Biometrie Darf die EU Fingerabdrücke fordern?

Ein Bochumer Anwalt weigert sich, für den Pass Fingerabdrücke abzugeben. Biometrische Daten seien riskant und brächten keine Sicherheit. Der EuGH verhandelt den Fall nun.

Das höchste europäische Gericht prüft, ob die Speicherung biometrischer Daten in Reisepässen gegen das Grundrecht auf den Schutz persönlicher Daten verstößt. Quelle: dpa/dpaweb

In Deutschland bekommt nur einen Reisepass, wer dem Staat ein sogenanntes biometrisches Foto und zwei Fingerabdrücke überlässt. Michael Schwarz findet, dass vor allem die letztere Vorgabe gegen die Menschenrechte und gegen die Europäische Charta der Grundrechte  verstößt. Der Bochumer Anwalt klagt seit vielen Jahren gegen dieses europaweite Gebot, am heutigen Mittwoch wurde sein Fall vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg verhandelt.

Seit dem 1. November 2007 muss in Deutschland jeder den Abdruck beider Zeigefinger aufzeichnen lassen, wenn er einen Pass beantragt. Bereits seit 2005 sind sogenannte biometrische Fotos verpflichtend, bei denen die Geometrie des Gesichtes in Form von Daten auf dem Chip des Passes gespeichert wird. Und das gilt inzwischen auch für den Personalausweis. Seit Jahren wird über das Thema Biometrie debattiert. Spätestens seit der Chaos Computer Club (CCC) 2008 den Zeigefingerabdruck von Innenminister Wolfgang Schäuble veröffentlichte, gibt es Diskussionen darüber, wie sinnvoll und wie gefährlich biometrische Ausweise sind. Für Kritiker wie den CCC sind sie vor allem gefährlich.

Wie Sie jetzt Ihre Privatsphäre schützen können
Telefon mit Passwort schützenEs ist ja nicht nur so, dass die Ehefrau oder der Ehemann manchmal geneigt sein könnte, einen Blick auf das Smartphone des Partners zu werfen. Auch weitaus "gefährlichere" Augen könnten einen Blick auf Mails, SMS, Kontakte oder Applikationen werfen wollen. iPhones lassen sich durch ein vierstelliges Passwort schützen, Google-Telefone bieten zusätzlich eine Gesichtererkennung zum Schutz an. Diese zusätzliche Hürde, an seine Daten zu gelangen, scheint auf den ersten Blick nervig, ist aber durchaus nützlich. Spätestens wenn ein solches Gerät einmal abhanden kommt. Quelle: Screenshot
Computer immer sperren, wenn es in die Mittagspause gehtWas für das Handy gilt, gilt natürlich auch für den Rechner. Vertrauliche E-Mails sollten gerade im Berufsleben vertraulich bleiben. Quelle: Screenshot
Google Alert auf den eigenen Namen machenUm zu wissen, was und in welchem Zusammenhang andere über einen schreiben, kann es sich lohnen einen Alert auf seinen Namen oder seinen Nicknamen bei Google zu erstellen. Jedes Mal, wenn der eigene Name irgendwo im Netz erwähnt wird, bekommt eine Mail mit dem Link. So erhält man die Möglichkeit zu reagieren, sein eigenes Profil zu pflegen oder gegebenenfalls um Löschung bitten zu können. Quelle: Screenshot
Bei Facebook/Google und Co. immer ausloggenOb im Büro, Internetcafé oder anderen Orten, in denen Leute vorbeikommen und einen Blick auf den Bildschirm werfen könnten, bei sozialen Netzwerken wie Facebook sollte man sich bei Verlassen des Rechners dringend abmelden. Jugendliche können verhindern, dass ihre Eltern so fälschlicherweise etwas in ihrem Namen posten oder Accounts komplett löschen, Arbeitnehmer, dass ihnen Kollegen einen bitterbösen Streich spielen. Wer bei Google einen Mail- oder anderen Account hat, sollte sich ebenfalls vor Augen führen, dass Google egal, wo man surft, die Daten speichert. Quelle: REUTERS
Im Geschäft nie an Gewinnspielen teilnehmenNatürlich ist es verlockend, in der Drogerie an einem Gewinnspiel teilzunehmen und einen Audi A3 gewinnen zu können. Doch mittlerweile sollte sich herumgesprochen haben, dass diese Gewinnspiele vor allem dazu dienen, Adressen zu generieren. Wer besonders vorsichtig sein will, sollte immer bar zahlen - sonst werden Spuren beispielsweise bei Kreditkartenfirmen hinterlassen. Quelle: dpa
Bar zahlenWer mit Kreditkarte bezahlt, hinterlässt Spuren und Daten. Immer wieder hört man von Fällen, in denen diese Daten gehackt oder gestohlen werden. Auf Nummer sicher geht es also beim Bezahlen nur mit Bargeld. Quelle: dpa
Cookies im Browser löschenKönnen Sie sich noch daran erinnern, wann Sie das letzte Mal ihren Browser aufgeräumt haben? Ja, es ist praktisch, wenn schon das alleinige Eingeben eines Buchstabens die gewünschte Webseite vorschlägt. Mit Hilfe von Cookies, also kleinen Textdateien, die lokal auf dem Rechner gespeichert werden, ist es möglich Benutzerprofile über das Surfverhalten eines Benutzers zu erstellen. Wer das nicht will, sollte dringend seine Browsereinstellungen ändern bzw. seine Cookies löschen. Quelle: Screenshot

An Schäubles Beispiel zeigte der Club, wie leicht sich fremde Fingerabdrücke kopieren und fälschen lassen. Er belegte, dass Fingerabdrücke nicht mehr Sicherheit bieten, wie von Befürwortern behauptet. Gleichzeitig, so eine weitere Kritik, sind biometrische Merkmale nicht ersetzbar. Wenn ein Fingerabdruck kopiert und missbraucht wurde, ist dieser Fingerabdruck für künftige Ausweise wertlos. Es bleiben dann zwar noch neun andere, im schlimmsten Fall aber irgendwann keiner mehr.

Was, wenn Fingerabdrücke kopiert werden?

Dazu kommt das Risiko, das jede große Datensammlung birgt: Sie kann verloren gehen. Wenn viele technische Systeme digital gespeicherten Fingerabdrücken vertrauen, dann werden sie zu einem begehrten Gut für Kriminelle. Werden die entsprechenden Daten auch noch zentral gespeichert, wird es Versuche geben, diese Datenbank zu knacken und zu kopieren.

Die Europäische Union hingegen findet biometrische Daten sinnvoll, um die "Sicherheit von Reisedokumenten" zu erhöhen und eine "verlässlichere Verbindung zwischen dem Inhaber und dem Pass" herzustellen, wie es in der entsprechenden Verordnung 2252/2004 heißt. Die EU hält biometrische Daten sogar für so wichtig, dass sogar von Kindern Fingerabdrücke genommen werden, obwohl sich deren biometrische Merkmale noch verändern können.

Diese Verordnung möchte Schwarz gern außer Kraft gesetzt sehen. "Ich finde es unzumutbar, mich mit Daten auszuweisen, in denen ich mich selbst nicht erkennen kann", sagt er. Bei einem Foto könne jeder selbst überprüfen, ob es das eigene Gesicht zeigt oder ein fremdes. Bei Fingerabdrücken ist das schon schwieriger. Noch dazu, wenn sie auf dem Chip des Ausweises digital gespeichert sind und für den Inhaber des Passes nicht zugänglich.

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