Crowdfunding für Griechenland Sechs Euro für einen Feta-Salat

Mit einer Crowdfunding-Kampagne will ein Brite den Griechen helfen und 1,6 Milliarden Euro einsammeln. Auch wenn er Griechenland damit wohl nicht retten wird, sollten sich Politiker daran ein Beispiel nehmen.

Screenshot der Crowdfunding-Aktion für Griechenland.

Mal ehrlich, geht Ihnen das Thema Griechenland nicht auch langsam auf die Nerven? Jeden Abend sehen wir unsere EU-Politiker wieder in den Nachrichten, jeden Abend scheinen sie eine Falte mehr im sorgenvollen Gesicht zu haben, jeden Abend wirken ihre Augenringe noch ein wenig grauer und tiefer. Und trotzdem tut sich nichts, kein Austritt Griechenlands aus dem Euro, keine Einigung.

Dieses politische Positions-Geschacher ging einem 29-jährigen Briten so auf die Nerven, dass er einfach eine Crowdfunding-Kampagne für Griechenlands Bail-out ins Leben rief - damit endlich mal was passiert, wie er sagt. Insgesamt 1,6 Milliarden Euro will Thom Feeney damit in den verbleibenden sechs Tagen einsammeln, also genau den Betrag, den Griechenland dem Internationalen Währungsfonds (IWF) schuldet. Mit dem Geld will Feeney zwar die Griechen direkt unterstützen und nicht die Rechnung beim IWF bezahlen. Dennoch illustriert die gewählte Summe gut die Probleme Griechenlands.

An Griechenland hängt mehr als nur der Euro

Denn innerhalb der vergangenen drei Tage kamen zwar auf diese Weise immerhin mehr als 730.000 Euro zusammen, knapp 44.000 Leute haben Griechenland unterstützt (Stand Mittwoch, 12 Uhr). Im Schnitt hat jeder Geldgeber also immerhin etwas mehr als 16 Euro für Griechenland locker gemacht. Aber auch wenn die Gesamtsumme hoch erscheint, für Euphorie ist es zu früh. Denn bisher sind lediglich 0,04 Prozent der erforderlichen Summe eingegangen. Sollte das Ziel nicht erreicht werden, will Feeney das Geld zurückzahlen.

Post aus Athen

Wie bei anderen Crowdfunding-Aktionen auch gibt es eine Belohnung für die Geldgeber. Klappt alles, sollen Spender eine Postkarte von Alexis Tsipras aus Griechenland bekommen, wenn sie drei Euro gespendet haben. Wer sechs Euro gegeben hat, darf sich bereits über einen Feta-Salat mit Oliven freuen, bei zehn Euro ist es eine Flasche Ouzo. Großinvestoren, denen die Rettung Griechenlands 5000 Euro wert ist, werden sogar mit einem einwöchigen All-inclusive-Urlaub in Athen für zwei Personen gelockt.

Viele fragen sich, ob das ganze nur ein schlechter Witz sein soll. Aber der Brite beteuert, dass er seine Kampagne, die sich rasend über die sozialen Netzwerke verbreitet, durchaus ernst meint. Es sei ein realer Versuch, tatsächlich etwas zu tun. Es ginge ihm nicht um Griechenland, sondern vor allem um die Menschen dort. Würde jeder Europäer nur etwas mehr als drei Euro spenden, so die Rechnung des Briten, dann sei das Geld ganz schnell beisammen. Gleichzeitig verspricht Feeney, dass die Einnahmen ausschließlich bei den Griechen landen werden und das ausschließlich griechische Produkte als Belohnung verwendet werden sollen.

Interessanterweise sind es ausgerechnet die Deutschen, die bisher am meisten für Griechenland gespendet haben, gefolgt von den EU-müden Briten:

Der größte Nutznießer der Kampagne dürfte sowieso nicht Griechenland sein, sondern die Crowdfunding-Plattform Indiegogo, auf der das ganze stattfindet. Aufgrund des großen Ansturms der Hellas-Unterstützer brach die Seite zwischenzeitlich sogar zusammen, das Unternehmen entschuldigte sich per Twitter-Kurznachricht. Mittlerweile ist offenbar ein Indiegogo-Mitarbeiter allein dafür abgestellt, die Sache am Laufen zu halten.

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Retten wird Feeney Griechenland mit seiner Aktion wohl nicht. Zumal wohl fraglich ist, ob die Feta- und Olivenvorkommen in Griechenland ausreichen dürften, um zumindest halb Europa damit zu versorgen - von den logistischen Hürden mal ganz abgesehen.

Aber sei's drum: So ein bisschen Wir-Gefühl kann Europa nicht schaden, selbst wenn es nur auf einer Crowdfunding-Plattform stattfindet. Und auch von der Hands-on-Mentalität des jungen Briten darf sich so mancher Politiker gerne eine Scheibe abschneiden.

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