Debatte zur Schuldenkrise Niemand weiß, wie sich die Eurokrise überwinden lässt

In München diskutieren Horst Seehofer, Friedrich Merz, Bischof Reinhard Marx und die Ökonomin Claudia Buch über Wege aus der Misere – und ziehen ein ernüchterndes Fazit.

Die größten Netto-Zahler der EU
Touristen in Helsinki Quelle: dapd
Eine Windkraftanlage nahe Dänemark Quelle: dapd
Der Wiener Opernball Quelle: dpa
Da Atomium in Belgien Quelle: REUTERS
Eine Mitarbeiterin in der Schwedischen Botschaft in Minsk Quelle: REUTERS
Frau Antje Quelle: AP
Das Colosseum Quelle: REUTERS

Nicht nur die Steuererklärung sollte auf einen Bierdeckel passen, auch die Ursachenanalyse der Finanzkrise sollte knapp und dennoch treffend ausfallen, mag Friedrich Merz sich an diesem Abend in München denken. Jedenfalls resümiert der frühere Chef der Unionsfraktion im Bundestag die Schuldenkrise in der ihm eigenen Art: knapp, spitz, ohne ein Wort zu viel. Die Peripherieländer, erklärt Merz, hätten in den vergangenen zehn Jahren praktisch kein Wirtschaftswachstum mehr gehabt. „Sie haben konsumiert, die Gehälter im öffentlichen Dienst erhöht und die Chancen des Euro nicht genutzt“, rügt der Finanzexperte. Heute stünden diese Länder praktisch ohne eigene Industrie da, „und wir bei uns hier haben es nicht einmal gemerkt.“

Die Instrumente zur Euro-Rettung

Dass sich die Lage in den Krisenländern schnell bessert, die Turbulenzen bald überwunden werden können, glaubt Merz genauso wenig wie der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), Erzbischof Reinhard Marx und die Tübinger Ökonomin Claudia Buch. Sie sitzen an diesem Montagabend zwischen den mächtigen Säulen des Kuppelsaals der bayerischen Staatskanzlei und diskutieren über Wege aus der Schuldenkrise in Europa.

„Nur sparen kann jedenfalls nicht zum Erfolg führen“, meint Seehofer. Vielmehr müsse die Sanierung der öffentlichen Haushalte von einer europäischen Wachstumsstrategie begleitet werden. Die kann der bayerische Ministerpräsident allerdings nirgendwo erkennen: „Jede Woche kommt ein anderer EU-Kommissar und erklärt, was in seinem Bereich noch alles reguliert werden kann.“ Seehofer dagegen wünscht sich mehr Investitionen, mehr Innovation und Verbesserungen der Bildungssysteme, etwa durch Einführung der dualen Ausbildung in Ländern mit hoher Jugendarbeitslosigkeit wie Spanien. Auch Merz findet, es werde auf europäischer Ebene viel zu viel über Finanzpolitik oder Themen wie die Frauenquote, statt über die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit geredet.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%