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Bettina Röhl direkt

Troika im Ouzo-Rausch?

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Tolles Theaterstück

Die zehn größten Euro-Lügen
Ex-EZB-Chef Jean-Claude Trichet Quelle: dpa
Wolfgang Schäuble Quelle: dpa
Giorgios Papandreou Quelle: dpa
Wolfgang Schäuble Quelle: dapd
Chef der Eurogruppe Jean-Claude Juncker Quelle: dapd
Angela Merkel mit Draghi Quelle: dapd
Mariano Rajoy Quelle: REUTERS

Die Troika ist also ein Prüfkörper der griechischen Verhältnisse, dem jede Legitimation und im Zweifel auch jede Kompetenz fehlt und zwar deswegen, weil nicht ersichtlich ist  nach welchen Kriterien die Prüfer vor Ort ausgewählt wurden. Dies schürt den Verdacht, dass die Vertreter der europäischen Kommission in der Troika nach Interessengesichtspunkten politischer Parteien oder nationaler Gruppierungen ausgewählt wurden; welcher Prüfer passt wem bestens in den Kram? Aber es macht eben was her von einer hypernationalen Troika zu sprechen, deren Mitglieder mit wichtigen Prüfungsgesichtern, in vielen Fällen der griechischen Sprache nicht mächtig, den gesamten griechischen Staat mal eben samt seiner Wirtschafts- und Rechtsordnung einem großen "Faktencheck" unterziehen.

Die Arbeit der Troika ist im Zweifel Verschwendung von Geld, und schlimmer noch, Zeit und ihre Ergebnisse haben bestenfalls einen gefühlten Wert. Aber: solange so eine Troika prüft, konnte die Regie ein tolles Theaterstück auf die politische Bühne zaubern. Da konnten sich die Akteure gegenseitig vor Publikum behaken. Da darf dann ein Schäuble mal sagen, dass er gegen Euro-Bonds sei oder er sei entschieden gegen einen Schuldenschnitt und poche auf Haushaltsdisziplin usw. So etwas kaschiert den Irrsinn, der da in Wirklichkeit Regie führt. Schäuble und Merkel konnten die Hardliner geben und von den "Vereinigten Staaten von Europa" schwadronieren und davon, dass eine Überprüfung der Haushalte der souveränen Mitgliedstaaten des Euro nur und ausschließlich durch paneuropäische Hyper-Institutionen überwacht und gesteuert werden könnten.

Ein bisschen Größenwahn ist auch immer dabei

Ein bisschen Größenwahn ist immer dabei. Der darf ja auch auf der wirklichen Theaterbühne nie ganz fehlen. Aber die realen Theater leben auch davon, dass es gefürchtete Kritiker gibt und das noch mehr gefürchtete Publikum, das einfach nicht hingeht, wenn das aufgeführte Stück miserabel ist.

Die Kritiker, sprich die Regierungsjournalisten, die den erwähnten Kongress-und Tagungs- und Händchenschütteln und Bussigeben-Zirkus der Regierungen und der Oppositionen und der mächtigen Kreise der Eurostaaten gierig begleiten und am liebsten ganz vorne in den Regierungsmaschinen mitfliegen und einer eisernen Hackordnung unterliegen, wer heute am dichtesten bei der Kanzlerin sein durfte, fallen als Korrektiv fast vollständig aus.

So ist ein Tunnelblick auf das Euro-Management, auf die Ziele der Politik und die Wege dorthin entstanden, der den permanent wachsenden Euro-Druck von Oben wie eine geradezu naturgesetzliche, "alternativlose" Angelegenheit erscheinen lässt.

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