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Bettina Röhl direkt

Die Euro-Ideologen

Seite 3/3

Euro, warum?

Das europäische Spitzenquartett
José Manuel Barroso Quelle: dpa
Herman Van Rompuy Quelle: REUTERS
Catherine Ashton Quelle: dpa
Martin Schulz Quelle: dpa

Seit langem fuchtelt Merkel mit der Formel herum, dass der Euro alternativlos sei. Die Vokabel alternativlos ist allerdings die Inkarnation des inhaltsleeren Argumentes.

Euro, warum? Diese Frage beantwortet das Merkel-Lager nicht. Jedenfalls nicht mit zwingenden Argumenten. Am deutschen Finanzwesen soll die Welt genesen - das mag Merkels Weisheit sein und ihr persönliches Ziel mag es sein, als Gründungsqueen der Vereinigten Staaten von Europa in die Geschichtsbücher einzugehen, nachdem ihr Mentor Kohl schon die deutsche Einheit gemacht und den Euro auf den Weg gebracht hatte. Und Schäuble? Strippenzieher unter Helmut Kohl und jetzt Strippenzieher unter Angela Merkel, was ist sein persönliches Motiv? Warum kämpft er so verbissen für den Euro?

Es ist absolut lege artis, auch im wissenschaftlichen Sinn Skepsis am Euro zu äußern und damit die Regierung aufzufordern endlich ihren Euro-Kurs zwingend und verständlich zu begründen, was objektiv allerdings kaum möglich sein dürfte. Das Merkel-Lager fängt stattdessen an, unflätig zu werden, was ein schlechtes Zeichen ist.

Merkels Fiskalunion und des neu gewählten französischen Präsidenten bevorzugte Nummer vom Schulden machen, um Wachstum zu generieren, kollidieren seit Francois Hollande die Grande Nation lenkt. Hollande will am liebsten, dass alle Euro-Länder die Staatsschulden des Südens übernehmen (Euro-Bonds), dass alle Euro-Länder die in massive Schieflage geratenen Banken kapitalisieren und dass darüber hinaus alle Euro-Länder die Strukturreformen im Süden und in Frankreich selbst finanzieren und gleichzeitig liquide Mittel zur Finanzierung eines Aufschwunges für die stotternden Volkswirtschaften des Südens bereit stellen.

Frankreich und die potenziellen Nehmerländer im Süden wollen nicht weniger, als dass der Norden Europas solange für den Süden arbeitet, bis es dem Süden mindestens genauso gut geht wie dem Norden. Dabei verkennen die gierigen Länder, dass Geldgeschenke eine höchst ambivalente Wirkung haben. Sie können Gutes bewirken, sie können verpuffen, sie können aber auch kontraproduktiv wirken.

Europa braucht etwas Zeit

Wie meistens geht es ohnehin nicht um Schwarz oder Weiß, um Yes or No, sondern um den qualitativen Standard des politischen Handwerks, um das politische Können. Europa ist viel komplexer, als dass mit der Durchmarschmentalität von Merkel und Schäuble Gutes für den Kontinent oder auch nur Gutes für den Euro bewirkt werden könnte.

Merkel war für Haushaltsdisziplin und Abbau der Staatsschulden eingetreten. Und für eine Wachstumsförderung, die auf neues Schuldenmachen verzichtet. Das ist - und das muss man ihr zu Gute halten - der einzige, allerdings mühselige und langfristige Weg zum Erfolg.

Die politische Union Europas, die es jetzt nach Merkels und Schäubles Willen richten soll, und da will auch die Opposition nicht ins Hintertreffen geraten und ebenfalls mitmischen, wäre eigentlich ein schöner Traum, aber der Teufel steckt in Millionen, wenn nicht Milliarden kleinen Details.

Europa existiert doch schon. Die Europäer lieben sich, wie ausgeführt, schon seit langem. Viele trauern darum, dass schöne kulturelle Eigenheiten der Regionen verloren gehen. Warum um alles in der Welt muss in einer Art Kamikazeflug Europa herbei geschossen werden. Und nichts anderes ist es, wenn der eitle Dilettantismus der Gründervater von Europa wäre.

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Einmal zurück zur Währungsschlange: ein Ergebnis war, dass die wirklich ähnlichen Volkswirtschaften Deutschlands, Hollands, Österreichs, de facto damit gelebt haben, dass der Gulden und der Schilling am Ende ihrer Existenz eine innige Verbindung mit der DM eingegangen waren, so dass die starke Mark, der D-Mark-Raum, größer war als der Geltungsbereich der Mark. Das haben die Märkte akzeptiert, weil es der Realität geschuldet war.

Es waren in Wahrheit volksemotionale Gründe, weshalb jedes Land seinen Thaler behalten wollte. Aber de facto gab es die beschriebene um die D-Mark gruppierte Währungsunion und sie war segensreich. Den Euro wachsen lassen, statt ihn zusammen zu kloppen, das wäre der richtige und schnellste und verlustfreieste Weg. Und den Ländern, die nicht mithalten können, die Möglichkeit zu geben, auszutreten und natürlich auch wieder einzutreten. Und das mit einer positiven Haltung, frei davon, Katastrophen herbei zu reden. Wer glaubt die Gründung der USA und die Einführung des Dollar auf Europa und den Euro übertragen zu können, träumt Nonsense. Europa braucht halt etwas Zeit.

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