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Denkfabrik

"Die Banken in der Euro-Zone sind latent zahlungsunfähig"

Folgt die EZB der US-Notenbank Fed, wird sie bald noch viel mehr Liquidität in die Wirtschaft pumpen. Das hätte dramatische Konsequenzen: Banken könnten Bargeldwünsche der Kunden nicht mehr erfüllen. Eine Kolumne.

Kein Geld am Automaten Quelle: dpa/Montage

Viel hilft viel. Nach diesem Motto hat die US-Zentralbank Fed in den vergangenen Jahren die Geschäftsbanken durch Wertpapierkäufe mit frischem Zentralbankgeld in Höhe von 2600 Milliarden Dollar versorgt. Die Geldbestände auf den Zentralbankkonten der Finanzinstitute sind nun größer als die täglich fälligen Zahlungsverbindlichkeiten der Banken gegenüber ihren Kunden, die sich auf 1700 Milliarden Dollar belaufen. Damit sind die US-Banken jederzeit zahlungsfähig und gegen einen Bank-Run immunisiert.

Die Europäische Zentralbank (EZB) scheint der Fed nachzueifern. Im Januar dieses Jahres hat sie angekündigt, von März 2015 bis Herbst 2016 Anleihen im Wert von 1140 Milliarden Euro zu kaufen und diese mit neu geschaffenen Euro zu bezahlen. Doch das dürfte noch längst nicht das Ende der Fahnenstange sein.

Wie Mario Draghi die Märkte mit Geld fluten kann

Unter der Führung von EZB-Chef Mario Draghi schicken sich die Notenbanker an, bald noch mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen. In den Bilanzen der Banken stehen Verbindlichkeiten gegenüber den Kunden von 5400 Milliarden Euro, die die Kunden jederzeit abrufen können.

Liquiditätslücke von 4720 Milliarden Euro

Dagegen verfügen die Banken nur über liquide Mittel auf ihren Zentralbankkonten von 680 Milliarden Euro. Die Banken in der Euro-Zone sind daher latent zahlungsunfähig: Im Fall der Fälle können sie die Bargeldauszahlungswünsche der Kunden nicht vollständig erfüllen. Um Bankenpleiten auszuschließen, muss die EZB die Liquiditätslücke von 4720 Milliarden Euro schließen.

Der Kampf der EZB gegen die Krise

Dazu muss sie weitere Anleihen kaufen und diese mit neu geschaffenen Euro bezahlen. Vielen Regierungen im Euro-Raum dürfte das gelegen kommen. Denn auf diese Weise lassen sich die Euro-Staatsschulden in die Bilanz der EZB verschieben, um sie später zu extrem niedrigen Zinsen zu refinanzieren oder ganz zu streichen.

Geht die EZB so weit wie die Fed, wird sie auch die Termin- und Spareinlagen zu einem Teil mit neu geschaffenem Zentralbankgeld unterfüttern. Das liefe auf Anleihekäufe von 8100 Milliarden Euro hinaus. Die Euro-Hüter finanzierten dann rund 86 Prozent der Euro-Staatsschulden durch die Notenpresse.

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