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Brexit Was sich im Alltag ändert

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Beispiel Passagierrechte

Die EU schützt Touristen vor Verspätungen und Annullierungen – vor allem bei Flugreisen, aber auch bei internationalen Bahnreisen. Bei Reisen von und nach Europa gelten sie für alle Passagiere. Briten, die künftig in den Rest der Welt fliegen, wären aber nicht mehr geschützt.

Beispiel Mobiltelefone: Roaming-Gebühren in der EU sind streng reguliert – zum Vorteil der Verbraucher. Wer sein Handy im EU-Ausland benützt, muss maximal fünf Cent pro Minute zahlen. Das Herunterladen von Daten kostet maximal 20 Cent pro Megabyte. Ab Juni 2017 fallen die Roaming-Gebühren komplett weg.

Welche Branchen besonders betroffen sind
AutoindustrieDie Queen fährt Land Rover – unter anderem. Autos von Bentley und Rolls-Royce stehen auch in der königlichen Garage. Die britischen Autobauer werden es künftig wohl etwas schwerer haben, ihre Autos nach Europa und den Rest der Welt zu exportieren – je nach dem, was die Verhandlungen über eine künftige Zusammenarbeit ergeben. Auch deutsche Autobauer sind betroffen: Jedes fünfte in Deutschland produzierte Auto geht nach Angaben des Branchenverbandes VDA ins Vereinigte Königreich. Autos deutscher Konzernmarken haben danach auf der Insel einen Marktanteil von gut 50 Prozent. BMW verkaufte in Großbritannien im vergangenen Jahr 236.000 Autos – das waren mehr als 10 Prozent des weltweiten Absatzes. Bei Audi waren es 9, bei Mercedes 8, beim VW-Konzern insgesamt 6 Prozent. Für Stefan Bratzel wird der Brexit merkliche negative Auswirkungen auf die Automobilindustrie haben, die im Einzelnen noch gar nicht abschließend bewertet werden können. „Der Brexit wird so insgesamt zu einem schleichenden Exit der Automobilindustrie von der Insel führen“, sagt der Auto-Professor. „Wirkliche Gewinner gibt es keine.“ Quelle: REUTERS
FinanzbrancheBanken brauchen für Dienstleistungen innerhalb der EU rechtlich selbstständige Tochterbanken mit Sitz in einem EU-Staat. Derzeit können sie grenzüberschreitend frei agieren. Durch den Brexit werden Handelsbarrieren befürchtet. Quelle: REUTERS
FinTechsDie Nähe zum Finanzplatz London und die branchenfreundliche Gesetzgebung machten Großbritannien in den vergangenen Jahren zu einem bevorzugten Standort für Anbieter internetbasierender Bezahl- und Transaktionsdienste, im Branchenjargon „FinTech“ genannt. Das dürfte sich nun ändern. Der Brexit-Entscheid werde bei den rund 500 im Königreich ansässigen FinTechs „unvermeidlich“ zu einer Abwanderung von der Insel führen, erwartet Simon Black. Grund dafür sei, so der Chef des Zahlungsdienstleisters PPRO, da ihr „Status als von der EU und EWR anerkannte Finanzinstitutionen nun gefährdet ist“. Simon erwartet von sofort an eine Verlagerung des Geschäfts und die Schaffung neuer Arbeitsplätze außerhalb von Großbritannien. „FinTech-Gewinner des Brexits werden meines Erachtens Amsterdam, Dublin und Luxemburg sein.“ Als Folge entgingen Großbritannien, kalkuliert Black, „in den nächsten zehn Jahren rund 5 Milliarden Britische Pfund an Steuereinnahmen verloren“. Quelle: Reuters
WissenschaftAuch in der Forschungswelt herrscht beidseits des Kanals große Sorge über die Möglichkeiten zukünftiger Zusammenarbeit. Die EU verliere mit Großbritannien einen wertvollen Partner, ausgerechnet in einer Zeit, in der grenzüberschreitende wissenschaftliche Zusammenarbeit mehr denn je gebraucht werde, beklagt etwa Rolf Heuer, Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. „Wissenschaft muss helfen, Grenzen zu überwinden.“ Venki Ramakrishnan, der Präsident der Royal Society, fordert, den freien Austausch von Ideen und Menschen auch nach einem Austritt unbedingt weiter zu ermöglichen. Andernfalls drohe der Wissenschaftswelt „ernsthafter Schaden“. Wie das aussehen kann, zeigt der Blick in die Schweiz, die zuletzt, nach einer Volksentscheidung zur drastischen Begrenzung von Zuwanderung, den Zugang zu den wichtigsten EU-Forschungsförderprogramme verloren hat. Quelle: dpa
DigitalwirtschaftDie Abkehr der Briten von der EU dürfte auch die Chancen der europäischen Internetunternehmen im weltweiten Wettbewerb verschlechtern. „Durch das Ausscheiden des wichtigen Mitgliedslands Großbritannien aus der EU werde der Versuch der EU-Kommission deutlich erschwert, einen großen einheitlichen digitalen Binnenmarkt zu schaffen, um den Unternehmen einen Wettbewerb auf Augenhöhe mit Ländern wie den USA oder China zu ermöglichen“, kommentiert Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer beim IT-Verband Bitkom, den Volksentscheid. Daneben werde auch der Handel zwischen den einzelnen Ländern direkt betroffen: 2015 exportierte Deutschland ITK-Geräte und Unterhaltungselektronik im Wert von 2,9 Milliarden Euro nach Großbritannien geliefert; acht Prozent der gesamten ITK-Ausfuhren aus Deutschland. „Damit ist das Land knapp hinter Frankreich das zweitwichtigste Ausfuhrland für die deutschen Unternehmen.“ Quelle: REUTERS
ChemieindustrieDie Unternehmen befürchten einen Rückgang grenzüberschreitender Investitionen und weniger Handel. Im vergangenen Jahr exportierte die Branche nach Angaben ihres Verbandes VCI Produkte im Wert von 12,9 Milliarden Euro nach Großbritannien, vor allem Spezialchemikalien und Pharmazeutika. Das entspricht 7,3 Prozent ihrer Exporte. Von der Insel bezogen die deutschen Firmen Waren für 5,6 Milliarden Euro, vor allem pharmazeutische Vorprodukte und Petrochemikalien. Quelle: REUTERS
ElektroindustrieNach einer Umfrage des Ifo-Instituts sehen sich besonders viele Firmen betroffen (52 Prozent). Das Vereinigte Königreich ist der viertwichtigste Abnehmer für Elektroprodukte „Made in Germany“ weltweit und der drittgrößte Investitionsstandort für die Unternehmen im Ausland. Dem Branchenverband ZVEI zufolge lieferten deutsche Hersteller im vergangenen Jahr Elektroprodukte im Wert von 9,9 Milliarden Euro nach Großbritannien. Dies entspreche einem Anteil von 5,7 Prozent an den deutschen Elektroausfuhren. Quelle: dpa

Der Blick auf die Landkarte im Handy könnte für deutsche Urlauber in Großbritannien künftig teuer werden, genauso wie für britische Urlauber in Spanien. Es sei denn, die britischen Mobilfunkunternehmen verzichten freiwillig auf Roaming-Einnahmen. Die Entscheidung liegt ganz bei ihnen. .

Beispiel Lebensmittelvorschriften: Die britische Tageszeitung „Guardian“ hat ihre Leser vor dem Brexit-Referendum augenzwinkernd aufgefordert, noch schnell französischen Käse einzufrieren, bevor es zu spät ist. Bisher gilt für Lebensmittel in der EU das Grundprinzip, dass sie in ganz Europa verkauft werden dürfen, wenn sie in einem Land als verzehrbar eingestuft worden sind. Sollten die Briten aus dem Binnenmarkt ausscheiden, wäre dieses Prinzip außer Kraft gesetzt. Noch steht nicht fest, dass die Briten aus dem Binnenmarkt ausscheiden, wenn sie der EU den Rücken kehren.

Norwegen gehört dem Binnenmarkt an, ohne Mitglied der EU zu sein. Aber ob Großbritannien sich mit den damit verbundenen Pflichten anfreunden kann, muss erst noch debattiert werden.  

Beispiel Zölle: Einmal aus der EU ausgetreten, könnte Großbritannien Zölle auf europäische Ware erheben. Die Europäer könnten andersherum genauso verfahren. In der Summe würden beide verlieren. Allerdings gibt es durchaus Unternehmen, die von Zöllen profitieren würden. Der Chef von Eurotunnel, der Betreiber des Kanaltunnels, schwärmte schon Ende vergangenen Jahres von der „unglaublichen“ Chance, die sich für sein Unternehmen dank Zöllen ergeben würde. Jacques Gounon geht davon aus, dass Briten künftig wieder Tagestrips ins französische Calais unternehmen  würden, um dort billigeren Alkohol zu erstehen. Bis 1999 hat das Unternehmen bis zu zehn Prozent seines Umsatzes mit sogenannten Booze Cruises gemacht, bei denen Briten ihre Alkohlvorräte aufstockten.

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