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Bettina Röhl direkt

Goodbye, Christine Lagarde!

Bettina Röhl Publizistin

Neuer Schuldenschnitt oder Milliardenkredite zur Rettung Griechenlands. Um diese untauglichen Alternativen geht es (wieder einmal) beim heutigen Krisengipfel der Euro-Finanzminister in Brüssel. 

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Die Französin Christine Lagarde ist die Direktorin des Internationalen Währungsfonds. Quelle: Reuters

Es wird Zeit, dass die IWF-Chefin Christine Lagarde, die jetzt erneut den Schuldenerlass durchpeitschen will, aus der Euro-Rettungspolitik verabschiedet wird. Die berüchtigt-berühmte Troika bestehend aus Europäischer Union (EU), Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfond (IWF) hat sich in ihrem Euro-Krisen-Management und in ihrer Behandlung der ganz speziellen Finanzkrise Griechenlands, die auch eine Wirtschaftskrise außergewöhnlichen Ausmaßes des Landes ist, als wenig hilfreich erwiesen.

Was für ein Sammelsurium von demokratisch  überhaupt nicht oder allenfalls schwach (EU) legitimierten Institutionen ist da unter dem etwas absurden Namen "Troika" am Werkeln! Man muss schon unterscheiden zwischen der Außenstellung des Euro zum Rest der Währungen dieser Welt, die es auch noch gibt und dem Standing des Euro im Inneren der Euro-Zone. Der IWF mit seiner arg selbstherrlichen Chefin Christine Lagarde an der Spitze mag vielleicht geeignet sein die notorisch unterbewertete Währung des Exportweltmeisters China im Interesse der Fairness des globalen Handels zu moderieren, will sagen, für einen Interessenausgleich zwischen China und den anderen Exportnationen zu vermitteln (da könnte sich Lagarde mal nutzbringend beweisen), aber im Innersten einer Währung selbst, im internen Management dieser Währung ist der IWF ein völlig ungeeigneter Fremdkörper.

Anmaßend und diktatorisch

Es ist schon grauenhaft und peinlich mit anzusehen, wie Lagarde mal aus Tokio, mal aus Manila mit öffentlichen Statements Euro-Politik machen will und dies faktisch betrachtet mit einer unangemessen großen Wirkung für und gegen die nationalen Regierungen und Parlamente der 17 Euro-Länder. Die Dame wird immer anmaßender und regelrecht diktatorisch, wenn sie sich als böser Geist an alle Kabinettstische der Euro-Regierungen setzt und sich jetzt auch noch als Hauptfigur beim heutigen Euro-Finanzministertreffen in Brüssel als die eigentliche Chefin schon vorab in Szene setzt und dies mit dem angekündigten Verlangen, dass die Finanzminister Griechenland erneut mit erhebliche Milliardenbeträgen beschenken.  

Das steht im Troika-Bericht

Doch dieses Geschenk heißt auf deutsch Schuldenerlass oder neudeutsch Schuldenschnitt. Und die etwas lädierte amerikanische Hochglanzbank Goldman Sachs hat auch schon eine Idee (eine Studie), wie hoch denn der Betrag des Geschenkes an Griechenland zu sein hätte parat. Da ist von 80 Milliarden Euro die Rede. Nach dem Motto Klotzen ist besser als Kleckern.  Allerdings fällt auch jeder Klotz durch das Fass, das keinen Boden hat. Man kann es nicht oft genug sagen: Griechenland hat nur vordergründig ein Schuldenproblem. Das Hauptproblem ist, dass das Land keine wettbewerbsfähige Wirtschaft hat und an der Tatsache lässt sich mit Geschenken nur wenig ändern.

Nachfolgerin von Strauss-Kahn

Die größten Netto-Zahler der EU
Touristen in Helsinki Quelle: dapd
Eine Windkraftanlage nahe Dänemark Quelle: dapd
Der Wiener Opernball Quelle: dpa
Da Atomium in Belgien Quelle: REUTERS
Eine Mitarbeiterin in der Schwedischen Botschaft in Minsk Quelle: REUTERS
Frau Antje Quelle: AP
Das Colosseum Quelle: REUTERS

Lagarde scheint einen kosmischen Höhenkollaps erlitten zu haben, als sie Dominique Strauss-Kahn, der aus etwas speziellen Gründen seinen Chefsessel beim IWF im Frühsommer 2011 verloren hatte, auf dessen Posten nachfolgte.  Sie regiert viel zu ausufernd in Europa mit und jetzt droht sie auch noch mit ihrem IWF Europa wieder zu verlassen, was allerdings ein Segen für den Euro und dessen interne Probleme wäre. Deswegen wird hier die klare Auffassung vertreten: Raus mit Lagarde und dem IWF aus dem Euro. Alle bestehenden "Verwicklungen" abwickeln und die Sache selber in die Hand nehmen. Wer ist Lagarde, dass sie Geldgeschenke innerhalb Europas durchsetzen will und damit auch in die Eigentumsverhältnisse vieler Menschen und Bürger und Steuerzahler eingreift.

Raus mit dem IWF aus dem Euro-Krisenmanagement.

Es war eine Schnapsidee der Euro-Phantasten in Europa den IWF in die sogenannte Troika hinein zu holen und so die Verantwortungs-und Kompetenzlage zu verwirren und irgendeinen nebulösen Legitimationsbrei anzurühren, nach dem Motto: sogar eine Unterorganisation der UN spricht ex kathedra mit.  Diesmal meldete sich Lagarde tatsächlich aus Manila und ließ verlauten, dass sie ihre Asienreise extra für uns Euro-Bürger vorzeitig abbricht, um an der Finanzministersitzung in Brüssel teil zu nehmen und das alles um ihrer Idee einer erneuten Beschenkung Griechenlands, die allerdings nicht Lagarde, sprich ihr IWF zahlen sollen, durch zu peitschen. Die Ein-Frau-Show nervt vor allem, weil nicht ersichtlich ist welches die Motivation der Christine Lagarde ist und was ihr Ziel sein könnte.

Was aus den Rettungsplänen wurde
GeuroEs war eine Idee des früheren Deutsche-Bank-Chefvolkswirts Thomas Mayer: Griechenland führt eine Parallelwährung ein, den Geuro, der neben dem Euro im Land zirkuliert. Unternehmen könnten dann ihre Beschäftigten mit dem Geuro bezahlen, diese sich  dafür Lebensmittel und andere Verbrauchsgüter kaufen. Da sich die neue Parallelwährung gegenüber dem Euro schnell abwerten würde, wären griechische Produkte und Dienstleistungen – hier vor allem der Tourismus – schnell wieder wettbewerbsfähig. Nach außen hin könnte das Land weiter in Euro rechnen. Es blieb eine Idee. Quelle: dapd
Striktes SparprogrammGriechenland spart sich gesund. Der Plan sieht vor, dass Griechenland 2013 und 2014 gut 11,5 Milliarden Euro einspart – durch Kürzung der Gehältern der Staatsbediensteten sowie der Renten, des Verteidigungsetat und so weiter. Dass Griechenland seine Sparpläne einhält, glaubt kaum noch jemand. Die Prüfungskommission Troika wurde bisher bitter enttäuscht. Auch Regierungschef Antonis Samaras trägt nicht zum Vertrauen in die Sparbemühungen bei, wenn er wie Ende August geschehen bei den Schuldnerländern um einen Aufschub bis 2016 bittet. In wenigen Wochen wird die Troika ihren neuen Bericht vorlegen, dann wird man sehen, was Griechenland bisher erreicht hat. Quelle: dpa
'Grexit" - Zurück zur DrachmeDas Land erklärt sich bankrott, steigt aus der Europäischen Währungsunion aus und kehrt zur Drachme zurück. Jahrelang warnten Euro-Politiker vor Ansteckungseffekte einer Griechenland-Pleite. Spanien, Italien oder Portugal würden dann ebenfalls in den Abgrund getrieben, hieß es einstimmig aus Brüssel. Doch die Stimmung hat sich gedreht. Das Risiko eines Austritts Griechenlands aus der Währungsunion wird in den Ländern der Euro-Zone mittlerweile für beherrschbar gehalten. Das "Grexit-Szenario" bleibt eine Option, sollte Griechenland seine Sparpläne nicht in die Tat umsetzen. Quelle: dpa
Konzept "Südo"Die Teilung des Euro in eine Gemeinschaftswährung der Südländer (Südo) und der Nordländer (Nordo) käme zwar vor allem Griechenland, aber auch Italien, Spanien und Portugal zugute. Da eine Abwertung des  Südo gegenüber dem Nordo die unmittelbare Folge einer solchen Teilung wäre, würde sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der südlichen Euro-Krisenländer entsprechend verbessern. Mit einer solchen Aufteilung wäre die Währungsunion langfristig ökonomisch stabil. Doch die Politik stellt sich quer – das Festhalten an der Einheitswährung ist europäische Staatsräson. Quelle: dapd
Projekt EurekaEs war eine geniale Idee der Unternehmensberatung Roland Berger: Der griechische Staat verkauft große Teile seines Staatsbesitzes – an Kulturgüter wie die Akropolis war dabei allerdings nicht gedacht – an eine europäische Treuhandanstalt. Mit dem Erlös hätte Griechenland seine Auslandsschulden abtragen können. Die Treuhand hätte dann rund 30 Jahre Zeit gehabt,  die griechischen Staatsunternehmen zu sanieren und zu verkaufen. Deutsche und griechische Politiker hatten durchaus Sympathien für diesen Plan mit dem Namen „Eureka“. Doch es wurde nichts daraus. Quelle: dapd
Konzept "Fixit"Um den Griechen das Leben in der Europäischen Währungsunion zu erleichtern, könnten auch finanziell starke und hoch wettbewerbsfähige Länder die Euro-Zone verlassen. So haben etwa die Finnen angekündigt, sie könnten auch ohne Euro leben. Würden die Finnen tatsächlich austreten (Fixit) und machen die Niederlande, Estland und vor allem Deutschland diesen Schritt mit, würde das Griechenland die fällige Anpassung erleichtern. Vom Tisch ist diese Option noch nicht – der Schlüssel dazu liegt bei der Regierung in Helsinki. Quelle: dpa
Geld druckenEs ist der bequemste aller Auswege – und damit der wahrscheinlichste. Die Europäische Zentralbank (EZB) wirft die Notenpresse an. Und das geht so: Die Regierung in Athen gibt Staatsanleihen aus, griechische Banken kaufen die Titel auf und hinterlegen sie bei der EZB. Dafür bekommen sie frisches Zentralbankgeld. Darüber hinaus denkt die EZB darüber nach, wie sie weitere Staatsanleihen der Krisenländer vom Markt nehmen kann. Die Deutsche Bundesbank ist mit ihrem Widerstand gegen dieses Programm isoliert. 'Not kennt kein Gebot', lautet das Motto von EZB-Präsident Mario Draghi – und so ist der Staatsfinanzierung durch die Notenbank Tür und Tor geöffnet.    Quelle: dpa

Volkswirtschaftliches oder gesamtwirtschaftliches Krisenmanagement heißt immer in erster Linie Abwägung der Alternativen.  Die Salami-Taktik der Euro-Fanatiker, die alles verwursten, die keine Transparenz zulassen und die in ihrer Alternativlosigkeit ersticken und nichts bis zu Ende erklären, entbehrt dagegen jeder Seriosität und jeder Legitimität. Die Euro-Bürger haben einen Anspruch das ganze Paket zu kennen und einschätzen zu können.

Der teure Irrtum ein Euro-untaugliches Land wie Griechenland in die gemeinsame Währung aufzunehmen, hat Geld genug gekostet. Das auf lange Sicht Euro-untauglich bleibende Griechenland im Euro zu halten kostet - diese These wird hier vertreten - wesentlich mehr als Griechenland bei seinem Gang aus dem Euro raus und in eine neue Drachme hinein finanziell zu begleiten. Und natürlich  gibt es den teuersten Domino-Effekt der Weltfinanzgeschichte, wenn Lagardes selbstherrlichen Pläne Platz griffen und Griechenland eine neuerliche Schuldenerlass-Schenkung bekäme. Dann würden nämlich alle schwächelnden Euro-Kandidaten zu Recht sagen, auch wir erwarten das nämliche Milliardengeschenk. Nicht nur abstrakt gesprochen würde der inzwischen überstrapazierte Reformwille  der Euro-Schwächlinge nachlassen, sondern diejenigen, die in den Ländern glauben mit Protest und Krawall auf der Straße erreichen zu können, dass die Freigiebigkeit der Euro-Retter mit Druck erhöht werden kann, würden motiviert ihren Druck erst richtig aufzubauen.

Die Griechenland-Katastrophe

Die seit 2 1/2 Jahren immer deutlicher werdende Griechenland-Katastrophe, die aber in erster Linie eine lokale Katastrophe für das Land selber ist, wurde den Bürgern der potenziellen Zahlerländer als eine Angelegenheit von ein paar Milliarden Euro verkauft und im Laufe der kurzen Zeit gab es dann eine Eskalation in Zehnerpotenzschritten, Ende nicht in Sicht. Und das Schlimmste: der Anfang einer weltmarkttauglichen griechischen Wirtschaft ist nirgends zu erkennen.

Nur eine neue Drachme und Eigenverantwortung nach einer finanzierten Entlassung des Landes aus dem Euro kann Griechenland wirtschaftlich auf eigene solide Füße stellen.  

Was für ein Irrsinn die elf Millionen-Bürgergesellschaft Griechenland derart zu einem vitalen Problem für Europa und die ganze Welt zu machen, dass jetzt nur noch die Frage für wichtig verkauft wird, ob Griechenland mehr Kredite bekommt oder mehr Geschenke.

Spezielle Länderinteressen?

Die zehn größten Euro-Lügen
Ex-EZB-Chef Jean-Claude Trichet Quelle: dpa
Wolfgang Schäuble Quelle: dpa
Giorgios Papandreou Quelle: dpa
Wolfgang Schäuble Quelle: dapd
Chef der Eurogruppe Jean-Claude Juncker Quelle: dapd
Angela Merkel mit Draghi Quelle: dapd
Mariano Rajoy Quelle: REUTERS

Eine IWF-Chefin, die ihre persönlichen Befindlichkeiten und Steckenpferde unkommunikativ, ohne Argumente, aber mit viel Alarmismus und mit einem unerträglichen Ex-Kathetra-Gehabe dem Rest der Welt auf zu zwingen sich anschickt, sollte samt der von ihr vertretenen Organisation aus dem Euro-Rettungsspiel, und das Ganze ist zu einem verkommenen Spiel geworden, mehr oder weniger fristlos entlassen werden. Über den deutschen Länderfinanzausgleich lässt man den IWF ja auch nicht faktisch mitentscheiden.

Wenn nun der Euro die tolle Einheitswährung der 17 Euro-Länder ist, als die sie verkauft wird, dann sollte der Mitgliedsstaaten-Finanzausgleich intern unter den 17 Euro-Ländern geregelt werden.
Hätte der IWF eine glänzende Paraderolle im Euro-Krisenmanagement gespielt , wäre er selbstverständlich willkommen, aber bisher drängt sich das Gefühl auf, dass nicht der IWF an sich, aber dass seine Repräsentanten ein schlechtes Stück Theater abgeliefert haben und dabei auch noch hochnäsig daher kommen.

Fühlt sich Lagarde speziellen Interessen verpflichtet?

Der IWF ist historisch gesehen in seiner Führung, wenn man es so ausdrücken möchte, Frankreichlastig und da darf dann schon über die Motivation der Ex-französischen Finanzministerin Lagarde spekuliert werden, ob da nicht in Wahrheit auch Home-Interessen Lagardes eine Rolle spielen, zumal Frankreich nicht zu den Euro-Kandidaten gehört, die sich im Moment als besondere Euro-Lokomotive anbieten.

Frankreich hat jenseits des Euro endogene Wirtschaftsprobleme, die, Moodys sei Dank, jetzt zu einem Down-Ranking Frankreiches geführt haben. Frankreich steht in der Gefahr für seine exorbitanten Schulden künftig höhere Zinsen zahlen zu müssen. Frankreich steht auf der Kippe von einem Euro-Geberland selber zu einem Euro-Nehmerland zu werden und vom Norden der Euro-Zone zum Süden zu gleiten, quasi als Führungsland der Euro-Loser im Süden.

Die größten Nettoempfänger der EU
Ein bulgarischer Landwirt hält eine Nationalflagge während Protesten in Sofia Quelle: dpa
Eine Frau mit einer Rumänischen Flagge Quelle: dapd
Blitze über Bratislava Quelle: dpa
Die Altstadt von Vilnius Quelle: AP
Blick aus dem Rathausturm in Prag Quelle: dpa
Die Projektion der portugiesischen auf einem historischen Gebäude Quelle: REUTERS
Das ungarische Parlament Quelle: dpa

Man sollte bei internationalen Organisationen mit dem Argument, dass einzelne Amtsträger nationale Interessen verfolgen, sparsam umgehen, aber wenn so gar nicht ersichtlich ist, welche IWF-Politik Lagarde recht einsam und recht großkotzig verfolgt, dann sind  Spekulationen und Mutmaßungen durchaus erlaubt. Wieso legt der IWF nicht die notwendigen alternativen Modellrechnungen vor und wieso bietet der IWF nicht die alternativen Szenarien, die mutmaßlich gegeneinander stehen, als nachvollziehbare Größen an.  

Lagarde als Störenfried

Deutsche glauben nicht ans Ende der Eurokrise
Vier von fünf Bundesbürgern (81 Prozent) sind davon überzeugt, dass die Eurokrise noch nicht ausgestanden ist. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Insa im Auftrag der „Bild“-Zeitung. Dagegen glauben nur sieben Prozent der Befragten, die Krise sei beendet. Sorgenvoll verfolgen viele Bundesbürger die Entwicklung in Griechenland. Nur 34 Prozent sehen das Land auf dem richtigen Weg. Hingegen sind 39 Prozent davon überzeugt, dass Griechenland sich nicht ernsthaft um Reformen bemüht, die das Land wieder zukunftsfähig machen. „Für die überwältigende Mehrheit der Deutschen ist die Eurokrise noch nicht vorbei. Diese Befürchtung wird auch Einfluss auf die Wahlen zum Europäischen Parlament haben“, sagte INSA-Chef Hermann Binkert der Zeitung. Quelle: dpa
Der Chef des Euro-Rettungsfonds ESM hat Griechenland davor gewarnt, bei einer Rückkehr an den Finanzmarkt zu viel für frisches Kapital zu zahlen. Das hoch verschuldete Land musste als erstes unter den Rettungsschirm der Euro-Länder schlüpfen und entging nur so einem Staatsbankrott. ESM-Chef Klaus Regling sagte der Wochenzeitung "To Vima", es sei natürlich, dass Griechenland nunmehr die Märkte testen wolle. Es sollte den Investoren aber keine zu hohe Rendite zahlen, um seine Schuldenlast nicht weiter zu erhöhen. Die griechische Regierung müsse sich überlegen, welchen Preis sie bereit sei zu zahlen, sagte Regling dem Blatt. Quelle: AP
Italiens neue Regierung will sich für eine Abschwächung der EU-Haushaltsziele einsetzen. Das machten Ministerpräsident Matteo Renzi und Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan bei der Vorlage ihrer Sparpläne deutlich. Beide kündigten an, Italien werde seine im Juli beginnende EU-Präsidentschaft dazu nutzen, die Vorgaben auf den Prüfstand zu stellen. "Wir wollen mehr denn je die Richtung Europas ändern", sagte Renzi. Italien stärke aber seine Position, wenn es seine Finanzen momentan im Zaum halte. Die Äußerungen legen nahe, dass Frankreich in den Bemühungen, mehr Zeit für die Erreichung seiner Haushaltsziele zu erhalten, mit Italiens Unterstützung rechnen kann. Renzi legte Vorschläge für die Finanzierung eines 6,7 Milliarden Euro schweren Steuersenkungsprogramms vor. Ein Großteil solle durch Ausgabenkürzungen im Umfang von 4,5 Milliarden Euro erwirtschaftet werden, sagte er vor Journalisten. 2,2 Milliarden Euro würden durch höhere Mehrwertsteuereinnahmen und Bankensteuern gedeckt. Quelle: REUTERS
Investors George Soros und Ex-Bundesbank-Chefvolkswirt Otmar Issing diskutierten an der Frankfurter Universität über die Rolle Deutschlands in der Euro-Krise. Vor der Bundestagswahl hatte Soros betont: Deutschland muss seine Verantwortung für die Eurozone akzeptieren oder aus dem Euro austreten. Die erste Variante bedeutet nach Soros' Lesart: Deutschland soll mehr Geld auf den Tisch legen. Inzwischen habe sich die Wahl jedoch erübrigt. „Jetzt ist die einzige Alternative für Deutschland seine dominante Position zu akzeptieren.“ Es müsse als „wohlwollender Hegemon nach Wegen suchen, die Schuldnerländer aus der Schusslinie zu bringen", fordert er. Quelle: dpa
"Keine Nation hat zwischen 2009 und 2013 weniger auf Austerität gesetzt als Deutschland", behauptet Paul Krugman und verweist auf eine Grafik. Das Problem an der Behauptung: Deutschland hat schon Anfang des Jahrtausends mit der Agenda 2010 schmerzhafte Reformen umgesetzt. Dadurch hatte Berlin einen zeitlichen Vorteil und brauchte sich in den Krisenjahren nicht verbiegen. Quelle: REUTERS
Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, Michael Hüther, sowie der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher und der Leiter der europäischen wirtschaftswissenschaftlichen Denkfabrik Bruegel, Guntram B. Wolff, haben sich in der "F.A.Z." hinter das Anleihe-Kaufprogramm und die Niedrigzinspolitik der EZB gestellt. Die Debatte um die EZB-Politik werde in Deutschland „zugespitzt und mit scharfem Ton geführt“, bemängelten die drei Wissenschaftler. Dies sei schädlich, "denn einerseits scheint es so, dass die Kritik vielfach von dem Erfahrungsgrund der Bundesbank ausgeht und die Bedingungen der Geldpolitik in einer Währungsunion verkennt, und andererseits ist die europäische Krise noch nicht überwunden.“ Die Klagen der Deutschen über zu niedrige Zinsen watschten sie ab: "Es kann nicht die Aufgabe der EZB sein, die Geldpolitik auf ein einziges Land auszurichten, sondern Geldpolitik muss für die Eurozone als Ganzes umgesetzt werden." Quelle: dapd
"Der EZB-Rat sollte sich zu umfangreicheren Wertpapierkäufen durchringen", sagte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger tags zuvor in einem Interview. Der Ökonom, der die Bundesregierung berät, ist sich sicher: "Damit kann man dafür sorgen, dass es erst gar nicht zu einem Abrutschen des Euro-Raums in die Deflation kommt." Für Bofinger haben die Hüter des Euro um EZB-Präsident Mario Draghi noch Nachholbedarf: "Im Vergleich hat die EZB bislang sehr konservativ agiert." Nicht kleckern, sondern klotzen ist deshalb wegen der mit 0,7 Prozent für den Geschmack vieler Ökonomen zu niedrigen Teuerung auch für Bofinger die Devise: "Maßnahmen wie eine weitere kleine Zinssenkung oder ein längerfristiges Versprechen, die Leitzinsen extrem niedrig zu lassen - meinetwegen auch verbunden mit einem konkreten Zeitrahmen -, sind alles nur Tropfen auf den heißen Stein in der aktuellen Lage." Quelle: dapd

Diese Frage muss man zwar den Draghis, Merkels, Hollandes und Montis und auch den Regierungen der schwächelnden Kandidaten, die die Hände aufhalten, auch stellen, aber der Sinn oder der Unsinn, den die Europäer im eigenen Haus verzapfen, ist eine Angelegenheit, mit der die Europäer selbst fertig werden müssen. Aber eine Weltorganisation, wie der IWF, in dem die Egoismen aller 187 Mitgliedsstaaten der Organisation der Hauptmotor sind, hat nun wirklich im Zweifel bei der internen Währungsangelegenheit der Euro-Länder wenig zu suchen. Es ist eben nicht ausgeschlossen, dass Lagarde, die von der Herabstufungswürdigkeit Frankreichs sicher schon länger weiß, einen grundsätzlichen Geldfluss vom besser wirtschaftenden Euro-Norden in den weniger glücklich wirtschaftenden Euro-Süden in Ganz setzen will.

Lagarde und der IWF erweisen sich bei der Euro- Rettung als Störenfriede  

Jedenfalls befördern Lagarde und ihr IWF die Problemlösung nicht, sondern sie erweisen sich als Störenfriede im Rahmen der Bemühungen um die Euro-Rettung. Das Problem ist groß genug und es wird dadurch, dass der IWF seinen Senf dazu gibt nicht  besser. Das Gegenteil trifft zu. Auch die Europäische Zentralbank mit ihrem Draghi an der Spitze spielt bekanntlich keine ganz saubere Rolle bei der Behandlung der Euro-Krise.

Das Argument, das sich, meistens unausgesprochen, in alle Ritzen und Spalten des öffentlichen Diskurses über den Euro eingeschlichen hat,  nämlich, dass es die Situation eines alles rechtfertigenden Notstandes gäbe, der alle Rechtsbindungen und Verträge (Maastrichtvertrag usw.) außer Kraft setzte und dem Spitzenpersonal eine Art omnipotente Legitimation verschaffte, ist an Absurdität nicht zu überbieten und hat mit Recht und Moral nicht das mindeste zu tun. Erstens ist die Griechenlandkrise groß, aber nicht groß genug, um das Recht außer Kraft zu setzen und zweitens ist es so, dass alle Verträge um den Euro herum, auch wenn sie die immanenten Konstruktionsfehler der Gemeinschaftswährung verkennen, mit all ihren Sanktionen und Einflussmöglichkeiten ein Haufen Unrat wären, wenn man sie bei jeder Kleinigkeit für Null und Nichtig erklärt.

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Deswegen wären die 17 Euro-Länder gut beraten, wenn sie auch die Rolle der EZB rechtskonform reduzierten und sich auf die gemeinsame Verantwortung der 17 Länder konzentrieren würden. Den IWF, der jetzt mehr schadet, als dass er Nutzen bringt rausschmeißen scheint ohnehin das Gebot der Stunde.

Auch die EU als drittes Troika-Mitglied ist hoffnungslos überfordert Nützliches beizusteuern. Der Euro ist die Währung von derzeit 17 höchst unterschiedlichen europäischen Volkswirtschaften und diese 17 müssen ihr eigenes Haus jetzt in Ordnung bringen oder analog nach Wohnungseigentumsgesetz oder realiter wieder teilen. Zu viele Köche mit unterschiedlichen Interessen verderben das Essen. Die Troika hatte jetzt ihren Spaß. 

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