Denkfabrik

Spaniens langsamer Weg bergauf

Spanien durchlebt nun bereits sein fünftes Jahr in der Rezession. Doch endlich mehren sich die Hinweise, dass das Land das Schlimmste überstanden hat.

Für Spanien geht es trotz hoher Arbeitslosigkeit langsam bergauf - Dem Export sei Dank Quelle: dpa

Spanien durchlebt nun bereits sein fünftes Jahr in der Rezession. Doch endlich mehren sich die Hinweise, dass das Land das Schlimmste überstanden hat und der Beginn eines zarten Aufschwungs nicht mehr weit entfernt liegt.

Alfredo Pastor ist ÖkonomieProfessor an der internationalen Business School IESE, die unter anderem Niederlassungen in Barcelona und München hat. Zuvor arbeitete er unter anderem für die Weltbank und die spanische Zentralbank (zum Vergrößern bitte Bild anklicken) Quelle: Presse

Seit 2009 ist die wirtschaftliche Auseinanderentwicklung zwischen Spanien und den Kernländern der Euro-Zone zum größten Teil korrigiert worden. Die Inflationsrate, die 2008 mit 4,3 Prozent ihren Höchststand erreichte, liegt heute unter drei Prozent – trotz der gestiegenen indirekten Steuern. Der Faktor, um den die spanischen Lohnstückkosten höher liegen als im Durchschnitt in der Euro-Zone, ist von 19 auf 9 Prozent gesunken, sowohl gesamtwirtschaftlich als auch auf einzelne Branchen bezogen. Angestellte im öffentlichen Dienst mussten Einkommenseinbußen zwischen 10 und 25 Prozent hinnehmen, in der Privatwirtschaft sind Lohnkürzungen zwischen 20 und 40 Prozent keine Seltenheit. Das Leistungsbilanzdefizit, 2007 bei zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), ist auf zwei Prozent geschrumpft. Kurzum: Spanien hat seine Wettbewerbsfähigkeit zurückgewonnen und ist in der Lage, vom Wachstum seiner Handelspartner zu profitieren.

Hoffnungsträger Export (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Nicht zuletzt befindet sich auch die Restrukturierung der Banken in ihrer finalen Phase (freilich: teilweise auf Kosten eines höheren Staatsdefizits); der Schuldenabbau der Banken kommt voran. Und auch die politischen Vorgaben der Euro-Zone zu Arbeitsmarktreformen und Haushaltskonsolidierung hat Spanien erfüllt. Beides war notwendig, um die Wirtschaft in ruhigere Bahnen zu lenken. Die spanische Regierung hat dabei eine große Entschlossenheit gezeigt.

Krise und Arbeitslosigkeit in Spanien

Hoher Preis

Der Preis, den Spanien für diese Anpassungen zahlen musste, war allerdings hoch: Sechs Millionen Menschen, das sind 26 Prozent der Erwerbstätigen, sind nun arbeitslos. Teilweise verloren sie ihre Arbeit wegen des Auftragseinbruchs im Bausektor, aber auch im produzierenden Gewerbe, im Dienstleistungssektor und im Handel fielen wegen der Rezession und eines sinkenden privaten Konsums viele Jobs weg. Von sozialen Unruhen blieb Spanien zwar bisher verschont. Viele befürchten allerdings, dass die sozialen Spannungen deutlich zunehmen werden, wenn die ersehnte Trendwende nicht endlich kommt.

Vom spanischen Binnenmarkt sind vorerst kaum positive Impulse zu erwarten. Die hohen privaten Schulden und die hohe Arbeitslosigkeit strangulieren den Konsum, der mangelnde Zugang zu neuen Krediten verhindert private Investitionen, der staatliche Sparkurs drosselt öffentliche Investitionen.

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