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Dax profitiert nur kurz So gestresst sind die Märkte nach dem EZB-Test

Der Dax hat positiv auf die Ergebnisse des Bankenstresstests reagiert, in Italien müssen Bankaktien vom Handel ausgesetzt werden. War der Test wirklich erfolgreich, werden die Märkte das aber erst später offenbaren.

Diese Banken sind beim Stresstest durchgefallen
Nova Kreditna Banka Maribor Quelle: dpa
Nova Ljubljanska banka Quelle: REUTERS
Bank of Cyprus Quelle: AP
Dexia Quelle: dpa
Banco Populare di Vicenza Quelle: AP
Banca Populare di Milano Quelle: AP
permanent tsb Quelle: dpa

Als EZB-Vizechef Vitor Constancio am Sonntag die Ergebnisse des Bankenstresstest der Europäischen Zentralbank verkündete, lobte er die Prüfung ausführlich. Man hätte viel erreicht, so detailliert seien Europas Bankbilanzen nie zuvor geprüft worden. Ob der Portugiese damit recht hat, wird sich wohl aber erst in den kommenden Wochen zeigen.

Denn das Hauptziel des aufwendigen Tests sollte es ja sein, mehr Vertrauen unter den Banken zu schaffen. Diese sollen, mit dem Wissen über die einwandfreie finanzielle Situation ihres Gegenüber im Gepäck, sich untereinander wieder stärker vertrauen und sich untereinander Geld leihen. Das Szenario ist relativ einleuchtend: Halten die Geldinstitute die Tests der Bankenaufseher für glaubwürdig, leihen sie sich jetzt wieder mehr Geld, der Interbankenmarkt erwacht aus seinem Tiefschlaf.

Stresstest-ABC

Warten auf Entspannung

Waren die Tests aus Sicht der Banken dagegen überflüssig und unglaubwürdig, dürfte sich an der bisherigen Situation kaum etwas ändern. Die Institute horten ihr Geld lieber bei sich, Kredite an andere Banken werden kaum vergeben. Geliehen wird das Kapital lieber direkt bei der Zentralbank, nur um es dann dort wieder sicher zu parken.

War der Test so erfolgreich, wie Constancio meint, sollte sich also der Geldmarkt in den kommenden Wochen und Monaten sichtbar entspannen. Noch liegt der Eonia, also der Zins, zu dem sich Banken am Geldmarkt kurzfristig Geld leihen, mit 0,018 Prozent auf einem extrem niedrigen Niveau. Zum Vergleich: Anfang des Jahres lag er zeitweise noch bei 0,3 Prozent. Immerhin sind die Zinsen derzeit nicht mehr negativ. Im August kam der Markt so stark zum Erliegen, dass die Zinsen erstmalig ins negative rutschten. Auch der Euribor, ein Referenzzins für Euro-Anlagen mit maximal einjähriger Laufzeit, liegt seit langem im historisch niedrigen Bereich.

Wie sehr das Euro-Bankensystem auf mehr Vertrauen angewiesen ist, zeigt die Kreditvergabe. Diese ist im September abermals gesunken. Insgesamt vergaben die Finanzhäuser 1,2 Prozent weniger Darlehen an Unternehmen und private Haushalte als im Vorjahresmonat, wie die EZB am Montag.

Ob es tatsächlich zu einer Entspannung am Geldmarkt und bei der Kreditvergabe kommt, wird sich also erst in den kommenden Monaten zeigen. Kritiker sind allerdings skeptisch. "Der Stresstest alleine wird die Kreditklemme für kleine und mittlere Unternehmen in Südeuropa nicht lösen", kommentierte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, die Ergebnisse. Noch deutlicher wird Erik Nielsen, der Chefvolkswirt der italienischen Großbank Unicredit. "Es gibt zu viele Entscheidungsträger die glauben, dass allein die Veröffentlichung des Asset Quality Reviews und der Stresstests für eine Erhöhung der Kreditvergabe der Banken an den privaten Sektor sorgen wird, der dann irgendwie die Erholung auslösen wird. Aber das ist extrem unwahrscheinlich", sagt Nielsen.

Börsentief in Italien

Im Gegensatz zum Geldmarkt zeigt der Aktienmarkt die Folgen des Stresstests sofort. Der Dax quittierte das Bestehen der deutschen Geldinstitute zunächst mit steigenden Kursen, der Index kletterte über die Marke von 9000 Punkten. Lange hielt die Euphorie allerdings nicht, der erneut gesunkene ifo-Index drückte das Kursbarometer zurück ins Minus. Immerhin führten die Papiere der Commerzbank die Liste der Dax-Gewinner an, zwischenzeitlich verzeichnete die Aktie Kurszuwächse von über neun Prozent. Die Erleichterung der Börsianer hielt allerdings nicht an, am Mittag lag die Aktie nur noch rund 1,7 Prozent im Plus.

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Dramatischer waren die Folgen des Stresstest an der Mailänder Börse. Vor allem die Traditionsbank Monte dei Paschi hatte im Stresstest großen Verbesserungsbedarf offenbart. Die Bank muss mehr als zwei Milliarden zusätzliches Kapital beschaffen, um die Vorgaben der EZB zu erfüllen. Anleger verloren das Vertrauen in die Bank, zunächst gingen die Aktien auf Talfahrt - um rund 15 Prozent brachen die Aktien am Montagmorgen ein. Nach nur fünf Minuten wurde der Handel ausgesetzt. Offenbar glauben Börsianer nicht daran, dass die Bank ihre Kapitallücke rechtzeitig schließen kann.

Möglichkeiten dafür hat die Traditionsbank mehrere. Neben einer Kapitalerhöhung könnte das Institut sich mit einer anderen, gesünderen Bank zusammenschließen, oder zumindest Teile der Bank verkaufen. Die Bank war vor allem in der Finanzkrise 2008 und durch riskante Spekulationen mit Derivaten in Geldnot geraten.

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