ende aus der Gesellschaft heraus fallen. Finnland hat ein hohes Bildungsniveau und war immer ein Pisa-Gigant im positiven Sinn.
Schweden, klein aber fein und schon immer on top. Norwegen klein, aber fein, schwimmt on top auf einer Ölwelle. Dänemark, schon immer klein und fein. Holland, schon immer fast klein und regelmäßig fein. Die baltischen Staaten, sehr klein, sehr fein, von den einen oder anderen Besatzungszeiten abgesehen. Die Schweiz und Österreich hatten stets sowohl materiell als auch ideell ein überdurchschnittliches Niveau, um es einmal in dieser Weise verkürzt auszudrücken. Und Luxemburg, der Zwerg, in dem Jean-Claude Junkers mit eiserner Faust regiert, bietet seinen Einwohnern ein sehr ordentliches Leben. Da allerdings möchte man nicht unerwähnt lassen, Herr Euro-Gruppenchef, dass Luxemburg zum Beispiel mit angenehmen Umsatzsteuerregeln vor nicht allzu langer Zeit ein El Dorado auch für bundesdeutsche Landesbanken war. Auch von Sozis geführte öffentlich-rechtliche Banken (zum Beispiel die vom Johannes Rau-Intimus Friedel Neuber geführte West-LB) unterhielten dieserhalb Filialen im Herzogtum zwecks Ausnutzung rechtlicher Vorteile dort.

Europa ist eine fixe Idee

Kampf gegen die Staatsschulden
Winston Churchill Quelle: dpa
Diagramm: Fisikalische Repression Großbritannien
Harry S. Truman Quelle: AP
Diagramm: Fisikalische Reperssion USA
Angela Merkel Quelle: dpa
Deutschland 1950-2050...um den wachsenden Schuldenberg zeitnah abzutragen.

Im wirtschaftlich bedeutsamen USA, einem großen Land, mit einer großen eigenen Bevölkerung, großen eigenen Rohstoffvorkommen, einer großen Wirtschaft und einer großen Landwirtschaft und den unbegrenzten Möglichkeiten, was Wissenschaft und Kreativität anbelangt, muss Obama dagegen aktuell 23 Millionen Arbeitslose konstatieren. In den USA leben 47 Millionen Menschen, die Lebensmittelkarten kaufen und das öffentliche Haushaltsdefizit ist so groß, das es an die Nerven geht. Der wirtschaftliche Angstgegner der USA ist China und das gründet seinen wirtschaftlichen Aufschwung auf der Unterprivilegierung der Mehrheit seiner Bevölkerung. Größe hat in Bezug auf Staaten, Volkswirtschaften, Gesellschaften, Rechtsysteme und Kulturen also keinen positiven oder negativen Wert aus sich heraus.
Die fixe Idee der europäischen Nomen Klatura
Warum also die Euro-Krise, die in Wahrheit eine Wirtschaftskrise des Südens und zur Zeit speziell Griechenlands ist, mit einem Plus an Europa, das schon jetzt kein Mensch mehr durchschaut, begegnen? Die von oben ausgestrahlte Gewissheit, dass Größe allein Kontrolle, Ordnung und Aufschwung vom Polarkreis bis Lampedusa, von Portugal bis Griechenland brächte, ist eine fixe Idee, die die europäische Nomen Klatura im Würgegriff hat.

So viel zahlen oder bekommen die einzelnen Länder

Jeder kann in der Bundesrepublik besichtigen, wie schwer und wie langwierig der Prozess der Anhebung der Neuen Bundesländer auf altes Westniveau ist. Und wie sehr die alte Bundesrepublik relativ unter der Last der Wiedervereinigung wirtschaftlich "gelitten" hat. Auch die alte Bundesrepublik war immer eine Transferunion. Wirtschaftlich starke Regionen unterstützten die schwachen Regionen Deutschlands.
Jetzt im Schnellgang, möglichst bevor die nächste oder die übernächste oder die überübernächste "Tranche" (viele Milliarden oder sehr viele Milliarden Euro) nach Griechenland gehen, die Verfassungen von 27 EU-Mitgliedstaaten und den EU-Vertrag ändern, und noch bevor der Weihnachtsmann oder der Osterhase kommt, die Vereinigten Staaten von Europa aus der Asche zu zaubern, ist ein grauenvoller, abstoßender, dümmlicher Gigantomatismus, für dessen zutreffende Qualifizierung man eigentlich in die Kiste der Kraftausdrücke greifen müsste.

Euro ist ein gigantischer Fehler

Berlusconi schürt antideutsche Kampagne
Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi und seine Partei Forza Italia (FI) wollen im Europa-Wahlkampf mit kritischen Parolen über Deutschland punkten. Berlusconi griff den sozialdemokratischen EU-Spitzenkandidaten Martin Schulz scharf an und verunglimpfte dabei auch dessen Landsleute mit der Aussage, die Deutschen hätten die Existenz von Konzentrationslagern nie anerkannt. Die FI plakatiert indes den Slogan „Più Italia, meno Germania“ („Mehr Italien, weniger Deutschland“). Die SPD protestierte umgehend, auch in der CDU gibt es Kritik. Forza Italia macht die deutsche Sparpolitik für die Rezession der italienischen Wirtschaft verantwortlich. Berlusconis Partei fordert, sich dem Kurs zu widersetzen. Schulz sagte dazu dem „Spiegel“: „Es ist empörend, dass eine Schwesterpartei der CDU in Italien mit antideutschen Parolen Wahlkampf macht.“ Aus Berlusconis Umgebung wurde die Kritik als „politische Instrumentalisierung“ abgetan. Berlusconi attackierte Schulz und die Deutschen mit Rückgriffen auf die grausame deutsche Geschichte: Er habe im Jahr 2003 für Schulz unfreiwillig Werbung gemacht, als der dem damaligen EU-Parlamentarier vorwarf, dieser sei die ideale Besetzung für die Rolle eines KZ-Aufsehers, sagte der ehemalige italienische Ministerpräsident bei einer Parteiveranstaltung am Samstag in Mailand. „Ich wollte ihn nicht beleidigen, aber, um Gottes Willen, für die Deutschen haben die Konzentrationslager nie existiert“, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa den erneuten Ausfall Berlusconis. „Die Katyn-Lager, ja doch, die deutschen nicht“, fügte der rechtskräftig verurteilte Steuerbetrüger demnach hinzu. In Katyn hatten sowjetische Truppen im Frühjahr 1940 Tausende polnische Soldaten ermordet. Konzentrationslager gab es dort nicht. Quelle: dpa
In Griechenland geht die Angst vor neuen Sparauflagen um. Nachdem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Mittwoch verlauten ließ, Griechenland werde nach 2015 ein drittes Hilfspaket benötigen, kochten die Emotionen in den griechischen Medien hoch. Die Athener " Zeitung der Redakteure" (im Bild) ahnte sogleich "neue, unerträgliche Sparauflagen für das griechische Volk" voraus. Schäuble, so hieß es, arbeite bereits an einem neuen Kreditvertrag für Griechenland. Die Zeitung "Real" titelte gar: "Herr Schäuble, bringen Sie das gestohlene Geld zurück". Das Blatt "Ta Nea" sieht einen Zusammenhang zwischen dem Besuch des EZB-Direktors Asmussen in Athen und Schäubles Äußerungen - Asmussen habe bereits Einzelheiten eines neuen Hilfskonzepts im Gepäck, wurde gemutmaßt. Der EZB-Direktor wies diese Spekulationen im Anschluss an sein Treffen mit dem griechischen Finanzminister Stournaras zurück. Quelle: Screenshot
Noch relativ freundlich geht das britische Wirtschaftsmagazin "The Economist" mit den Deutschen ins Gericht. Als zögerlichen Herrscher bezeichnete das Magazin Deutschland im Juni 2013. Deutlich schärfer blies der Wind dagegen in den letzten Monaten aus Südeuropa...
Angela Merkel auf dem Cover der griechischen Zeitschrift Crash Quelle: Handelsblatt Online.
Europäische Politiker in einer Titelgeschichte der griechischen Zeitschrift Crash Quelle: Handelsblatt Online.
Cover der griechischen Magazins crash Quelle: dpa
Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel ist auch IWF-Chefin Christine Lagarde zum Hassobjekt in Griechenland geworden. Hier werden die beiden Politikerinnen als Krähen dargestellt, die Griechenland bestehlen wollen. Soldaten versuchen, die beiden Frauen mit den Hitler-Bärten abzuwehren.

Der Wahnsinn irgendein fiktives Europa unumkehrbar machen zu wollen, bevor am Ende doch noch 27 Armeen den Rubikon überschreiten und sich die Köpfe einhauen und Europa in Trümmern legen, ist nach allem Anschein nur noch schwer zu bremsen. Mit dem Argument die EU hätte 60 Jahre Frieden gebracht (was nicht einmal stimmt, da Europa auch ohne eine EU in der bipolaren Ordnung nach dem zweiten Weltkrieg im Frieden gelebt hätte) jetzt einen europäischen Einheitsbrei namens "Vereinigte Staaten von Europa" geradezu panisch kreieren zu wollen, als gelte es den dritten Weltkrieg zu verhindern, ist ein Gedanke, den man getrost paranoid nennen darf.

Allerdings: nicht paranoid ist die Feststellung, dass die ideologisch gewordene Euro-Rettung schon jetzt unnötig Zwietracht zwischen den europäischen Gesellschaften gesät hat. Siehe etwa Merkel als Nazibraut in griechischen Medien. Und siehe das moralisch scheinlegitimierte Anspruchsdenken vieler Menschen in den Südstaaten, dass Deutschland was auch immer zu zahlen hätte.
Durchmarsch zu den "Vereinigten Staaten von Europa"
Der Euro war und ist ein gigantischer Fehler. Dieser Fehler wird potenziert, wenn jetzt Europa ex macchina über uns kommen soll.
Die Europäischen Gesellschaften zerfallen und zerbröseln in sich. Alte Strukturen implodieren, Parallelgesellschaften entstehen, die vom Mainstream für nicht existent erklärt werden. Und da kommen die Oberlehrer Merkel und Schäuble und Steinbrück daher und philistern vor sich hin, dass Duldsamkeit Bürgerspflicht wäre: niederknien, ja sagen, Mund halten, wir machen euch Europa und die Inflation wird euch satt und glücklich machen.
Und die Gesellschaften in Europa, die im "Empört euch-Rausch" (mischt euch ein, protestiert, lasst Euch nichts gefallen, geht auf die Straße, verlangt eure Rechte, seid kritisch gegenüber Regierung und Staat-Rausch)stupide in einem sehr eindimensionalen Mainstream vor sich hin wabern, stehen im Begriff dem Europa-Diktat von Oben willen-und ideenlos zu unterliegen.

Absurdität hat Konjunktur

In Arbeit
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Selbst die neueste absurde Idee Schäubles, dass der Parlamentarismus in den "Vereinigten Staaten von Europa" zerstückelt und zerhackt wird, in dem die Abgeordneten mit unterschiedlichen Stimmrechten zu unterschiedlichen Gesetzen in ein und demselben Einheitsstaat ausgestattet werden, so einige offenbar ernst gemeinte Vorschläge des deutschen Finanzministers, findet in dem verirrsinnigten Mainstream dieser Zeit müde Zustimmung, nach dem Motto, warum nicht? Absurdität hat eben Konjunktur und es gibt eine Dynamik. Die nächste Volte ist immer noch ein bisschen verrückter als die voran gegangene.
Und was war noch einmal das Problem? Ach so. Es ging nur um die Administration eines geordneten Euro-Austritt Griechenlands.

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