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Bettina Röhl direkt

EuroVegas: Rote Karte für den spanischen Spielbank-Kapitalismus

Bettina Röhl Publizistin

In der Nähe von Madrid will Spanien mit einem gigantisches "Las Vegas"-Projekt Arbeitsplätze schaffen und Geld in die Kasse holen. Doch das Projekt hat beste Chance ein Mega-Flop zu werden, der von den Eurogeberländern bezahlt werden müsste.

Computersimulation von EuroVegas Quelle: dpa

Zukunftsmusik? Nahe Madrid sollen 17 Milliarden Euro in den Sand gesetzt werden. So der Wille des Casino-Moguls aus Las Vegas, der für diese Summe Casinos, Hotels und Vergnügungsstätten aller Art in den Himmel wachsen sehen will. Das alles unter den Namen EuroVegas. Und die spanische Regierung, die zwischen Verzweiflung und Größenwahnsinn, zwischen Einfallslosigkeit und Verantwortungslosigkeit hin und her geschüttelt wird, will mit dieser ekelhaften und gesamtwirtschaftlich fatalen Idee 250.000 Arbeitsplätze herbei zaubern.

Der milliardenschwere 79-jährige Sheldon Adelson, Herr über die Casino-Industrie, Las Vegas Sands Corporation, in der Wüste Nevadas, muss die spanische Regierung schon für sehr dämlich halten. Leider benimmt sich die spanische Regierung auch tatsächlich so dämlich.

Dass Kritiker des Projektes als Folge eines solchen Casino-und Vergnügungstempels massive Kriminalität, Prostitution, Geldwäsche und dergleichen mehr, sowie negative Auswirkungen auf die Umwelt befürchten, soll hier nur am Rande erwähnt werden. Dass das Ganze allerdings im günstigsten Fall volkswirtschaftlich nur ein Nullsummenspiel oder gar ein Flop werden könnte, ist eine sehr realistische Befürchtung, die die spanische Regierung offenbar nicht sonderlich anficht.

Organisierter Vergnügungswahn

Warum auch? Weiß doch Ministerpräsident Mariano Rajoy, dass er selber, wenn es finanziell ökonomisch zum Schwur kommt, längst seine wohlverdiente Pension (vielleicht) an einem lauschigen Ort fernab des organisierten Vergnügungsirrsinns genießen wird. Einstweilen beschäftigt sich der oberste Spanier jedoch mit der verlockenden Vorstellung, eine viertel Million neuer Arbeitsplätze in EuroVegas zu schaffen, dies allerdings so, als würden diese heute oder in diesem oder im nächsten Jahr entstehen. Nach den unverbindlichen Versprechungen des Investors Sheldon Adelson alias Las Vegas Sands entstehen die versprochenen 250.000 Arbeitsplätze allerdings erst nach Fertigstellung des Projektes in 20 Jahren. Oder so.

Aber bis zur endgültigen Fertigstellung von EuroVegas, besser EspaniaVegas, sollen ja schon sukzessive durch die Baumaßnahmen sowie durch den für 2016 geplanten Anschluss ans weltweite Vergnügungsnetz in den dann fertig gestellten ersten Bauabschnitten Arbeitsplätze entstehen. Ob und in welchem Umfang der spanische Arbeitsmarkt dadurch entlastet wird, ist allerdings äußerst ungewiss. Zu den Bedingungen des Investors soll es nämlich gehören, dass Spanien de facto einen exterritorialen Status für das gigantische Vergnügungsareal herstellt. Die Casino-und Hotelwirte sollen erhebliche Steuerprivilegien genießen und als Arbeitgeber von den Errungenschaften des Arbeitsrechtes weitestgehend entbunden werden. Tatsächlich heißt dies, auch wenn die spanische Regierung dies offenbar nicht wahrhaben will, dass wahrscheinlich sehr viele Arbeitssklaven, die auf die europäischen Schutz-und Fürsorgerechte eines europäischen Arbeitsnehmers zu verzichten bereit sind, importiert werden.

Die Schulden der spanischen Regionen

Spanien hängt am Tropf der Nordländer des Euro

Wie schwer ein Casino-Unternehmer im Ernstfall wirklich ist, weiß wahrscheinlich niemand. Aber das US-Magazin Forbes schreibt Adelson immerhin schon mal 24 Milliarden Dollar zu und listet ihn auf Platz 12 der reichsten Menschen der Welt.  Das Unternehmen des Spielbankunternehmers Las Vegas Sands ist ins Visier der amerikanischen Ermittlungsbehörden geraten und dies im Zusammenhang mit Geldwäsche, die das Unternehmen unterstützt haben soll.

Inwieweit der spanische Staat überhaupt mit dem europäischen Recht und im Einklang mit dem europäischen Geist einem Investor Sonderkonditionen wirksam einräumen kann, sollte auch von der deutschen Regierung genauestens überprüft werden. Inwieweit der spanische Staat mit eigenen Milliardenbeträgen die Infrastrukturmaßnahmen wie Verkehrsanbindung, Erschließung des Bauareals  aus dem Boden stampft, geht alle Euro-Länder etwas an. Schließlich hängt der spanische Staat und hängen auch die spanischen Banken am Tropf der gesunden Nordländer des Euro.

Inwieweit der spanische Staat mit dem, recht einfallslos, EuroVegas genannten Projekt ein eurofreundliches Verhalten an den Tag legt und sich überhaupt als Subventionsempfänger eignet, muss dringend durchleuchtet werden. Die EZB, die sich unter ihrem inzwischen umstrittenen Chef Mario Draghi gern wie ein Finanzinspektor geriert, kann zu solcherlei Auswüchsen wie EuroVegas nicht einfach schweigen.

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