WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Charlie Hebdo Zwei Terroristen von Paris anonym beigesetzt

In Frankreich soll es keine Pilgerstätte für muslimische Fanatiker geben. Deswegen sind zwei der drei getöteten Terroristen bereits anonym beigesetzt. Beim dritten Islamisten wird eine Lösung gesucht.

Die Karikaturen für "Charlie Hebdo"
Karikatur von 2006: Ein Rahmen um ein weißes Stück Papier. Überschrift: "Please enjoy this culturally, ethnically, religiously, and politically correct cartoon responsibly. Thank You." Quelle: Twitter
Ein Terrorist schießt auf einen Bleistift, der entzwei bricht. Doch ein Spitzer spitzt den abgebrochenen Stift wieder an. Dieser radiert mit seinem Radiergummi den gezeichneten Terroristen weg. Quelle: Twitter
Ein Flugzeug fliegt auf zwei nebeneinander stehende Bleistifte zu. Das Bild erinnert an die Anschläge auf die Zwillingstürme des World Trade Centers im September 2001. Quelle: Twitter
Ein von hinten gezeichneter Terrorist hat einen Zettel auf dem Rücken, auf den ein Bleistift schreibt: "You lost!" ("Du hast verloren!") Quelle: Twitter
Eine Zeichnung der Zeitschrift Charlie Hebdo. Aus der Titelseite der Zeitung erhebt sich eine Hand mit Feder, die dem Betrachter den Mittelfinginger zu zeigen scheint. Quelle: Twitter
Ein Gewehr und ein Stift nebeneinander. Auf dem Gewehr: "Murderous assault on french satirical newspaper". Auf dem Stift: "Free Expression". Bildunterschrift: "But the Pen Will Endure" Quelle: Twitter
Ein Terrorist mit Krummsäbel hat einer Person (T-Shirt: "Charlie Hebdo") den Kopf abgeschlagen. Aus dem Hals streckt sie dem Terroristen noch die Zunge entgegen. Bildunterschrift: "Onsterfelijk" Quelle: Twitter

Nach den Anschlägen von Paris wollen französische Behörden keine Pilgerstätten für fanatische Muslime schaffen. Deswegen wurden am Wochenende zwei der drei getöteten Terroristen anonym beigesetzt. Im Fall des dritten Terroristen, des Geiselnehmers im koscheren Supermarkt, stand eine Entscheidung noch aus.

Nach seinem älteren Bruder wurde auch Chérif Kouachi am Samstag ohne Ankündigung an einem nicht markierten Ort beerdigt. Die Beisetzung in Gennevilliers im Norden von Paris fand nach Angaben aus dem Rathaus der Gemeinde ohne Teilnehmer statt. Die Frau des 32-Jährigen habe nicht dabei sein wollen.

Die Kouachi-Brüder hatten beim Überfall auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ am 7. Januar zwölf Menschen getötet. Der ältere Bruder Saïd Kouachi war bereits am Freitag in Reims begraben worden. Kouachi habe zwei Jahre in dem Ort gewohnt, deswegen habe die Beerdigung dort nicht verweigert werden können, hieß es aus der Verwaltung der nordöstlich von Paris gelegenen Stadt. Eine angeblich von Chérif Kouachis Frau gewünschte gemeinsame Beerdigung der beiden Brüder war abgelehnt worden.11243424

Die Angehörigen des dritten Terroristen, Amedy Coulibaly, sollen noch keine Entscheidung getroffen haben. Er lebte in Grigny südlich von Paris. Coulibaly wird für die vier Opfer im Supermarkt sowie für einen Anschlag im Süden von Paris verantwortlich gemacht, bei dem eine Polizistin erschossen worden war.

Französische Ermittler fahnden weiter nach möglichen Unterstützern der drei Männer. Zuletzt waren im Zusammenhang mit der Terrorwelle noch einmal zwölf Menschen festgenommen worden. Die acht Männer und vier Frauen sollten wegen möglicher Verbindungen zu den Attentätern vernommen werden. Die zunächst auf 24 Stunden befristete Festnahme wurde am Wochenende für neun der Betroffenen verlängert, drei kamen auf freien Fuß.

Nach gewalttätigen Protesten in Teilen der islamischen Welt gegen die Mohammed-Karikatur in der aktuellen „Charlie Hebdo“-Ausgabe betonte Frankreichs Präsident François Hollande den Einsatz seines Landes für die Freiheitsrechte. „Frankreich hat Prinzipien und Werte, darunter besonders die Meinungsfreiheit“, sagte Hollande am Samstag bei einem Besuch in Tulle östlich von Bordeaux. Frankreich unterstütze auch die Länder der aktuellen Proteste im Kampf gegen den Terrorismus. Radikale Muslime hatten etwa im zentralafrikanischen Niger Kirchen und ein französisches Kulturzentrum angezündet.

Die Nachfrage nach der neuen „Charlie Hebdo“-Ausgabe hielt auch am Wochenende an. In Frankreich waren zunächst wieder Exemplare des ersten Hefts nach den Terroranschlägen zu haben. Seit dem Erscheinungstag am Mittwoch war das Satiremagazin jeweils in kürzester Zeit vergriffen. Bisher wurden etwa 2,7 Millionen Exemplare verkauft. In Deutschland gab es am Samstag nur wenige Exemplare, die rasch ihre Käufer gefunden hatten.

Vor den Anschlägen von Paris wurden 60.000 „Charlie Hebdo“-Hefte gedruckt. Jetzt sollte das Magazin zunächst mit drei, dann mit fünf Millionen Exemplaren erscheinen. Wegen der Nachfrage wurde die Auflagenzahl am Samstag auf sieben Millionen erhöht.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%