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Bettina Röhl direkt

Der hässliche Deutsche

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Schönfärberei nützt nichts

Die zehn größten Euro-Lügen 2013
Francois hollande Quelle: dpa
Mario Draghi Quelle: dpa
José Manuel Barroso Quelle: REUTERS
Wolfgang Schäuble Quelle: AP
Martin Schulz Quelle: REUTERS
Antonis Samaras Quelle: dapd
Jean-Claude Juncker Quelle: dpa

Man muss nicht auf die sozial Schwachen in Deutschland oder auf die Sparer oder sonst eine betroffene Gruppe abheben, die murren könnte, wenn es ihr an den Kragen ginge, sondern man muss sich zu der Anerkennung der Tatsache durchringen, dass Deutschland selbst dann, wenn seine Sparer ausgenommen werden wollten und seine sozial schwachen Mitbürger selber leidenschaftlich gern weiter geschwächt werden wollten, außer Stande wäre weitere Zyperns und Griechenlands zu retten und auf Euro-Höchstniveau hoch zu heben. Frankreich oder Italien oder Spanien allein sind Länder, die aufgrund ihrer Größe im Krisenfall den Euro sprengen und die deutsche Wirtschaft überlasten würden.


Es gibt einen Riss durch den Euro hindurch
Auch Schönfärberei nützt nichts. Die Krisen im Süden seien nun endgültig überwunden. Italien, gemeint ist dann stets der Norden, stünde je nach Betrachtungsweise gar besser da als Deutschland und viele Sprüche mehr sind da zu hören. Doch sie alle können über die Realität nicht hin weg täuschen, dass es einen Riss zwischen dem Norden und dem Süden gibt, der mitten durch den Euro hindurch geht.
Gesellschaftsinterne Verwerfungen und "Klassenkämpfe" in den taumelnden Euro-Ländern bergen allerdings noch weitere unüberschaubare Risiken in sich. Massenhafte Arbeitslosigkeit junger Menschen ist so ein Sprengstoff. Da ist es wenig hilfreich, wenn die deutsche Politik dem europäischen Gesellschaftsspiel mit dem hässlichen Deutschen einfach so zuschaut und konkludent behauptet dagegen nichts tun zu können.


Eine offensive öffentliche Erläuterung der ökonomischen Realitäten und eine offensive In-die-Pflichtnahme der Südländer, aber eben auch eine In-die -Pflichtnahme der Bürger dieser Länder und nicht das Aufbauschen und Züchten von dumpfen Ressentiments ist nötig. Und dazu gehört auch eine offensive Auseinandersetzung mit der Instrumentalisierung der Nazi-Geschichte.

Europa



Es ist auffällig, dass die braune Vergangenheit Deutschlands im Quadrat der zeitlichen Entfernung von den Verbrechen, Modeerscheinungen ähnlich, immer wieder zunimmt. Und zwar ohne die dafür nötige moralische Qualifikation. Es ist zu primitiv, wenn Deutsche und Nicht-Deutsche auf andere Deutsche, auf hässliche Deutsche, zeigen, die quasi als nachgeborene Nazis stigmatisiert werden. Eine Aufarbeitung der Nazivergangenheit ist nicht nur etwas anderes, sondern häufig genug das Gegenteil von Instrumentalisierungen und Spielereien wie hier mit der Figur des hässlichen Deutschen.
Und eine Vermengung von heutiger, globaler Wirtschafts-Finanz-und Währungspolitik mit historischen Verbrechen ist keine Angelegenheit, die man Leuten überlassen sollte, die weder von der Geschichte der Verbrechen noch von Ökonomie irgendeine Ahnung haben, sondern einfach nur Emotionen schüren wollen.

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