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Altersarmut bedroht die entwickelten Staaten

Es gibt sie auch für Staaten: Altersarmut. Sie tritt ein, wenn sich Kapital- und Güterströme verändern - und aus Gläubigern Schuldner werden. Besonders betroffen: die schnell alternden Volkswirtschaften.

Rentner schauen auf den Gardasee. Gerade Italien droht zu verarmen. Quelle: dapd

Ältere Menschen investieren in die jüngere Generation nicht nur aus persönlichen Gründen, etwa innerhalb einer Familie. Viele haben auch die Hoffnung, dass sie später eine wie auch immer geartete Rückzahlung der Jungen erwarten dürfen. Analog gilt das auch für ganze Staaten und Volkswirtschaften. Über Leistungsbilanzüberschüsse leihen sie zunächst anderen Ländern Geld – und hoffen, dass sie am Ende nicht nach einem Tausch „wertvolle Güter gegen wertlose Wertpapiere“ mit leeren Händen dastehen.

Ob ein Schuldenzyklus „halb“ bleibt, also Schuldnerländer in diesem Status verharren, oder „vollendet“ wird, also aus früheren Schuldnern Gläubiger werden, hängt von vielen Faktoren ab. Drei davon sind besonders wichtig : Werden Kredite konsumptiv oder investiv im Schuldnerland eingesetzt? Ist die Rentabilität der Investitionen hoch genug, um den Zinsdienst zu finanzieren? Erlauben die Gläubiger den Schuldnern die Tilgung von Schulden durch Öffnung ihrer Märkte? Protektionismus etwa hält Schuldner im „halben“ Schuldenzyklus.

Bildergalerie: So sieht der Haushalt 2012 aus

So sieht der Haushalt 2012 aus
26 Milliarden Euro neue Schulden will die Bundesregierung im nächsten Jahr machen. Das wären trotz Schuldenbremse, Steuersenkungsverweigerung und Sparappellen vier Milliarden Euro mehr als 2011. Dabei nimmt Finanzminister Wolfgang Schäuble schätzungsweise 250 Milliarden Euro mehr Steuern ein als jeder seiner Amtsvorgänger. Dabei betragen die Bundesschulden schon jetzt rund 1,3 Billionen Euro. Das sind fast zwei Drittel der gesamten Staatsschulen von 2,024 Billionen Euro. Diese entsprechen 83 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das meiste Geld aus dem Haushalt fließt… Quelle: dapd
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen Quelle: dpa
Schuldenuhr Quelle: dpa
Bundeswehrsoldaten mit Panzern Quelle: dpa
Lastwagen auf der A9 Quelle: dpa
Stethoskop Quelle: dpa
Zeitung und Taschenrechner Quelle: dpa
Annette Schavan Quelle: dpa
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder Quelle: dpa
Michel Sidibé (l), Geschäftsführender Direktor der Organisation UNAIDS, und Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) Quelle: dpa
Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) Quelle: dpa
Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) Quelle: dapd
Erntemaschine auf einem Kornfeld Quelle: dapd
Finanzminister Wolfgang Schäuble Quelle: dpa
akistans Außenministerin Hina Rabbani Khar und Deutschlands Außenminister Guido Westerwelle Quelle: dpa
Weihnachtsbaum vorm Kanzleramt Quelle: dpa
Bundesumweltminister Norbert Röttgen Quelle: dpa
Christian Wulff, seine Frau Christian und der Russische Präsident Dmitry Medvedev mit seiner Frau Svetlana Quelle: REUTERS

Eine Ursache: die Globalisierung der Finanzmärkte

Lange Zeit hatten Ökonomen nur die Handelsbilanz, die den grenzüberschreitenden Waren- und Dienstleistungsverkehr erfasst, als Bestimmungsfaktor der Leistungsbilanz im Auge. Mit der Globalisierung der Finanzmärkte und vor allem mit dem rasanten Wachstum von ausländischen Portfolio- und Direktinvestitionen sind aber die Faktoreinkommen, vor allem die Einkommen aus ausländischen Kapitalanlagen, wichtiger geworden. Diese werden in der Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen erfasst, die wie die Handelsbilanz ein Teil der Leistungsbilanz ist. Die dritte Komponente der Leistungsbilanz, die laufenden Übertragungen, sind nur bei bestimmten Ländern relevant, die Empfänger oder Geber von Entwicklungshilfe sind oder hohe Einkommen aus Gastarbeiterüberweisungen empfangen oder abgeben.

Anders als vor einem Vierteljahrhundert fließt Kapital nicht mehr nur „bergab“, in die Länder mit niedrigem Einkommen. Rohstoffländer und neue Industriestaaten sind zu Kapitalexporteuren geworden und investieren auch „bergauf“ in alten Industrienationen. Werden also reife, alternde Gläubigerstaaten dadurch langsam zu Schuldnern – und können sie vom Kapitalzufluss aus dem Ausland leben? Dank Deutschland hat der Euro-Raum im vergangenen Vierteljahrhundert Exportüberschüsse erzielt und Forderungen gegenüber dem Ausland aufgebaut. Daher kann er sich sowohl Transferzahlungen als auch Nettoeinkommensabflüsse an den Rest der Welt leisten. Deutschland hingegen bezieht Nettokapitalerträge aus Auslandsanlagen von mehr als einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

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