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Bundesbankchef Weidmann "Staatsanleihekäufe sind kein Wundermittel"

Wegen dem gesunkenen Ölpreis könnte die Inflationsrate laut Bundesbank-Chef Jens Weidmann sogar unter die Null-Linie sinken. Auch deshalb warnt er erneut besonders eindringlich vor möglichen Lockerungsübungen der EZB.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann Quelle: dpa

Der rasant fallende Ölpreis ist zwar einerseits ein kleines Konjunkturprogramm. Er drückt aber auch kräftig auf die Teuerungsrate, so die Einschätzung der Bundesbank.

Die bereits gesenkten Inflationsprognosen der Notenbanken dürften wegen des Verfalls der Preise für das Schmiermittel der Weltwirtschaft sogar noch unterschritten werden, sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann am Montagabend vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW). "Die Inflationsrate könnte in den nächsten Monaten sogar unter Null sinken."

Ein Argument für eine starke Gegenreaktion der Europäischen Zentralbank (EZB) - etwa in Form der von EZB-Chef Mario Draghi in Aussicht gestellten breit angelegten Staatsanleihenkäufe - sieht Weidmann dennoch nicht. Er erwartet, dass die Teuerungsrate für einige Zeit auf sehr niedrigem Niveau bleiben wird, dann aber allmählich steigt. Erst wenn es zu Zweitrundeneffekten kommen sollte, wäre ein Eingreifen notwendig.

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Denn bisher sieht der Bundesbankchef keine Gefahr einer Deflation - also einer Abwärtsspirale aus fallenden Preisen, schrumpfender Verbraucher-Nachfrage und rückläufigen Firmen-Investitionen. "Eine für einige Monate unter Null liegende Inflationsrate stellt für mich noch keine Deflation dar", sagt Weidmann.

Erst wenn die Erwartungen fallender Preise sich hochschaukeln und dazu führen, dass ein sich selbst verstärkender Abwärtssog aus Teuerungsraten unter Null, schrumpfender Wirtschaftsleistung (BIP) und fallenden Löhnen entstehe, werde es gefährlich. "Dieses Risiko ist weiterhin gering", so Weidmann.

Die Bundesbank hatte bereits zuletzt davon gesprochen, dass wegen des sinkenden Ölpreises die Inflation 2015 deutlich geringer ausfallen könnte als bisher prognostiziert. Sie erwartet, dass die erst vergangene Woche vorhergesagte durchschnittliche Inflationsrate von 1,1 Prozent bei dauerhaft niedrigen Energiekosten auf rund 0,7 Prozent nach unten korrigiert werden könnte.

Aufgrund dieser Aussichten rechnen viele Beobachter damit, dass die EZB im kommenden Jahr damit beginnen könnte, umfangreich Staatsanleihen zu kaufen, ähnlich wie es auch die US-Notenbank Fed in der Finanzkrise gemacht hat. Weidmann ist als Kritiker dieser quantitativen Lockerung - im Notenbankjargon Quantitative Easing (QE) genannt - bekannt. Dennoch kritisierte er den Plan ungewohnt scharf.

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Die Lockerung sei kein Wundermittel, die Risiken seien dagegen hoch. "Umfassende Staatsanleihekäufe könnten ungeachtet der geldpolitischen Motivation als Solvenzgarantie für hochverschuldete Staaten verstanden werden, mit weitreichenden Folgen für die Geldpolitik", warnte Weidmann. Dadurch könnte der Reformeifer in den Euro-Ländern gebremst werden.

Zudem könnte es an Regierungen und Parlamenten vorbei zu einer Umverteilung der Risiken zwischen den Steuerzahlern der 18 Mitgliedsstaaten der Währungsunion kommen. "Es sei denn, die Käufe werden auf Länder mit höchster Bonität beschränkt oder jede Notenbank kauft auf eigenes Risiko Anleihen des eigenen Landes." Auch ein Zielwert für die Bilanz einer Notenbank sei nicht zielführend, machte Weidmann deutlich. Mario Draghi hatte zuletzt erklärt, die Bilanzsumme der EZB erneut auf drei Billion ausweiten zu wollen.

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