Blockupy Frankfurt EZB steht im Fadenkreuz des Protests

Tausende Kapitalismuskritiker strömen nach Frankfurt, um die feierliche Einweihung der Europäischen Zentralbank zu stören. Doch nicht nur das linke Lager arbeitet sich an der EZB als Feindbild ab.

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Mit Wasserwerfern, Stacheldraht und Hubschraubern rüstet sich die Frankfurter Polizei für den Mittwoch. Das ist der Tag, an dem Europas wohl mächtigste Finanzinstitution ihren neuen Wolkenkratzer im Ostend des Bankenstädtchens einweihen will. Die seit Monaten angekündigte Eröffnungsfeier der Europäischen Zentralbank allein wäre aber noch kein Grund für ein solches Großaufgebot an Sicherheitskräften im sonst eher beschaulichen Finanzkaff Frankfurt.

Die Polizei marschiert auch gar nicht zu Ehren von EZB-Präsident Mario Draghi auf. Nein, sie rückt aus, weil sich das antikapitalistische Bündnis Blockupy angesagt hat, um das symbolträchtige Datum für eine große Protestaktion gegen die EZB zu nutzen.

10.000 Demonstranten sollen nach Plänen von Blockupy nach Frankfurt kommen, das sonnige Wetter scheint das Vorhaben zu unterstützen. Es ist nicht das erste Mal, dass Blockupy-Anhänger den Finanzplatz am Main als Bühne für kapitalismuskritische Protestaktionen nutzen. Doch im Unterschied zu den ersten Jahren nach der Finanzkrise, als sich die Demos vor allem gegen die in Frankfurt ansässigen Großbanken richteten, steht jetzt die supranationale Zentralbank im Fadenkreuz der Demonstranten.

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Angetreten als Retterin des Euro sieht sich die EZB angesichts einer immer weiteren Verschärfung der griechisch-europäischen Schuldenkrise mit wachsender Kritik konfrontiert.

Interessant dabei: Nicht nur Linke wie Blockupy arbeiten sich an der EZB als Feindbild ab. Auch stabilitätsorientierte Ökonomen und Bürgerlich-Konservative schimpfen auf den zentralbankgesteuerten Tiefstzins, der ihrer Ansicht nach die wirtschaftliche Existenz braver Sparer vernichte. Die allerdings schlagen keine Zelte von der EZB auf, sondern vertrauen auf die Verlautbarungen von Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon, als ob dessen erhobener Zeigefinger die lockere Geldpolitik von EZB-Präsident Draghi bremsen könnte.

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Bündnis aus linksorientierten, finanzkritischen und antikapitalistischen Grüppchen

Wie kann die mächtigste Institution für Europas Geld aus so unterschiedlichen Ecken ins Kreuzfeuer geraten? Blockupy ist ein Bündnis aus linksorientierten, finanzkritischen und antikapitalistischen Grüppchen, unterstützt von Gewerkschaften und dem ein oder anderen prominenten Politiker.

Angemeldet hat die diesjährige Demonstration Ulrich Wilken, Vizepräsident des hessischen Landtags. Der Abgeordnete (Die Linke) sieht die wachsende Macht der EZB über die Regierungen der Euroländer als Motivation für den Protest: „Mit ihrer Entscheidung, griechische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheiten für die Refinanzierung griechischer Banken zu akzeptieren, macht sich die EZB selbst zu einer europäischen Schattenregierung“, sagt Wilken.

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