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Das Geschäft mit den Entführungen Finanziert der deutsche Steuerzahler Al-Qaida?

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Eher kriminelle als politische Motive

So hieß es zumindest immer, über AQIM und erst recht über einzelne Banden, die nach gängiger Meinung eher kriminelle als politische Motive für ihre Schandtaten haben. Und was für Nordwestafrika gilt, lässt sich genauso oder noch eindeutiger über die islamistischen Terroristen und Dschihadisten im Jemen, in Syrien und Irak sagen. Alles unabhängige Gruppen mit ähnlichen, gefährlichen Zielen - aber kein Teil einer von Osama bin Ladens Erben gesteuerten Weltbewegung. Was natürlich heißen würde, dass solche Gruppen in der malischen Sahara den Teufel tun würden, ihre gefahrvoll erbeuteten Dollar- oder Euromillionen auf die arabische Halbinsel oder nach Afghanistan zu transferieren.

Fakten zum Terror im Irak

Aber genau das haben sie getan, wenn wir Frau Callimachi folgen. Die stützt sich offenbar auf Geheimdienstinformationen über entsprechende Geldbewegungen und sogar über konkrete Geldstreitereien zwischen Terroristen in Nordafrika, im Jemen und in Pakistan. Richtig nachvollziehbar sind diese Informationen allerdings nicht. Der Gedanke, dass Geheimdienste Journalisten auch zweifelhafte Informationen zustecken, scheint der Afrika-Expertin Callimachi nicht zu kommen.

Dabei ist es klar, wer in ihrer Geschichte die Bösewichte sind: Die westeuropäischen Regierungen in Berlin und Bern, Paris und Madrid, die angeblich den internationalen Terrorismus finanzieren. Dementis aus den westeuropäischen Außenministerien können diesen Verdacht natürlich nicht ausräumen: Was sollen das Auswärtige Amt oder das französische Außenministerium auch sonst sagen?

"Die Politik ist doppelzüngig"

Wenn Geld zum Freikauf von Geiseln geflossen ist – und davon kann man sicher ausgehen – wäre es nicht ehrlich, sondern dumm, das zuzugeben: Es wäre die Einladung an ganz gewöhnliche Kriminelle in Westafrika und darüber hinaus, deutsche oder französische Geiseln zu kidnappen. Im Jemen hat es nach diesem Muster schon etliche schlimme Vorfälle mit Europäern gegeben.

Ganz im Gegensatz zu Deutschen und Franzosen – und das ist fast die Quintessenz des Artikels in der "New York Times" – lassen sich die Regierungen der USA und Großbritanniens von Kidnappern nicht erpressen. Und weil das so ist, können Amerikaner und Engländer im Gegensatz zu Deutschen, Franzosen oder Spaniern sicher durch die Wüste reisen.

Was die Kontinentaleuropäer da machen, erscheint also als dumm – auch wenn es seit 2003 wohl keine entsprechende deutsche Lösegeldzahlung gegeben hat. Es ist aber vor allem böse, weil da nicht etwa einfach Kriminelle Geld aus Europa bekommen, sondern die global aktiven Mörder von Al-Qaida. Entsprechend zitiert der Artikel eine frühere Botschafterin der USA in Mali: "Die Europäer müssen viele Fragen beantworten, ihre Politik ist ganz doppelzüngig: Sie zahlen Lösegeld und bestreiten das!"   

Europa



In Paris, Berlin oder Bern mögen Diplomaten jetzt denken, dass es besser ist doppelzüngig zu sein als seine Landsleute sterben zu lassen. Vielleicht auch, dass der eine oder andere Geheimdienstler es derzeit schön findet, die harten Politiker in Washington und London zu loben und die Weicheier im alten Europa zu ärgern. Und irgendwo am Hindukusch flucht ein Terroristenführer über seine heuchlerischen Gesinnungsgenossen in Afrika, von deren Millioneneinnahmen er noch nie etwas gesehen hat.

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