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Der Weg zurück zur Drachme Wenn Griechenland aus der Eurozone austritt

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Importpreise steigen dramatisch

Positiv wäre sicherlich, dass sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft auf einen Schlag deutlich verbesserte. Nicht nur Ziegenkäse und Samos-Wein würden für ausländische Abnehmer billiger. Auch der Urlaub auf den griechischen Inseln, der sich in den vergangenen Jahren deutlich verteuert hatte, würde wieder erschwinglich. Statt an die türkische Riviera zu fahren, würden die Urlauber wieder preiswerte Flüge nach Kos, Rhodos und zur Akropolis buchen.

Talfahrt der Drachme

Auf der anderen Seite würde die Talfahrt der Drachme die Importpreise kräftig steigen lassen. Das könnte die Forderungen nach höheren Löhnen befeuern, zumal viele Griechen im Zuge der Wirtschaftskrise ihre Arbeit verloren haben oder hohe Gehaltseinbußen hinnehmen mussten.

Nach einem Austritt aus der Währungsunion würde aber der Reformdruck nachlassen und die Arbeitnehmer sähen wohl keinen Sinn mehr darin, sich bei den Löhnen zurückzuhalten. Die Unternehmen dürften den Kostenschub in ihre Absatzpreise überwälzen. So könnte Griechenland den abwertungsbedingten Gewinn an preislicher Wettbewerbsfähigkeit durch höhere Inflation wieder verspielen.

Europa ist nur bedingt wettbewerbsfähig
Ein Mann trägt eine griechische Flagge Quelle: dpa
ItalienAuch Italien büßt zwei Plätze ein und fällt von Rang 44 auf Rang 46. Die Studienleiter kritisieren vor allem das Finanz- und Justizsystem. Die Abgaben seien zu hoch und Verfahren viel zu langwierig und intransparent. Lediglich bei der Produktivität und mit seiner Infrastruktur liegt der Stiefelstaat im Mittelfeld. Ein wenig besser macht es ... Quelle: REUTERS
Ein Mann schwenkt eine portugiesische Flagge Quelle: AP
Stierkampf Quelle: dpa
Eine Frau hält eine Fahne mit einer französischen Flagge in der Hand Quelle: REUTERS
Das Parlamentsgebäude in Wien Quelle: dpa
Finnische Flagge Quelle: dpa

Das gilt vor allem dann, wenn die Notenbank - was zu erwarten wäre - das hohe Defizit im Staatshaushalt durch das Anwerfen der Notenpresse finanzierte. Die Inflation und das hohe Ausfallrisiko wirkten auf ausländische Kapitalgeber abschreckend.

Ähnlich wie bei anderen Staatsbankrotteuren in der Vergangenheit bestünde auch für Griechenland die Gefahr, dass das Land für längere Zeit vom internationalen Kapitalmarkt abgeschnitten wäre. Damit fehlten die Mittel, um das Defizit in der Leistungsbilanz zu finanzieren. Die Hellenen müssten ihren Gürtel abrupt mehrere Löcher enger schnallen. Sogar Versorgungsengpässe bei wichtigen Importgütern wie Nahrungsmitteln und Benzin sind wahrscheinlich.

Banken leiden

Die größten Probleme aber entstünden für die Banken. Denn mit der Abwertung der Drachme würden die in Euro denominierten Schulden des Staates, derzeit insgesamt 321,7 Milliarden Euro, massiv aufwerten, Zins- und Tilgungszahlungen verteuerten sich. Der Staatsbankrott wäre nicht mehr zu vermeiden.

Die Gläubiger des griechischen Staates müssten dann auf einen großen Teil ihrer Forderungen verzichten. Größter Gläubiger ist inzwischen mit 142 Milliarden Euro der Europäische Rettungsschirm EFSF, auf Deutschland entfallen davon 65 Milliarden Euro. 53 Milliarden Euro Schulden hat das Land gegenüber den Euro-Ländern.

Aber auch für viele griechische Banken hätte ein Forderungsverzicht dramatische Folgen. Denn auch sie haben für 10,9 Milliarden Euro Staatsanleihen des eigenen Landes in ihren Büchern. Kommt der Schuldenschnitt, wäre das griechische Bankensystem ausgelöscht.

Ohne Banken aber ist keine Volkswirtschaft der Welt überlebensfähig. Die Institute müssten daher gerettet werden. Eigentlich wäre das die Aufgabe der griechischen Regierung. Doch dafür benötigt sie Geld. Geld, das sie nicht besitzt.

Experten erwarten deshalb, dass die Europäer den Griechen den Start in das neue Währungszeitalter mit einer kräftigen Kapitalspritze für ihre Banken erleichtern - als goldener Handschlag gewissermaßen.

Griechenlands Schwächen

Auch die Forderungen anderer Finanzinstitute gegenüber dem griechischen Staat stünden im Feuer. Deren Außenstände belaufen sich auf rund 55 Milliarden Euro. Allerdings sind diese Institute mittlerweile gerüstet und haben die griechischen Anleihen weitgehend abgeschrieben.

Teurer für den Steuerzahler wird es bei der EZB: die Euro-Hüter haben für rund 25 Milliarden Euro Hellas-Staatsanleihen in ihrer Bilanz. Auch wenn die Zentralbank diese vorsorglich mit einem Wertabschlag in ihren Büchern stehen hat, müsste sie womöglich weitere Abschreibungen vornehmen.

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