WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen
Denkfabrik

Katastrophalen Unsinn sollte man nicht wiederholen!

Seite 2/2

Planungen sprengen jeglichen Rahmen

Wenn es eine gemeinsame Einlagensicherung der Euro-Länder gibt, werden sich die Staaten der Gemeinschaftshaftung unter gar keinen Umständen entziehen können. Aus diesem Grund haben 2012 etwa 280 deutschsprachige Statistik- und Ökonomie-Professoren – dem Aufruf des Dortmunder Professors Walter Krämer folgend – vor der Vergemeinschaftung der Verluste in einer Bankenunion gewarnt. Dieselbe Position haben weitere 220 Ökonomen in einem zweiten Aufruf eingenommen, der von der Presse als Gegenaufruf stilisiert wurde.

Deutsche haben keine Ahnung von Finanzen
Geldanlagen werden nicht hinterfragtObwohl die Zinsen aktuell auf extrem niedrigen Niveau herumkrebsen, hinterfragt die Mehrzahl der deutschen Anleger ihre bestehenden Geldanlagen nicht (69 Prozent). Lediglich 31 Prozent nehmen das Niedrigzinsumfeld zum Anlass, ihre Anlageformen zu überprüfen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Union Investment. Analysten der Bank haben das Anlageverhalten der Deutschen im zweiten Quartal des laufenden Jahres untersucht. Quelle: dpa
Desinteresse und mangelnde KenntnisseDie allgemeine Zurückhaltung beruht zum einen auf Desinteresse und zum anderen auf mangelnden Kenntnissen. Nur 19 Prozent der Befragten setzen sich aus eigenem Antrieb mit Finanzangelegenheiten auseinander. Rund 53 Prozent setzen sich überhaupt nicht mit Finanzfragen auseinander. Nur jeder Fünfte glaubt sich mit Geldanlagen gut auszukennen. Satte 39 Prozent halten ihre Finanzkenntnisse für unzureichend. Quelle: dpa
Junge Erwachsene schätzen Kenntnisse am schlechtesten einBesonders schlecht um den Wissensstand in Sachen Geldanlagen steht es bei den jungen Erwachsenen. In der Altersgruppe der 20- bis 29-jährigen glauben lediglich 14 Prozent über gute Finanzkenntnisse zu verfügen. 59 Prozent halten ihr Wissen für nicht ausreichend. In der höheren Altersgruppe der 40- bis 49-jährigen sieht die Lage nicht viel besser aus. Hier sind nur 16 Prozent davon überzeugt gute Kenntnisse in Finanzfragen zu besitzen. Bei den Menschen im Alter zwischen 50 und 59 Jahren sind es immerhin 24 Prozent, die glauben, ausreichendes Wissen über Geldanlagen zu haben. Quelle: IMAGO
Je höher das Einkommen, desto mehr Finanzwissen ist laut eigener Einschätzung vorhandenBefragte mit einem monatlichen Einkommen unter 1300 Euro schätzen ihr Finanzwissen besonders schlecht ein. Hier glauben nur drei Prozent über ausreichende Kenntnisse zu verfügen. In der Einkommensklasse über 2300 bis 3100 Euro steigt dieser Wert auf 14 Prozent, bei Menschen mit einem Einkommen über 4100 Euro liegt die Schätzung bei 34 Prozent, „Das Ergebnis der Studie zeigt, wie groß der Nachholbedarf bei diesem wichtigen Thema ist. Selbst unter den lebenserfahrenen älteren Menschen und denjenigen mit höheren Einkommen fühlt sich nur eine Minderheit in Finanzangelegenheiten sattelfest“, sagt Giovanni Gay, Geschäftsführer bei Union Investment. Quelle: dpa
Nur wenige SelbstentscheiderDie fehlenden Finanzkenntnisse sorgen für einen hohen Bedarf an Finanzberatung. 40 Prozent der Deutschen sind laut eigener Aussage bei ihren Anlageentscheidungen auf konkrete Empfehlungen ihres Bankberaters angewiesen. Besonders großen Wert auf die Beratung legen die 20- bis 29-jährigen (47 Prozent). Selbstentscheider hingegen gibt es nur wenige. Nur 33 Prozent der Haushalte investieren genügend Zeit, um eine möglichst treffende Anlageentscheidung zu treffen. Quelle: dpa
BauchgefühlIn erster Linie wollen sich die Deutschen mit ihren Finanzentscheidung wohlfühlen. 71 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen ein gutes Bauchgefühl dabei wichtig ist. „Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Bankberatern im Kundengespräch eine bedeutende Aufgabe zukommt. Sie müssen ihren Kunden die Vorteile einer breit gestreuten Geldanlage aufzeigen und Brücken zu chancenreicheren Investments bauen. Nur wer sein Vermögen ausgewogen strukturiert und einschätzbare Risiken eingeht, kann bei langfristig niedrigen Zinsen auskömmliche Erträge erzielen“, erläutert Gay. Quelle: dpa
Starke SicherheitsorientierungIm Vordergrund jeder Entscheidung steht die Sicherheitsorientierung. 63 Prozent der Befragten steht der Aspekt der Sicherheit an erster Stelle. Rund 25 Prozent legen Wert auf größtmögliche Flexibilität der Geldanlage. Nur jeder Zehnte hat hohe Gewinnziele im Blick. Quelle: dpa

Die Politik war damals sensibilisiert worden und wandte sich gegen den von der EU-Kommission bereits vorgesehenen totalen Bail-out der Bankengläubiger. Sie setzte 2014 eine Richtlinie zur Bankenabwicklung (BRRD) in Kraft, nach der zunächst einmal acht Prozent der Bilanzsumme an Verlusten bei den Eigentümern und nachrangigen Gläubigern anfallen sollen, bevor ein im Laufe der Jahre erst noch zu bildender Abwicklungsfonds (SRF) für weitere fünf Prozent der Bilanzsumme gemeinschaftlich haftet.

Was jetzt geplant ist, sprengt indes jeglichen Rahmen. Wenn es pro Haushalt ein Bankkonto gibt, wären allein in den GIPSIZ-Ländern 52,8 Millionen Konten abzusichern. Davor kann man nur mit allem Nachdruck warnen. Nicht nur, weil die Absicherung Deutschland teuer zu stehen käme, sondern auch, weil alle Disziplin dahin wäre. Zur amerikanischen Savings- und Loan-Krise kam es in den Achtzigerjahren, weil die Sparkassen dank des gemeinsamen Einlagensicherungsfonds sehr viele Spargelder angezogen und damit blindlings herumgezockt hatten.

Geldanlage



In der S&L-Krise gingen von 1986 bis 1995 über 1000 notleidende Banken und Sparkassen unter. Hunderte mussten zusätzlich gestützt werden. Die Aktionen haben den US-Steuerzahler 130 Milliarden Dollar gekostet und bereiteten den Boden für eine neue Zockerrunde bei den US-Banken, die zwölf Jahre später zum Kollaps der Weltwirtschaft führte. Gott bewahre uns vor der Wiederholung eines solch katastrophalen Unsinns.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%