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Deflationskampf

Zentralbank hebelt Marktkräfte aus

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Preisziel soll auf mittlere Sicht erreicht werden

Die EZB hat dennoch angekündigt, den Gefahren einer möglichen Deflation entschlossen entgegenzutreten und alles zu tun, um ihr Preisziel zumindest auf mittlere Sicht wieder zu erreichen. Sie hält damit nicht nur die Leitzinsen auf bisher nicht gekannten Rekordtiefs, sondern übt auch massiven Abwärtsdruck auf die Renditen am Rentenmarkt aus.

In diesem Umfeld ist es zur Zeit für Investoren immerhin ein kleiner Trost, dass die Inflation so niedrig ist und zuletzt sogar leicht negativ war. Bei einem Rückgang der Konsumentenpreise von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und einer nominalen Rendite von 0,35 Prozent lag die reale Verzinsung zehnjähriger Bundesanleihen zuletzt immerhin bei 0,75 Prozent. Zur Orientierung: Die reale Rendite zehnjähriger Bunds lag im Zeitraum zwischen 1957 und 1998 bei knapp 4,2 Prozent.

Der Instrumentenkasten der EZB


Seit Beginn der europäischen Währungsunion im Jahr 1999 sind es immerhin noch 2 Prozent. So dass man die aktuelle Realrendite von 0,75 Prozent als nicht gerade üppig bezeichnen kann. Immerhin ist das aber mehr als 2012, als sie aufgrund recht hoher Inflationsraten und der Suche der Investoren nach Sicherheit, die mit hoher Nachfrage nach Bunds und daraus resultierendem Abwärtsdruck auf die Nominalrenditen verbunden war, durchgängig im negativen Bereich lag.

Eurolandrenditen immun

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung drängt sich der Eindruck auf, dass die Politik der EZB auf die Wiederholung einer solchen negativen Zinssituation gerichtet ist. Denn die Ölpreise scheinen längst ihren Boden gefunden zu haben und inzwischen sogar wieder aufwärts zu tendieren. Aus diesem Grund ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Teuerungsraten wieder nach oben weisen.

Mit dem bevorstehenden massiven Anleihenkaufprogramm der EZB ist damit zu rechnen, dass die Renditen dennoch weiter niedrig bleiben. Das bleibt so selbst wenn die Inflationsraten wieder nach oben tendieren und sich die Euroland-Konjunktur wieder stabilisiert. Auch gegenüber einem Renditeanstieg in den USA, der im Umfeld einer bevorstehenden Leitzinswende jenseits des Atlantiks einsetzen könnte, dürften sich die Eurolandrenditen angesichts massiver Wertpapierkäufe der EZB relativ immun zeigen.

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Mit ihrem Kaufprogramm dürfte es der EZB also gelingen, die Marktkräfte weitgehend außer Kraft zu setzen.

Bleiben die nominalen Renditen somit niedrig, während die Teuerungsrate wieder anzieht, sinken die realen Renditen rapide und dürften sehr schnell unter die Nullmarke fallen. Den hoch verschuldeten Staaten der Eurozone wird damit die Entschuldung noch leichter gemacht, die disziplinierende Wirkung des Marktes wird einmal mehr ausgehebelt, und der Anreiz, eine nachhaltige Fiskalpolitik zu betreiben, sinkt erneut.

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