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Boris Johnson als britischer Außenminister Hätten die Johnson-Basher doch geschwiegen!

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Johnson drückt sich nicht

Man dachte, man kann Johnson zum Abschied noch schnell eine theatralische Backpfeife verpassen, um selbst als besonders verantwortungsvoll dazustehen. Aber Johnson hat sich nicht verbschiedet. Er wird britischer Außenminister. Und alle, die ihm Feigheit vorwarfen, stehen als begossene Pudel da.

Johnson drückt sich nicht, sondern reiht sich ins Glied ein – hinter seiner Parteivorsitzenden und neuen Premierministerin Theresa May. Er ist zweifellos ein Exzentriker, aber ein Feigling ist er nicht. 

Eine politisierende und nach jedem Aufmerksamkeitsstrohhalm schnappende Musikerin wie Cher kann es sich leisten, Johnson einen „F-ing idiot“ zu nennen. Ebenso wie die Boulevard-Journalisten des „Daily Mirror“, die die Welt für Johnsons lächerliche Auftritte um Verzeihung bitten. Journalisten und Musiker müssen schließlich nicht mit ihm verhandeln.

Deutsche und andere Spitzenpolitiker aber müssen sich mit dem „Bonsai-Konservativen“ demnächst an einen Tisch setzen, verhandeln, gemeinsame Lösungen finden. Das würde leichter fallen, wenn man ihn vorher nicht als feige und verantwortungslos beschimpft hätte. 

Klar, Boris Johnson selbst hat mehr persönlich diffamiert und herumgepoltert als die meisten seiner Kritiker. Er nannte zum Beispiel die wahrscheinliche nächste Präsidentin der Vereinigten Staaten, Hillary Clinton, eine „sadistische Krankenschwester“. Daran wird sie sich mit Sicherheit erinnern, wenn sie ihm demnächst auf diplomatischem Parkett die Hand schüttelt. Und als ehemaliger Latein-Lehrer wird Johnson sich dann vermutlich denken: Si tacuisses…

Für die Politik gilt dasselbe wie für das Geschäftsleben: Auf öffentliche Charakterurteile und persönliche Diffamierungen der Wettbewerber - erst Recht ausländischer - zu verzichten, ist nicht nur eine Frage von guten Sitten und Stil. Es zahlt sich vermutlich auch aus.

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