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"Brexit"-Studie Britische und deutsche Manager fürchten EU-Austritt

Manager fürchten den Ausstieg der Briten aus der EU - aber nicht nur deutsche sondern auch britische. Das geht aus einer Studie hervor, in deren Rahmen Unternehmen nach negativen Folgen des "Brexits" befragt wurden.

Es gibt durchaus Vorteile für die britische Wirtschaft, falls das Königreich aus der EU austritt. Gleichzeitig sorgen sich viele - sowohl in Großbritannien als auch im Rest Europas. Quelle: dpa

Eine große Mehrheit von Managern in Großbritannien und Deutschland spricht sich laut einer Umfrage gegen einen Ausstieg der Briten aus der EU aus. Die Bertelsmann-Stiftung stellte am Montag die Ergebnisse ihrer Studie vor, wonach die Verantwortlichen in den befragten 782 Unternehmen branchenübergreifend vor allem negative Folgen eines sogenannten „Brexits“ sehen. 79 Prozent der Befragten sprechen sich für einen Verbleib des Königreichs in der EU aus. Wobei die Zustimmung mit 83 Prozent in Deutschland höher als bei den Briten (76) ist.

Die Forscher stellten ihre Frage unter der Hypothese, dass das Land die EU als politische Einheit verlässt, aber Mitglied des Binnenmarktes bleibt. Trotzdem befürchteten die Manager erhebliche negative Effekte. 36 Prozent prognostizieren Auswirkungen auf die eigenen Umsätze, 31 Prozent auf Investitionen und 29 Prozent einen Rückgang bei der Zahl der Beschäftigten.

Die schwierige Beziehung der Briten zu Europa

Großbritanniens Premier David Cameron will voraussichtlich im kommenden Sommer das Volk über einen „Brexit“ abstimmen lassen. Die Umfrage, die dem Handelsblatt und der britischen Zeitung "Guardian" vorab vorlag, könnte ein Argument für Cameron und andere Befürworter des Verbleibs in der EU sein. Einer aktuellen britischen Umfrage von ICM zufolge befürworten mit 42 Prozent inzwischen mehr Briten den Ausstieg. Beim EU-Gipfel am Donnerstag wird erwartet, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere Regierungschefs den Briten mit zusätzlichen Sonderrechten die Zustimmung schmackhaft machen werden.

Britische Handelskammer: „Brexit“ schadet deutscher Exportwirtschaft

Ein Austritt Großbritanniens aus der EU hätte auch nach Einschätzung eines Handelsexperten Auswirkungen - vor allem auf die deutsche Exportwirtschaft. „Das trifft die deutsche Automobilindustrie an allererster Stelle, dann die weiße Ware, sehr viele Finanzdienstleistungen, die Bankenwelt“, sagte der Geschäftsführer der Britischen Handelskammer in Deutschland, Andreas Meyer-Schwickerath. Unter weiße Ware versteht man große elektronische Haushaltsgeräte.

Zugleich warnte Meyer-Schwickerath vor wirtschaftspolitischen Folgen für die Europäische Union. „Wenn Großbritannien austritt, dann ist ein Domino-Effekt zu erwarten“, sagte er mit Blick auf die politische Entwicklung in Polen und Ungarn, aber auch in Frankreich und Spanien. „Die Nationalismen nehmen zu, und die Deutschen wären gut beraten zu versuchen, hier die Einigkeit stärker hervorzuheben und mit EU-Reformen möglichen Unabhängigkeitsbestrebungen entgegenzuwirken.“

Mögliche Nachteile für den Finanzplatz London sieht der Experte indes eher nicht. „Möglicherweise gewinnt London sogar, dadurch dass es einen unabhängigeren Status erhält“, sagte er. Auch der britische Binnenmarkt könne durchaus von einem „Brexit“ profitieren. „Es kann durchaus sein, dass nach einer anfänglichen Schwächung das Pfund wieder zu einer starken Fluchtwährung würde und dann zumindest die Importe für die Briten billiger würden.“

Insgesamt würden allerdings auch für die britische Wirtschaft die Nachteile überwiegen: „Vorteile sehe ich allenfalls darin, dass die politische Abstimmung nicht mehr über die EU läuft, sondern Großbritannien alleine handeln kann in vielen Dingen“, sagte Meyer-Schwickerath. Als Beispiele nannte er Sozial- und Migrationspolitik sowie die umstrittene Frage der Arbeitsgenehmigungen. „Die Briten sind in vielen Punkten pragmatischer als die Deutschen oder als die europäische Seite und können dadurch unabhängiger agieren und vor allem schneller agieren.“

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Für Flugreisende könne der Abschied von der EU höhere Preise bedeuten, warnte EasyJet-Chefin Carolyn McCall in der „Sunday Times“. Vor der Gründung des Gemeinsamen Europäischen Luftverkehrsraums sei Fliegen eher etwas für Eliten gewesen, dann seien die Ticketpreise gefallen und die Zahl der Flugstrecken habe stark zugenommen. „Wie viel man für seinen Urlaub bezahlt, hängt tatsächlich davon ab, wie viel Einfluss Großbritannien in Europa hat“, schrieb McCall in einem Gastbeitrag in der konservativen Zeitung.

Nicht festlegen wollte sich Handelskammer-Geschäftsführer Meyer-Schwickerath auf die Kosten eines „Brexit“. „Es gibt Schätzungen, dass es zwischen 0,5 und 1,5 Prozent des Bruttosozialproduktes sein kann“, sagte er. Die deutsch-britische Handelsbilanz bei Waren und Dienstleistungen betrug 2014 nach Angaben der Bundesbank 177 Milliarden Euro. Dabei lag der Überschuss eindeutig auf deutscher Seite: Die Bundesrepublik exportierte Waren im Wert von 91,9 Milliarden Euro nach Großbritannien und importierte Güter im Wert von 44,1 Milliarden Euro.

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