Boris Johnsons Rücktritt Theresa Mays Ende rückt näher

Quelle: imago

Zwei zurückgetretene Minister an kaum zwei Tagen. Großbritannien steht in einer außen- und innenpolitisch schwierigen Lage mit einer stark angeschlagenen Premierministerin da.

Theresa May allein zu Haus? Mit Außenminister Boris Johnson ist nun ein weiterer Minister aus dem Trio der Brexiteers zurückgetreten, die die Premierministerin vor zwei Jahren in ihre Regierung geholt hatte, um die konservative Partei vor der Selbstzerfleischung zu bewahren. Gestern, kurz vor Mitternacht hatte sich bereits Brexit-Minister David Davis verabschiedet. Zwar rückt nun für Johnson Gesundheitsminister Jeremy Hunt nach. Premierministerin May hat aber in den letzten Monaten sieben (!) Minister eingebüßt.

Die Regierung trudelt immer tiefer ins Chaos, ein Putsch gegen die Premierministerin ist nur noch eine Frage der Zeit. Sie ist nun eine Regierungschefin auf Abruf. Und dann?

Ein Führungsvakuum wäre fatal: mit wem sollte EU-Chefunterhändler Michel Barnier über den Brexit verhandeln, wenn in Großbritannien die Regierung kollabiert und sich ein längeres Führungsvakuum auftut? Wie gefährlich wird Johnson May nun, da er die Kabinettsdisziplin verläßt? Nun, er hatte schon bisher kaum Zurückhaltung gezeigt. Seine vielen Querschüsse unterminierten jedoch seine Glaubwürdigkeit, oft machte er sich lächerlich. Johnson schielt zwar weiter auf das Amt des Premierministers, doch seine Chancen stehen schlecht. Das zeigen die jüngsten Umfragen. Schaden kann er May trotzdem, denn ihre Autorität ist dahin.

Auch innenpolitisch kommt die Krise zur denkbarst schlechtesten Zeit: In Salisbury starb gestern Nacht eine Britin an den Folgen des Nervengases Nowitschok, das im März schon den russischen Ex-Spion Sergeji Skripal und seine Tochter schwer verletzt hatte. Die britische Bevölkerung ist verunsichert, in der Downingstreet jagt eine Krisensitzung die nächste. Die obdachlose Britin hatte vermutlich eine kontaminierte Spritze angefasst, gegen sie dürfte kein gezielter Anschlag verübt worden sein. Dennoch geht die Angst um, in solchen Augenblicken muss eine Regierung Stärke und Stabilität vermitteln. Doch sie versagt.

Morgen kommt Bundeskanzlerin Merkel nach London, am Freitag fliegt US-Präsident Trump ein. Ihre Gastgeberin May aber ist nur noch pro forma Herrin in der 10 Downing Street. Großbritannien stehen schwierige Monate und aufreibende Machtkämpfe bevor.

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