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Britischer Premier Boris Johnson prescht mit Corona-Öffnung voran

Der britische Premierminister Boris Johnson will an diesem Montagnachmittag endgültig die Aufhebung der verbliebenen Corona-Regeln in England zum 19. Juli verkünden. Quelle: REUTERS

Der britische Premier verkündet das Ende aller Corona-Beschränkungen in England. Die öffentliche Meinung und Warnungen von Wissenschaftlern interessieren ihn dabei herzlich wenig. Der Haudrauf-Stil passt zu Boris Johnson.

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Boris Johnson liebt den großen Knall. Daher ist es wohl keine Überraschung, dass der britische Premierminister nun auch in der Corona-Pandemie zu einem „big bang“ ausholt: Mit einem Schlag schafft Johnson zum 19. Juli fast alle verbliebenen Corona-Regeln ab. Farewell, Maskenpflicht! Good bye, Abstandsregeln! Und hello, volle Pubs und Nachtclubs! Zwar bittet der Regierungschef am Montag mit Nachdruck darum, doch weiterhin Masken zu tragen und digitale Impfnachweise als Einlassgrundlage für Discos und Co. zu nutzen. Staatlich vorgeschrieben ist das aber nicht, die Verantwortung schiebt der Premier auf jeden Einzelnen ab.

„Freedom Day“ - Tag der Freiheit - hat die Johnson-nahe konservative Presse schon seit langem diesen Moment getauft. Zu Vorkämpfern für Freiheitsrechte und gegen staatliche Eingriffe stilisieren sich Johnsons Tories und ihr Parteiführer mit Vorliebe. Mit den letzten Lockerungen wird England - Johnson kann nur die Gesundheitspolitik im größten britischen Landesteil bestimmen - zur uneingeschränktesten Gesellschaft in Europa, zum Sonderfall. Es ist eine Rolle, in der sich viele Engländer und ihr oft als sonderbar beschriebener Premier nur zu wohl fühlen.

Der frühere Bürgermeister von London und Ex-Außenminister ist ein Meister darin, die öffentliche Meinung in seine Bahnen zu lenken. Wirkt es, als sitze Johnson in der Klemme oder werden Vorwürfe gegen ihn laut, kommt plötzlich ein neues Thema daher. So mancher Kritiker fühlt sich dann an den Politikstil von Ex-US-Präsident Donald Trump oder Kremlchef Wladimir Putin erinnert. Der Premier antwortet in brenzligen Lagen oft, das Land müsse nach vorne schauen. Die Menschen wollten doch wissen, wie es weitergehe und wie man gemeinsam den Karren aus dem Dreck ziehen könne. Den Blick in den Rückspiegel scheut der 57-Jährige - aus gutem Grund.

Denn Johnson und seine Regierung fahren nicht erst seit der Pandemie einen Zick-Zack-Kurs, der zahlreiche Fragen offen gelassen hat. Ob Corona-Lockdown oder Herdenimmunität - immer wieder traf Johnson erst nach Wochen, in denen er die öffentliche Debatte laufen ließ, eine Entscheidung. Oft zu spät, meinen Experten.



Die Lockerungen gelten nur für den größten britischen Landesteil England, für den die britische Regierung zuständig ist. Für die Gesundheitspolitik in Schottland, Wales und Nordirland sind die jeweiligen Landesregierungen zuständig. Dort wird es noch länger dauern, bis die letzten Corona-Vorschriften aufgehoben werden.

Mehr zum Thema: England wird bald alle Coronabeschränkungen beenden. Höchste Zeit, dass auch Deutschland ins Team Freiheit wechselt. Und vorausdenkt. Ein Kommentar.

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