Charis Theocharis Griechenland feuert obersten Steuer-Eintreiber

Charis Theocharis war bis vor wenigen Tagen Generalsekretär des griechischen Finanzministeriums. Als oberster Steuer-Eintreiber war er erfolgreich - dennoch musste er gehen.

Griechenlands Premierminister Antonis Samaras (rechts) und Finanzminister Yannis Stournaras tuscheln bei einer Parlamentssitzung in Athen. Quelle: dpa

Griechenland hat seinen Chef-Steuereintreiber geschasst. Charis Theocharis musste seinen Posten als Generalsekretär des Finanzministeriums abgeben, obwohl er in seinem Job äußerst erfolgreich war. Die Order für die Entlassung soll von ganz oben gekommen sein, berichtet das Nachrichtenmagazin "Focus" auf seiner Internetseite. Auch Theocharis selbst sieht seine Entlassung als "eine politische Entscheidung", die "keine sachlichen oder ökonomischen Gründe" habe.

Der scheidende Finanzminister Yannis Stournaras soll dem Bericht nach Theocharis zum Rücktritt gedrängt haben. Seine Stelle war unter dem Druck der internationalen Geldgeber eingerichtet worden und von Regierung und Verwaltung unabhängig. Der IT-Spezialist Theocharis führte in Griechenland etwa die elektronische Steuererklärung ein. Dass viele Menschen ihre Steuern nicht zahlten, hatte mit zum Schlamassel des Euro-Pleitekandidaten geführt.

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Lob bekommt Theocharis trotz seiner Verdienste kaum. Eine der wenigen positiven Stimmen kommt vom ehemaligen Vizepremier Thodoros Pangalos, laut dem Theocharis fast im Alleingang für das jüngste Plus im griechischen Staatshaushalt gesorgt habe. Häme kam hingegen etwa von der linken Presse, die Theocharis als "KZ-Kapo" bezeichneten, der die "Befehle der Besatzer" (also der internationalen Geldgeber) ausgeführt habe - dies habe zu Tausenden Selbstmorden geführt.

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Zudem legen viele Griechen Charis Theocharis zu Last, dass sein Wirken für überfüllte Gefängnisse sorgte. Während seiner Amtszeit wurde ein Gesetz verabschiedet. Demnach kann jeder Steuerzahler, der dem Staat mehr als 5000 Euro schuldet, sofort verhaftet werden.

Bizarr klingt der Vorwurf, Theocharis habe Steuerbescheide zu schnell bearbeitet: Sie waren so früh fertig, dass sie vor wichtigen Wahlen ankamen. Nach Einschätzung von Beobachtern ist die Entlassung eine direkte Folge des schlechten Abschneidens der griechischen Regierung bei der Europa-Wahl.

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