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Coronakrise Wie die EU-Staaten die Rückkehr zur Normalität planen

Quelle: dpa

Eine Union, unterschiedliche Ansätze: Während etwa Deutschland, Österreich und Tschechien die Corona-Beschränkungen lockern, verlängern andere Länder den Ausnahmezustand. Eine Überblick über die Maßnahmen der EU-Staaten.

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Die Sehnsucht nach Normalität ist groß, aber EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen machte am Mittwoch in Brüssel klar, dass es noch lange dauern wird, bis die EU-Staaten zur Normalität zurückkehren werden. Zu groß ist die Sorge vor der weiteren Ausbreitung des Coronavirus. Von der Leyen forderte die Mitgliedsstaaten auf, sich gegenseitig über ihre Exitstrategien zu informieren und ihre Maßnahmen untereinander abzustimmen.

In Deutschland hat Kanzlerin Angela Merkel erste Lockerungen verkündet, aber deutlich gemacht, dass der Zwischenerfolg ein zerbrechlicher sei. Also sind die Lockerungen vorsichtige. Ab Montag dürfen etwa Geschäfte bis 800 Quadratmetern Verkaufsfläche unter Auflagen wieder öffnen. Die gegen die Ausbreitung der Pandemie verhängten Kontaktbeschränkungen sollen grundsätzlich bis mindestens 3. Mai verlängert werden. Eine Übersicht über die Maßnahmen finden Sie hier.

Aber wie halten es unsere Nachbarn in der Europäischen Union? Einen kompletten Überblick über die Pläne der Mitgliedstaaten hat im Moment nicht einmal die EU-Kommission.

Was bisher schon bekannt ist:

Dänemark
Seit Montag dürfen Kinder unter zwölf Jahren wieder Kindergärten und Grundschulen besuchen. Sekundärschulen und Universitäten werden den Betrieb am 10. Mai wieder aufnehmen. Treffen von mehr als zehn Personen bleiben verboten. Bars, Restaurants, Friseure, Schönheitssalons, Einkaufszentren und Diskotheken können auch noch nicht öffnen. Von Reisen ins Ausland rät die Politik ab. Die Grenzen bleiben geschlossen. Ministerpräsidentin Mette Frederiken weiß, wie schwierig die kommenden Monate werden: „Wenn wir Dänemark wieder zu schnell öffnen, können die Infektionen wieder steil ansteigen und dann müssen wir alles dichtmachen.“

Tschechien
Bestimmte Geschäfte, die nicht unbedingt lebensnotwendige Waren verkaufen, dürfen seit vergangener Woche wieder öffnen, Baumärkte etwa und Fahrradhändler. Seit dieser Woche sind Schuhgeschäfte und Papierwarenhändler hinzugekommen. Außerdem darf auf Tennis- und auf Golfplätzen ohne Masken gespielt werden - vorausgesetzt, dass nicht mehr als zwei Personen zum Match antreten. „Die Verbote werden nicht wild, sondern kontrolliert aufgehoben“, sagt Ministerpräsident Andrej Babiš.

Österreich
Seit dieser Woche dürfen viele kleine Läden wieder öffnen. In Supermärkten und im öffentlichen Nahverkehr gilt eine Maskenpflicht. Ab 1. Mai werden Friseure und Einkaufszentren wieder Kunden empfangen. Bundeskanzler Sebastian Kurz will, dass sein Land schneller aus der Krise kommt als andere Länder. Er schließt nicht aus, dass er in Zukunft noch einmal gegensteuern muss: „Sollten sich die Zahlen in die falsche Richtung entwickeln, werden wir die Notbremse ziehen.“

Frankreich
Am Montag erst hat Staatspräsident Emmanuel Macron angekündigt, dass die strengen Maßnahmen bis zum 11. Mai verlängert werden. Alleine Lebensmittelläden und Märkte auf dem Land dürfen die Bevölkerungen versorgen, alle anderen Geschäfte bleiben dicht. Nur wer unbedingt muss, darf sich an seinen Arbeitsplatz begeben. Andernfalls dürfen die Bürger ihre Wohnung am Tag maximal eine Stunde verlassen und sich maximal einen Kilometer davon entfernen. Für Ende April hat Macron eine Exitstrategie angekündigt. Ab dem 11. Mai werden Kitas, Grundschulen und Gymnasien allmählich wieder öffnen. Der Universitätsbetrieb soll erst im Sommer wieder öffnen. Der Kulturbetrieb wird frühestens Mitte Juli wieder anlaufen.

Spanien
Mit annähernd 180.000 registrierten Fällen gehört Spanien zu den besonders stark betroffenen Ländern. Die Regierung hofft, dass der Höhepunkt der Epidemie überschritten ist und will allmählich die Einschränkungen lockern. Seit Montag dürfen Mitarbeiter von bestimmten Betrieben in nicht-essenziellen Branchen wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Im öffentlichen Nahverkehr werden Masken empfohlen. Große Menschenansammlungen sind verboten. Die traditionellen Umzüge in der Osterwoche fielen aus. Die meisten Geschäfte bleiben genauso wie Bars und Restaurants bis Ende April geschlossen.

Italien
Die aktuellen scharfen Beschränkungen enden am 3. Mai. Italiener dürfen ihre Wohnung nur verlassen, wenn sie zum Einkaufen zur Arbeit oder zum Arzt müssen. Dazu benötigen sie ein schriftliche Bestätigung. Seit Dienstag dürfen Buchhandlungen, Reinigungen, Papierwarenhandlungen und Kinderbekleidungsgeschäfte den Verkauf wieder aufnehmen. Auch in der Forstwirtschaft darf wieder gearbeitet werden. Fabriken, die IT-Ausrüstung herstellen, haben die Produktion ebenfalls wieder aufgenommen. Die Schulen nehmen möglicherweise erst nach den Sommerferien wieder den Betrieb auf.

Niederlande
Die Beschränkungen gelten bis 28. April. Schulen, Museen, Restaurants und Cafés bleiben geschlossen. Veranstaltungen sind bis Juni verboten. Die meisten Läden sind jedoch geöffnet. Ministerpräsident Mark Rutte hat mehrfach betont, dass es zu früh sei für eine Exitstrategie.

Belgien
Premierministerin Sophie Wilmès hat am heutigen Mittwoch, die Verlängerung der Regeln angekündigt. Bürger sollen bis zum 3. Mai zu Hause bleiben, Schulen und Hochschulen bleiben geschlossen. Kleiner Lichtblick: Garten-Center und Baumärkte dürfen öffnen, damit den Menschen zu Hause nicht zu langweilig wird. Und Besuche in Altersheimen sollen erlaubt werden.

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