Bettina Röhl direkt

Peinlicher Einheitsbrei aus Brüssel

Bettina Röhl Publizistin

Bald können Kunden im Internet bestellte Waren nicht mehr kostenlos zurücksenden - dank einer Brüsseler Verbraucher-Richtlinie. Die ist ein bürokratisches Konstrukt - und großer Unsinn.

Die größten Onlineshops
Platz 10: EspritE-Commerce-Umsatz: 327,6 Millionen Euro. Das Modelabel zählt zu den beliebtesten Marken der Deutschen - vor allem der deutschen Frauen. Dennoch verliert Esprit zwei Plätze im Vergleich zum Vorjahr. Esprit kämpft seit einigen Jahren mit Qualitätsproblemen, einem schleichenden Imageverlust und hat in diesem Jahr zum ersten Mal seit dem Börsengang 1993 einen Verlust von über 400 Millionen Euro eingefahren. Mehr über die Probleme bei Esprit lesen Sie hier: "Esprit läuft die Zeit davon"Quelle des Rankings: EHI Retail-Institute + Statista Studie E-Commerce-Markt Deutschland 2013 - untersucht wurde der Markt der Top 1000 Onlineshops. Als E-Commerce-Umsatz gilt der Nettoumsatz im Jahr 2012, bereinigt von Retouren, exkl. Umsatzsteuer und nur aus der reinen Geschäftstätigkeit des Onlineshops (ohne sonstige betriebliche Erträge des Unternehmens). Quelle: Screenshot
Platz 9: CyberportE-Commerce-Umsatz: 343,1 Millionen Euro. Das Portal für Computer, Unterhaltungselektronik, Handys und Zubehör kann seinen Platz im Vergleich zum Vorjahr halten. Die Produktgruppe Computer & Co. ist mit rund 14 Prozent am Gesamtumsatz der Top-1000-Onlineshops das drittstärkste Segment im gesamten E-Commerce. Quelle: Screenshot
Platz 8: BonprixE-Commerce-Umsatz: 357 Millionen Euro. Die Otto-Tochter Bonprix ist seit 1986 am Markt. Sie wirbt mit günstigen Preise für junge Mode und spricht damit in erster Linie Frauen an. Im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert sich Bonprix um einen Platz. 20 Prozent aller Umsätze der Top 1000 Onlinehändler wurden 2012 mit Modeartikeln gemacht. Quelle: Screenshot
Platz 7: TchiboE-Commerce-Umsatz: 360 Millionen Euro. Vom Teesieb bist zur Regenjacke - bei Tchibo gibt es nahezu alles - das scheint den Kunden zu gefallen. Der einstige Kaffeeröster schießt von Platz 16 auf Platz 7. Der Umsatzanteil der Generalisten, zu denen auch Tchibo zählt, blieb mit knapp 37 Prozent und fast 11 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Rund die Hälfte aller Onlineshops betreibt wie auch Tchibo, zusätzlich ein oder mehrere stationäre Geschäfte. Beliebt sind außerdem Marktplätze wie Amazon und ebay, die von knapp 45 bzw. fast 29 Prozent der Händler genutzt werden. Smartphone- sowie Tablet-optimierte Websites oder Apps inklusive Shopfunktion sind um gut 36 Prozent gewachsen und haben ihren Marktanteil auf über 29 Prozent (Vorjahr: 21,4 Prozent) ausgebaut. Kataloge oder Magazine halten über 23 Prozent innerhalb der Vertriebskanäle. Quelle: Screenshot
Platz 6: ConradE-Commerce-Umsatz: 372,9 Millionen Euro. Werkzeug, TV-Geräte, Glühbirnen - Conrad ist das Technik-Dorado der Schrauber und Bastler. Filialen, Katalog und Onlineportal führen mehr als 220.000 Produkte. Die Conrad-Gruppe geht zurück auf Max Conrad der 1923 das "Radio Conrad" gründete. Im Vergleich zum Vorjahr verliert Conrad einen Platz im Ranking und tauscht ihn mit.... Quelle: Screenshot
Platz 5: WeltbildE-Commerce-Umsatz: 388,9 Millionen Euro. Die Verlagsgruppe Weltbild beschäftigt mehr als 6.400 Mitarbeiter. Zum Sortiment gehören Bücher und E-Books, Musik und DVDs, Software und Games, Haushaltsartikel, Spielwaren und Geschenkartikel. Im Online-Buchhandel ist der Internetshop nach eigener Aussage bereits die Nummer zwei in Deutschland. Weltbild.de macht im Vergleich zum Vorjahr im Ranking der umsatzstärksten deutschen Onlineshops einen Platz gut - von 6 auf 5. Quelle: Screenshot
Platz 4: ZalandoE-Commerce-Umsatz: 411,6 Millionen Euro. Zalando.de, hat mit Platz 4 das Sieger-Treppchen zwar knapp verfehlt, aber volle 16 Plätze im Vergleich zum Vorjahr aufgeholt. Mit seinem Mode-, Schuh- und Accessoires-Sortiment hat das "Schrei-vor-Glück"- Unternehmen das zweitgrößte Segment im Onlinehandel kräftig aufgemischt und könnte schon an die Börse gehen. Zalando feiert in diesem Jahr seinen fünften Geburtstag. Quelle: Screenshot
Platz 3: Notebooksbilliger.deE-Commerce-Umsatz: 485 Millionen Euro. Das Portal für Unterhaltungselektronik, Computer, Handys und Zubehör macht im Vergleich zum Vorjahr einen Rang gut und schafft es damit unter die Top 3. Allerdings mit weitem Abstand auf... Quelle: Screenshot
Platz 2: OttoE-Commerce-Umsatz: 1,7 Milliarden Euro- Otto vertreibt über seine Plattform otto.de mehr als 1,8 Millionen Artikel. Bis 2015 will Otto 300 Millionen Euro ins Online-Geschäft investieren, um zum Beispiel die Online-Töchter der Gruppe weiter zu entwickeln und vielsprechende Startups zu fördern. Bis in knapp zwei Jahren sollen die Online-Umsätze der gesamten Gruppe von heute 5,7 Milliarden Euro auf 8 Milliarden Euro stiegen. Insgesamt betreibt die Otto-Gruppe mehr als 60 E-Commerce-Angebote. Die Online-Geschäfte tragen bereits 57 Prozent an den gesamten Handelsumsätzen bei. In Deutschland sind es sogar 62 Prozent. Quelle: Screenshot
Platz 1: AmazonE-Commerce-Umsatz: 4,8 Milliarden Euro. Am Imperium von Jeff Bezos kommt keiner so schnell vorbei. Mit einem Onlineumsatz von über 4,8 Milliarden Euro hielt amazon.de einen Anteil von 16,3 Prozent am Gesamtmarkt der 1.000 umsatzstärksten Shops. Amazon.com startete 1995, heute ist das Unternehmen weltweit aktiv und beschäftigt mehr als 43.000 Voll- und Teilzeitkräfte. Zusammen erwirtschafteten die zehn hier gezeigten umsatzstärksten Shops übrigens über 32 Prozent am Gesamtmarkt der Top 1000. Quelle: Screenshot

Was den Kauf im Internet anbelangt, war Deutschland bislang maximal verbraucherfreundlich - als eines der wenigen Länder in Europa. In Italien galt das Rückgaberecht bislang nur eine Woche - und es bedurfte für jede Rückgabe eines Einschreibens. In Großbritannien hat die Rückgabe überhaupt keine Tradition. Aber sind die Marktanteile der Internethändler am gesamten Einzelhandel dort höher? Mitnichten. 

Im Gegenteil: Der Hamburger Otto-Versand hat sich in den vergangenen 65 Jahren auf der Grundlage eines freizügigen Ansichts-und Rückgaberechtes zu Europas größtem Versandhaus entwickelt. Teure Kundenfreundlichkeit zahlte sich aus. 

Doch damit ist es nun vorbei. Ab Freitag, dem 13. Juni, ist Schluss mit der kosten- und begründungslosen Rücksendung von im Internet bestellten Waren. 

Das Beispiel zeigt: Viele EU-Richtlinien, die in nationale Gesetze umgemünzt werden, sind offenkundig das Produkt weitestgehend unkontrolliert arbeitender, hoffnungslos überbezahlter Eurokraten in Brüssel.

Wir leben in einer Zeit, in der die Verbraucherschutzrechte, oft gekünstelt, kaum nachvollziehbar und mit geringstem Nutzen, verschärft und manchmal sinnlos durchgequirlt werden. Da ist es ganz und gar unverständlich, dass der Internethandel künftig kundenfeindlicher ausgestaltet wird - aber dafür europaweit einheitlich. Warum war nicht maximale Kundenfreundlichkeit für alle Europäer die oberste Devise bei den Beamten? 

Wem in der Brüsseler Bürokratie nichts Sinnvolles einfällt, der lässt sich eben irgendetwas einfallen, egal, ob es nützlich oder marktadäquat oder marktgerecht ist. Europäische Einfalt, aber eben auf gleichniedrigem Niveau, ist sicher eine der Ursachen dafür, dass die Europäer sich nicht richtig mit den Brüsseler Behörden identifizieren.

Überflüssige Hätschelei

Erstaunlich ist, dass die öffentliche Berichterstattung den Oberunsinn aus Brüssel in komplett verfälschender Weise sanktioniert und dabei zu ganz eigenartigen Ergebnissen gelangt. Diese vermitteln den Eindruck, als gäbe es eine Notwendigkeit oder eine Logik für die absurde Regelung, die man der Privatwirtschaft selber hätte überlassen sollen

Es ist abwegig, dass die Internethändler bösen Kunden hilflos ausgeliefert sind und politischen Schutz von ganz Oben brauchen. Wer in zehn Jahren zu einem mächtigen Marktplayer gegen den Einzelhandel wird wie Amazon, muss nicht gesetzlich "subventioniert" und gehätschelt werden.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%