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Das Rüstungsdebakel der Bundeswehr Die Bundeswehr muss zur EU-Armee werden

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Amerikaner Waffensysteme manipulieren oder abschalten

Was für Gründe hatte Deutschland diese Fusion zu blockieren?

Das Unternehmen wäre angelsächsischer Geworden und der deutsche Einfluss wäre gesunken. Aber bei dieser Fusion handelt es sich nicht um einen Einzelfall. Nehmen Sie die panzerproduzierende Industrie: Da ist derzeit in der Debatte, dass das private deutsche Unternehmen Krauss-Maffei-Wegmann mit dem französischen Staatsunternehmen Nexter fusioniert. Die deutsche Politik scheint aber lieber ein Zusammengehen mit Rheinmetall zu favorisieren.

Ist es denn überhaupt notwendig, dass Europa eigene Waffen herstellt? Warum braucht es den Euro Hawk, wenn Amerikaner und Israelis erprobte Drohnen auf dem Markt haben?

Das ist immer dann nötig, wenn eine Nation meint, seine Sicherheit zur Not auch eigenständig herstellen zu müssen. Waffensysteme nicht selbst zu produzieren führt zu einer hohen Abhängigkeit. Das liefernde Land könnte die Lieferung im Konfliktfall einstellen. Es muss ein hohes Maß an Vertrauen vorhanden sein, wenn man solche Waffen nur woanders kaufen kann.

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Und dieses Vertrauen ist zum Beispiel bei den Amerikanern nicht gegeben?

Die Amerikaner bauen in ihre Systeme manchmal eine Blackbox ein. Im Notfall können sie das System manipulieren oder abschalten. Wir wissen seit dem NSA-Skandal, dass die USA ihre eigenen Interessen und Sichtweisen haben. Bestimmte Fähigkeiten muss Europa deswegen alleine herstellen können.

Gibt es Beispiele für funktionierende Armee-Kooperationen innerhalb Europas?

Es geschieht schon etwas. Deutschland hat im vergangenen Jahr das Konzept der Frameworknation, der Rahmennationen, lanciert. Beim Nato-Gipfel in Wales wurde dieses Konzept angenommen.

Was kann man sich darunter vorstellen?

Für bestimmte Projekte finden sich Rahmennationen, die in diesen Bereichen ein gemeinsames Interesse an Zusammenarbeit haben. Diese legen ihre Kapazitäten zusammen und entwickeln unter der Führung einer Leitnation gemeinsame Fähigkeiten

Deutschland ist eine dieser Rahmennationen und kooperiert mit neun anderen Partnern etwa in den Bereichen ABC-Abwehr, Logistik und verlegbare Hauptquartiere.

Die Briten kümmern sich mit sechs Nationen um die Stärkung der Expeditionsfähigkeiten von Streitkräften – für Auslandseinsätze beispielsweise. Italien ist Rahmennation für sechs Staaten, die sich etwa um Fähigkeiten im Bereich von Stabilisierungsoperationen kümmern. Aber das sind nur kleine Schritte. Sie gehen in die richtige Richtung, brauchen aber Zeit. 

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