WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Deutschland Lohnpolitik in der Kritik

Seite 2/2

Am Abbau der Schulden führt kein Weg vorbei

Die Schelte an der deutschen Binnennachfrage ist nicht konsistent. Quelle: dpa/dpaweb

Viele ILO-Mitarbeiter folgen einer keynesianischen Ökonomierichtung. So gesehen wundert es nicht, dass das arbeitgeberfinanzierte Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erst in der vergangenen Woche eine Studie mit gänzlich konträren Ergebnissen vorgelegt hatte: Demnach seien die deutschen Lohnstückkosten seit 1999 konstant geblieben. Im internationalen Vergleich weise die deutsche Industrie weiter das fünfthöchste Lohnstückkostenniveau aus.

Die Exporterfolge gingen daher eher auf die hohe Produktqualität zurück. Oder ganz schlicht: Die Kunden im Ausland schätzen nun einmal die Autos deutscher Hersteller. Nun lassen sich alle Studien kritisch hinterfragen, das gilt für die ILO genau wie für das IW. Allerdings zeigt die Gegenüberstellung, dass die Wahrheit immer auch im Auge des Betrachters liegt.

So ganz konsistent ist die Schelte an der deutschen Binnennachfrage ohnehin nicht. In Europa hat die Arbeitslosigkeit einen historischen Höchststand erreicht. Selbst die ILO muss allerdings einräumen, Deutschland gehöre in Europa „zu den wenigen Ausnahmen, in denen die Beschäftigung nicht unter dem Stand vor Ausbruch der Krise zurückgegangen ist“. Und das dürfte für die Binnennachfrage dann doch wieder ganz gut gewesen sein.

Ganz abgesehen davon: Was soll eigentlich die Konsequenz aus dem Vorwurf sein? Ein Arbeitsauftrag für die nächsten Tarifrunden? IG Metall und Arbeitgeberverbände werden sich mit Hinweis auf ihre Autonomie bedanken. Oder ein Hinweis darauf, die Lohnentwicklung künftig doch bitteschön politisch korrekt auf europäischer Ebene abzustimmen, so als Art tarifpolitischer Fünfjahreserfüllungsplan, um makroökonomische Ungleichgewichte und Exportüberschüsse wegzudirigieren – und ganz nebenbei die Konkurrenz auszuschalten?

Vielleicht sollte sich Europa erst einmal darauf konzentrieren, die Haushaltsdefizite abzubauen. Es ist zynisch genug: Wenn die Krisenländer mutig an ihren Spar- und Reformversprechen festhalten, wird ihre Nachfrage nach deutschen Produkten ohnehin erst einmal sinken.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%