Bundesbank gegen EZB Weidmann warnt vor Risiken der Staatsanleihenkäufe

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann kann aufgrund der geplanten Anleihenkäufe nicht mehr mit seiner Kritik an EZB-Präsident Mario Draghi innehalten. Er mahnt, die Mini-Inflation differenzierter zu betrachten.

Bundesbank-Chef Weidmann und EZB-Präsident Draghi Quelle: dpa

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann stemmt sich gegen Staatsanleihenkäufe durch die EZB. Zwar habe etwa die USA ihre Erfahrungen mit Anleihenkäufen auf breiter Front („Quantitative Easing“/QE) gemacht. Doch: „Man kann diese Rezepte nicht einfach auf den Euroraum übertragen“, sagte Weidmann.

„Unsere Aufgabe ist es nicht, Konjunkturprogramme für Europa aufzulegen. Unsere Aufgabe ist es, Geldwertstabilität zu gewährleisten. Wir müssen aufpassen, dass wir als Geldpolitik nicht zum Ausputzer der Politik werden.“


Viele Ökonomen rechnen damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) Anfang 2015 den Weg für Anleihenkäufe in großem Stil freimachen wird. EZB-Präsident Mario Draghi hatte dies am Donnerstag ausdrücklich als mögliches Mittel gegen Konjunkturschwäche und Mini-Inflation genannt. Die Vorbereitungen für neue Eingriffe der Notenbank seien weit fortgeschritten, sagte Draghi. Für QE als „wichtiges Instrument“ sei auch keine Einstimmigkeit im Zentralbank-Rat, dem Weidmann angehört, notwendig.

Weidmann sagte, jeder im EZB-Rat erkenne an, „dass wir uns in einer für eine Notenbank höchst unkomfortablen Situation befinden“. Die Inflation im Euroraum entfernte sich in den vergangenen Monaten immer weiter vom EZB-Stabilitätsziel bei knapp unter 2,0 Prozent - obwohl die Notenbank die Zinsen im Währungsgebiet quasi abgeschafft hat.

Er mahnte, die Mini-Inflation differenzierter zu beurteilen: „Dabei zählt nicht nur die nackte Zahl, sondern es zählen auch die Ursachen hinter diesen Abweichungen.“ Starkes Gewicht haben etwa die Energiepreise und hier der jüngste Absturz der Ölpreise.

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