Defizitzahlen EU-Staaten kämpfen mit dem Schuldenberg

Im vergangenen Jahr konnte die EU die Neuverschuldung um fast vier Prozent verringern. Selbst der Süden hat weniger Schulden gemacht. Nur beim Brutto-Gesamtschuldenstand sieht es EU-weit düster aus.

Die größten Nettoempfänger der EU
Ein bulgarischer Landwirt hält eine Nationalflagge während Protesten in Sofia Quelle: dpa
Eine Frau mit einer Rumänischen Flagge Quelle: dapd
Blitze über Bratislava Quelle: dpa
Die Altstadt von Vilnius Quelle: AP
Blick aus dem Rathausturm in Prag Quelle: dpa
Die Projektion der portugiesischen auf einem historischen Gebäude Quelle: REUTERS
Das ungarische Parlament Quelle: dpa
Das griechische Parlament Quelle: dpa
Eine spanische Euro-Münze Quelle: dpa
Ein polnischer Grenzpfahl Quelle: dapd

Im Jahr 2012 verringerte sich das öffentliche Defizit - also die Nettoneuverschuldung - im gesamten Euroraum als auch in der EU der 28. Dafür ist der Brutto-Gesamtschuldenstand in beiden Gebieten gestiegen. Das hat die europäische Statistikbehörde Eurostat bekannt gegeben. Demnach verringerte sich die Neuverschuldung im Euroraum von 4,2 Prozent im Jahr 2011 auf 3,7 Prozent im Jahr 2012 und in den 28 Mitgliedsstaaten von 4,4 Prozent auf 3,9 Prozent.

Selbst im krisengeschüttelten Griechenland lag das Defizit im vergangenen Jahr mit neun Prozent der Wirtschaftsleistung einen ganzen Punkt unter dem bisher erwarteten Wert. In Irland, das Ende des Jahres aus seinem Hilfsprogramm aussteigen will, betrug das Defizit 2012 nun 8,2 Prozent, das sind 0,6 Punkte mehr als bisher angenommen. Grund dafür ist unter anderem eine andere Buchung von UMTS-Lizenzverkäufen.

Entwicklung der Verschuldung innerhalb der EU28 2009 bis 2012

Die Länder mit der geringsten Neuverschuldung (gemessen am Bruttoinlandsprodukt, BIP) waren vergangenes Jahr Estland und Schweden (je -0,2 Prozent), Luxemburg (-0,6 Prozent) und Bulgarien (-0,8 Prozent), während Deutschland (+0,1 Prozent) einen öffentlichen Überschuss registrierte. Siebzehn Mitgliedstaaten wiesen ein Defizit von mehr als drei Prozent des BIP auf. Die höchsten Neuverschuldungen verzeichneten weiterhin Spanien (-10,6 Prozent), Griechenland (-9,0 Prozent), Irland (-8,2 Prozent) sowie Portugal und Zypern (je -6,4 Prozent). Insgesamt erreichten 15 Mitgliedstaaten im Jahr 2012 gegenüber dem Jahr 2011 eine Verbesserung ihres Finanzierungssaldos im Verhältnis zum BIP, in einem Mitgliedstaaten blieb er unverändert.

So verschuldet sind die Euro-Länder

Künftig könnten die Defizite der Mitgliedsstaaten noch weiter sinken - allerdings nicht, weil weniger Kredite aufgenommen werden. Eine neue Formel soll es den EU-Finanzexperten ermöglichen, die Haushaltsdefizite der Staaten kleinrechnen. Zumindest wurde ein entsprechender Vorschlag der EU-Kommission in Brüssel auf Fachebene diskutiert. Dabei geht es um die Berechnung des sogenannten strukturellen Defizits der Mitgliedsländer. Die neue Berechnungsmethode würde vor allem Spanien und anderen südeuropäischen Ländern entgegenkommen. Es werde offenbar erwogen, die Methode so zu verändern, dass Krisenstaaten mit hoher Arbeitslosigkeit besser dastehen als bisher. Das könnte auch zu milderen Sparauflagen führen.

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Trotz der geringeren Neuverschuldung wächst der Schuldenberg rasant. Der Brutto-Gesamtschuldenstand im Euroraum ist letztes Jahr von 87,3 Prozent auf 90,6 Prozent und in der EU der 28 von 82,3 Prozent auf 85,1 Prozent gestiegen. Die Länder mit der niedrigsten Verschuldungsquote (öffentlicher Schuldenstand im Verhältnis zum BIP) waren Estland (9,8 Prozent), Bulgarien (18,5 Prozent), Luxemburg (21,7 Prozent) und Rumänien (37,9 Prozent). Auch hier führt Südeuropa den Reigen der Schuldenkönige an: Die höchsten Verschuldungsquoten verzeichneten Griechenland (156,9 Prozent), Italien (127,0 Prozent), Portugal (124,1 Prozent) und Irland (117,4 Prozent). Vierzehn Mitgliedstaaten wiesen eine Verschuldungsquote von mehr als 60 Prozent des BIP auf. Insgesamt verzeichneten zweiundzwanzig Mitgliedstaaten im Jahr 2012 eine Verschlechterung ihres öffentlichen Schuldenstandes im Verhältnis zum BIP.

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