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Bettina Röhl direkt

Das griechische Austrittszenario

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Schrecken ohne Ende

Ein Euro und eine Drachme Quelle: dpa

Den Status quo, egal mit welcher finanziellen Mitteln und Konstruktionen aus Europa und aus der Welt  durch immer neue Geldzuflüsse zu perpetuieren, ist der berühmte Schrecken ohne Ende. Da muss man kein Spekulant sein, um das einigermaßen solide vorher zu sagen. Ein solcher Cut kann nur die Wiedereinführung einer neuen Drachme sein. Dabei ist es relativ unerheblich wieviel Geld eine solche Einführung kostet, weil es Peanuts wären im Vergleich dazu in Griechenland ein Dauer-Euro-Empfängerland zu konstruieren.

Eine eigene Währung ermöglicht Griechenland die wichtigste Stellschraube, die es braucht, wieder selber zu bedienen. Mit einem einzigen Federstrich wäre Athen mittels der Drachme selber in der Lage die gesamte griechische Volkswirtschaft im Vergleich zum Euro, zum Dollar und zu allen relevanten Währungen und deren Wirtschaftsräumen anzuheben oder abzusenken, eben fein abgestimmt aktuell anzupassen.

Der Euro ist eine Fessel für Griechenland

Der Euro ist eine Fessel für Griechenland und es ist tragischerweise eine ideologische Fessel. Den viel beschworenen Domino-Effekt, wenn Griechenland kippt, dann würden auch Portugal, Spanien oder Italien kippen, gibt es nicht. Dass der im Moment bedenklich schwächelnde Euro noch schwächer würde, wenn Griechenland geordnet austräte, ist eine Mär. Im Gegenteil: die Märkte würden eine klare und begründete Entscheidung honorieren.

Dass der Währungs-Cut finanziell, aber noch mehr handwerklich ein großes zu bewältigendes Problem ist, steht fest. Aber vor den finanziellen Folgen des Währungsschnittes muss man im Vergleich zu allen anderen Szenarien am wenigsten Angst haben. Am meisten Angst muss man davor haben, dass die Euroland-Strategen nicht über das handwerkliche Können verfügen eine Rückkehr Griechenlands zur Drachme so kostengünstig wie möglich zu gestalten.

Wer den Euro zum Prinzip erhebt und Griechenlands Euro-Mitgliedschaft ebenso, qualifiziert sich nicht an der schwierigen Rückkehr zur Drachme entscheidend mitzuwirken.

Die innergriechischen Ungerechtigkeiten zwischen jenen Griechen, die an einer Rückkehr zur Drachme gewinnen und jenen, die daran verlieren würden, sind ein Problem, das letzten Endes nur durch einen von Europa finanzierten Lastenausgleich kompensiert werden könnte. Aber das wären endliche und einmalige Zahlungen. Quasi eine neuerliche Marschallhilfe für ein selbstständiges Griechenland.

Der heilsame Cut

Natürlich würde es keinen Sinn machen der Welt zu verkünden beispielsweise am 1.Oktober High Noon gibt es in Griechenland keinen Euro mehr. Das würde in der Tat zu einem Chaos ohnegleichen führen. Der Cut müsste natürlich plötzlich und unheimlich wie ein Blitz aus heiterem Himmel erfolgen. Die neuen Geldscheine, die entsprechenden Computerprogramme der Banken und Behörden - alles müsste stehen und funktionieren.

Zu so einem Szenario würde es passen, wenn alle Regierungen und Notenbanker und Haushälter bis zum letzten Moment, wie es derzeit geschieht, durcheinander quasseln und ihre widersprüchlichen Wunderrezepte zur Euro-Rettung verkünden oder lancieren: ein Monti will die nationalen Parlamente zwar nicht gleich killen, aber doch ziemlich stutzen, ein europäisches Parlament wird ins Spiel gebracht, das bislang ausweislich der Wahlbeteiligungen nur eine 20 % Legitimation besitzt, aber mit schwadroniert. Draghi will die EZB-Geldpresse anwerfen und Griechenland billiges Weltmarktgeld verschaffen, allerdings zu nebulösen Bedingungen, aber letzten Endes doch nur zur Fortsetzung der altbekannten Wechselreiterei.

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