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Chefökonom Thomas Liebi "Die nächste Krise ist programmiert"

Thomas Liebi, Chefökonom des renommierten Schweizer Fondsanbieters Swisscanto, erklärt, warum die Krise noch nicht vorbei ist und die nächste schon vor der Tür steht. Wie Anleger reagieren sollten.

Diese Regierungen scheiterten
SpanienDie Krise bestimmte maßgeblich den Ausgang der vorgezogenen Parlamentswahl im November 2011. Die konservative Volkspartei (PP) gewann. Die Sozialisten, die das Land mehr als sieben Jahren regiert hatten, erlebten ein Debakel. Der PP-Chef Mariano Rajoy (im Bild) folgte auf den sozialistischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero. Anfang des Jahres 2013 enthüllte die spanische Tageszeitung einen Fall von Schwarzen Kassen in der PP, der Ministerpräsident Rajoy zu Fall bringen könnte. Quelle: AP
GriechenlandDie Schuldenkrise hat das politische Geschehen der letzten vier Jahre bestimmt. Zwei Regierungschefs sind an ihr zerschellt. Ministerpräsident Giorgios Papandreou von der linken Pasok-Partei gab Ende 2011 auf. Seine Nachfolge trat der parteilose frühere Vizepräsident der Europäischen Zentralbank, Lucas Papademos, an. Kurze Zeit später gaben die Euro-Finanzminister eine Nothilfe frei, ohne die das Land bald pleite gewesen wäre. Bei der Wahl im Mai 2012 verloren in Athen die Unterstützer des Sparprogramms die Mehrheit. Alle Versuche zur Regierungsbildung scheiterten. Aus der Neuwahl im Juni ging die konservative Partei Nea Dimokratia unter Antonis Samaras als Sieger hervor. Die neue Regierung wird von den Sozialisten der Pasok und der Demokratischen Linken unterstützt. Mittlerweile glaubt Samaras, dass sein Land 2013 die Wende schafft. Quelle: REUTERS
IrlandBei der Parlamentswahl im Februar 2011 wurde die wirtschaftsliberale Regierungspartei Fianna Fail unter Premierminister Brian Cowen abgestraft. Premier wurde Enda Kenny. In der neuen Regierung koaliert die konservative Fine Gael mit der linken Labour-Partei. Mittlerweile will Kenny sein Land 2013 aus dem Rettungsprogramm führen. Quelle: dpa
PortugalDie sozialistische Regierung von José Sócrates wurde angesichts der schweren Wirtschaftskrise im Juni 2011 abgewählt. Aber auch die neue liberal-konservative Regierung unter Ministerpräsident Pedro Passos Coelho steht mächtig unter Druck. Das Land bleibt ein Sorgenkind der Eurozone. Quelle: dpa
ItalienIm November 2011 trat Silvio Berlusconi zurück. Lange hatte sich der Regierungschef auch mit knappen Mehrheiten im Parlament halten und alle Skandale überstehen können. Doch der massive Druck der Finanzmärkte und Absetzbewegungen im eigenen Lager ließen ihm schließlich keine Wahl mehr. Der frühere EU-Kommissar Mario Monti führte die Übergangsregierung an, bis er im Dezember 2012 zurücktrat und den Weg für Wahlen freimachte. Nachdem das Wahlergebnis eine Patt-Situation hervorgebracht hat, steht Italien möglicherweise wieder vor Neuwahlen. Quelle: dpa
Slowakei Die christlich-liberale Premierministerin Iveta Radicova (im Bild) verknüpfte die erste Parlamentsabstimmung im Oktober 2011 über eine Ausweitung des Euro-Rettungsschirms EFSF mit der Vertrauensfrage - und verlor. Im März 2012 gewann die Partei Smer-Sozialdemokratie mit Robert Fico klar die vorgezogene Parlamentswahl. Seit April 2012 ist Fico Ministerpräsident. In seiner ersten Regierungserklärung forderte der neue Premierminister strenge Haushaltsdisziplin. Quelle: dpa
SlowenienSeit Februar 2012 ist eine Mitte-Rechts-Regierung unter Janez Jansa (im Bild, Karikatur auf dem Protestschild) im Amt. Die vorige Regierung stürzte, weil sie die rasant steigende Verschuldung nicht eindämmen konnte. Slowenien muss die explodierenden Kosten im Staatshaushalt und in den Sozialsystemen unter Kontrolle bringen. Der Sparkurs treibt die Menschen auf die Straße, die EU geht davon aus, dass das kleine Land einen Hilfsantrag stellen wird. Dass es zu Neuwahlen kommt, ist nicht ausgeschlossen: Der Juniorpartner hat mittlerweile wegen Korruptionsvorwürfen gegen Jansa die Regierung verlassen. Quelle: REUTERS

WirtschaftsWoche Online: Herr Liebi, eigentlich hatte sich die wirtschaftliche Lage in der Euro-Zone gerade etwas zu beruhigt, nach der Italien-Wahl scheint wieder alles offen. Kippt die Situation jetzt wieder?

Thomas Liebi: Zumindest sollte uns der offene Ausgang der Wahl in Italien noch einmal daran erinnern, dass die Euro-Schuldenkrise noch lange nicht vorbei ist. Denn es ist zweifelhaft, ob ein möglicher Regierungschef Berlusconi die von Mario Monti angestoßenen Reformen fortsetzen würde. Die Unsicherheit lastet auf dem Euro, steigende Renditen für italienische Staatsanleihen sind zu befürchten.

Muss die EZB erneut die Bazooka rausholen und eingreifen?

Ob es gleich die Bazooka sein muss, weiß ich nicht. Aber die Notenbanker werden auf das Problem eingehen müssen. Denn Italien ist definitiv „too big to fail“…

Thomas Liebi ist Chefökonom bei Swisscanto, der Fondsgesellschaft der Schweizer Kantonalbanken. Quelle: Presse

…das heißt ein strauchelndes Italien würde gleich die Konjunktur der ganzen Euro-Zone zum Absturz bringen?

Ja genau. Die Situation könnte der erste richtige Test für EZB-Präsident Mario Draghi werden. Es wird interessant sein zu sehen, wie er als Italiener mit einer möglichen Krise dort umgehen wird.

Klingt fast, als wäre Italien zur Zeit der einzige Risikofaktor in Europa.

Nein, sicherlich nicht. Spanien hat zwar einige wichtige Reformen auf den Weg gebracht, aber der aktuelle Korruptionsskandal um Ministerpräsident Rajoy stört das Bild gewaltig und ist für das leichte wirtschaftliche Aufatmen des Landes sicherlich suboptimal. Langfristig sehe ich aber Frankreich als größeren Risikofaktor.

Warum?

Während die Konjunktur in Deutschland gerade wieder auf die Beine kommt, wird Frankreich weiter zurückfallen. Dann dürfte die Grande Nation endgültig in den Fokus der Euro-Krise geraten. Denn mittlerweile leidet das Land stark unter seinem Unwillen, die wichtigen Reformen anzupacken.

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