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Denkfabrik

Finsterste Industriepolitik der EU-Kommission

Die Verschärfung der CO2-Grenzwerte in der europäischen Automobilindustrie ist extrem unwirtschaftlich und schadet der Umwelt mehr, als es ihr nutzt. Der Vorstoß der Europäischen Kommission dient viel eher dem Schutz der kriselnden französischen und italienischen Automobilindustrie.

Die Festlegung eines Grenzwerts für den CO2-Ausstoß würde der deutschen Automobilindustrie nachhaltig schaden Quelle: dpa Picture-Alliance

Versuche, durch die Setzung von Standards unliebsame Produkte vom eigenen Markt fernzuhalten und sich selbst einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, sind so alt wie die EU. Die Beispiele reichen vom Alkoholgehalt des Likörs über das Reinheitsgebot beim Bier bis zur Krümmung der Gurke. Konnte man über manche dieser Beispiele bislang nur lachen, hört der Spaß beim neuen Vorstoß der EU nun aber auf. Den CO2 -Ausstoß der Autos in Zukunft auf 78 Gramm pro Kilometer oder weniger zu begrenzen würde die deutsche Automobilindustrie nachhaltig schädigen.

Die deutschen Hersteller haben sich auf Premiumautos mit hohem Komfort, überdurchschnittlicher Größe und überdurchschnittlicher Leistung spezialisiert. Weil sie auf dem Heimatmarkt stark sind und sich einen harten Konkurrenzkampf liefern, der ständig Innovationen hervorbringt, werden sie ihre Autos auf der ganzen Welt spielend los. Die S-Klasse, der Phaeton, der Audi A8 und die 7er-Reihe von BMW gehören zu den besten Autos der Welt. Die Chinesen sind geradezu versessen auf sie, und in den USA ist der deutschen Automobilindustrie mit großen Limousinen und SUVs ein Comeback gelungen.

Schon die von der EU verfügte Begrenzung des CO2 -Ausstoßes auf 130 Gramm pro Kilometer für den durchschnittlichen Flottenverbrauch, die im Jahr 2009 verfügt wurde, war eine Herausforderung für die Hersteller, denn die großen deutschen Limousinen liegen eher bei 250 Gramm. Das Ziel, beim Flottenverbrauch unter 130 Gramm zu kommen, lässt sich deshalb nur realisieren, wenn man eine Menge Kleinstautos produziert, aber das widerspricht der Idee der Spezialisierung, die die hautsächliche Quelle der Effizienzgewinne in der Marktwirtschaft ist.

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Der statistische Trend ist eindeutig: Die Deutschen kaufen im Durchschnitt - und allen Debatten um das Weltklima zum Trotz -, immer stärkere Neuwagen. So hatten laut der Statistik des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg die zwischen Januar und April in Deutschland neu zugelassenen PKW 2011 eine durchschnittliche Leistung von 134 PS - und damit so viel wie nie zuvor.  Im gesamten Jahr 2011 lag der Wert bei 130 Pferdestärken.  Den Grund für den Anstieg sieht Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR, in dem zunehmenden Diesel-Anteil, und der hängt wiederum mit der Beliebtheit von SUV zusammen, deren Absatz stetig steigt und die in 67 Prozent der Fälle mit Selbstzündern unter der Haube ausgeliefert werden. Und da der Trend anhält, wird auch die durchschnittliche PS-Zahl weiter steigen, prophezeit Dudenhöffer.  Allerdings sind moderne und teils geländetaugliche SUV nicht die Serienwagen, mit den höchsten CO2-Ausstößen. Diese zweifelhafte "Ehre" gebührt den Sportwagen ... Quelle: Pressefoto
Zu den Spitzenreitern in Sachen CO2-Ausstoß gehören Lamborghini-Modelle. Ob Reventon, verschiedene Murcielago-Versionen, oder Gallardo: Weit über 300 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß pro gefahrenen Kilometer verursachen bislang alle Sportwagen der Marke. Zwei Beispiele: Beim Gallardo LP 560 4 Spyder mit manueller Schaltung sind es 351 Gramm, und diese Angabe bezieht sich sogar noch auf den offiziellen Normverbrauch von 15 Liter Super Plus auf 100 km, die in der Realität nur schwer zu erreichen sein dürften. Beim Aventador LP 700-4 sind es sogar 389 Gr. CO2/km bei vom Hersteller angegebenen 17,2 Liter Normverbrauch. Immerhin: Der durchschnittliche CO2-Ausstoß der Lambo-Flotte soll bis 2015 um 35 Prozent reduziert werden. Das Unternehmen hat angekündigt dies u.a. durch die Reduktion des Fahrzeuggewichts, eine Optimierung des Verbrennungsverfahrens und die Reduktion von Reibungs- und Rollwiderständen erreichen. Auch Start-Stopp-Systeme und Hybrid-Antriebe sind geplant.  Zum Vergleich: Die EU-Kommission will ab 2020 den Kohlendioxidausstoß von Neuwagen auf 95 Gramm pro Kilometer limitieren, Umweltverbände fordern sogar Grenzwerte von 80 g/km. Quelle: PR
Auch die andere große italienische Supersportwagenmarke kommt über ein rotes G bei den neuen Effizienzklassen nicht hinaus. Für verschiedene aktuelle Ferrari-Modelle hat u.a. die Deutsche Automobiltreuhand (DAT), aufgelistet, wie diese in Sachen CO2-Ausstoß dastehen. Ferrari FF: 380 g/km FF HELE: 360 g/km 599 GTB Fiorano: 401 g/km 599 GTO: 411 g/km 599 SA Aperta: 411 g/km 458 Italia: 307 g/km 458 Italia HELE: 275 g/km California: 299 g/km California HELE: 270 g/km In diesem Zusammenhang ist allerdings auch die spezifische Betrachtung des Themas durch Ferrari-Boss Luca Montezemolo interessant. Er sagte auf dem Genfer Autosalon, ein Ferrari werde pro Jahr durchschnittlich nur 7.000 Kilometer bewegt. Damit sei der Wagen auf Jahressicht nicht klimaschädlicher als ein viel bewegter VW Golf. Quelle: PR
Dritter im Bunde der italienischen CO2-Sünder ist Maserati. Die Marke aus Bologna mit dem Dreizack im Logo hatte zuletzt eine kleine Modelloffensive und ein eigenes Luxus-SUV angekündigt. In Sachen Effizienzklassen ist natürlich alles knallrot bzw. mit dem Buchstaben G geschmückt. Im Überblick: Quattroporte, CO2-Ausstoß: 340 g/km Quattroporte S und Sport GT S: 365 g/km Gran Turismo (Autom.): 330 g/km Gran Turismo S: 360 g/km, Gran Turismo S (Autom.): 331 g/km Gran Turismo MC Stradele: 337 g/km Gran Cabrio: 337 g/km Gran Cabrio Sport: 337 g/km Quelle: PR
Große Motoren, sportliche Abstimmung, viel Spritdurst, daraus kann natürlich kein Öko-Vorreiter werden. Bei Aston Martin wird die CO2-Bilanz allenfalls durch das Kleinstwagen-Modell Cygnet (auf Basis des dreizylindrigen Toyota iQ) ein wenig aufpoliert. Doch die "echten" Astons schlagen voll zu in Sachen Abgas. V8 Vantage, CO2-Ausstoß: 321 g/km V8 Vantage (Sportshift-Getriebe): 295 g/km V8 Vantage S: 299 g/km V12 Vantage: 388 g/km DB9: 389 g/km, DB9 (Autom.): 345 g/km Virage: 349 g/km DBS: 388 g/km, DBS (Autom.): 367 g/km Rapide: 355 g/km Cygnet: 116 g/km, Cygnet (CVT): 120 g/km, damit beide in Effizienzklasse B.
Wir bleiben bei den Briten. Understatement in Sachen CO2 sieht anders aus, als das, was Rolly-Royce auffährt. So blütenweiß, wie sich das Concept Car Six Senses hier präsentiert, ist die Umweltbilanz nicht, wie ein Blick auf die Emissionen der folgenden Modelle zeigt: Phantom, CO2-Ausstoß: 377 g/km Phantom EWB: 380 g/km Phantom Drophead Coupé: 377 g/km Phantom Coupé: 377 g/km Ghost: 317 g/km Ghost EWB: 319 g/km Quelle: PR
... und so ähnlich sich manche Modelle von Rolls-Royce und Bentley sehen, so nah liegen auch die CO2-Bilanzen beieinander. Keine Ausnahme macht dabei der von Audi kommende Motor im neuen Continental GT V8, der bis zu vier Zylinder während der Fahrt abschaltet, hier an erster Stelle: Continental GT V8, CO2-Ausstoß: 384 g/km Continental Supersports: 388 g/km Continental Flying Spur: 396 g/km Continental Flying Spur Speed: 396 g/km Mulsanne: 393 g/km Quelle: PR

Schummeln erlaubt

Allerdings ist Schummeln erlaubt. Wenn man die Autos im Testzyklus mit Strom aus der Steckdose laufen lässt, kann man die C02 -Werte rechnerisch herunterbringen, obwohl man sie in Wahrheit eher erhöht. Strom ist nämlich meistens Kohlestrom, und bis die bei der Kohleverbrennung erzeugte Energie an den Rädern des Autos angekommen ist, geht von ihr mehr verloren, als wenn man Dieseltreibstoff in einem modernen Motor verbrennt.

Die Automobilindustrie ist eine der Schlüsselindustrien Deutschlands. Sie steht für über 16 Prozent des deutschen Exports. An ihr hängen direkt 420.000 und indirekt 320.000 Arbeitsplätze in Deutschland und sicherlich noch einmal so viele in Osteuropa, wo sich ein mit der deutschen Industrie fest verwobenes Zuliefernetz entwickelt hat. Wenn die EU die Axt an dieses System legt, wird sie sich selbst beschädigen. Es reicht allmählich.

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