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+++Die Ereignisse im Überblick+++ Die Griechen lehnen Sparvorgaben ab

Mit deutlicher Mehrheit haben die Griechen am Sonntag die Sparvorgaben der internationalen Gläubiger abgelehnt. Nach Auszählung aller Wahlzettel haben 61,31 Prozent der Wähler mit „Nein“ votiert.

Die Folgen eines „Grexits“
Das Nationalgetränk der Griechen droht für einen normalen Arbeiter zum unbezahlbaren Luxusgut zu werden: Ein Frappé, also eine Nescafé mit Milch, Eiswürfeln und einem Strohhalm kostete kurz vor der Einführung des Euro etwa 100 Drachmen. Das entsprach damals rund 30 Euro-Cent. Als die Griechenland-Krise ausbrach, vor etwa sieben Jahren, kostete ein Frappé bereits zwischen 2,50 und drei Euro. Quelle: dpa
Noch im Laufe des Aprils muss Griechenland zwei Staatsanleihen im Wert von 2,4 Milliarden Euro an seine Gläubiger zurückzahlen. Im Mai werden weitere 2,8 Milliarden Euro fällig, von Juni bis August muss Athen noch einmal mehr als zwölf Milliarden Euro an Schulden zurückzahlen. Woher das Geld kommen soll, ist völlig unklar. Quelle: dpa
Die sozialen Probleme sind groß, die Renten wurden gekürzt, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Die Regierung Tsipras plant deshalb Steuererleichterungen und die Wiedereinstellung von Beamten. Allein diese Maßnahmen werden im laufenden Jahr nach Berechnungen der griechischen Regierung mindestens zwölf Milliarden Euro zusätzlich kosten. Quelle: dpa
Schon seit Wochen ist von einem „Grexit“ die Rede, dem Austritt Griechenlands aus der Währungsunion, vielleicht sogar verbunden mit einem drastischen Schuldenschnitt. Hinter der öffentlichen Spekulation könnte Absicht stecken. Quelle: ap
Würde eine neu eingeführte Drachme gegenüber dem Euro abwerten, könnte sich die griechische Regierung nach und nach leichter entschulden. Ein Austritt der Griechen aus dem Euro böte auch noch andere Vorteile: So würde die griechische Export-Wirtschaft von einer Abwertung der Landeswährung profitieren. Quelle: dpa
Besonders teuer würde ein „Grexit“ für Menschen mit geringem Einkommen und den Mittelstand mit Sparguthaben auf  griechischen Bankkonten, während das Geld reicher Griechen im Ausland unangetastet bliebe. Quelle: dpa
Die Gläubiger werden so oder so auf Reformen beharren. Für Tsipras kommt es deshalb eigentlich nur darauf an, seinen eigenen Wählern gegenüber eine möglichst gute Figur in den Verhandlungen abzugeben. Das gilt allerdings auch für seine europäischen Partner auf der anderen Seite des Verhandlungstisches. Für alle Beteiligten ist es wichtig, dass eine Lösung der griechischen Haushaltsprobleme möglichst wenige Kollateralschaden verursacht. Quelle: dpa

+++02.25 Uhr+++

Die Griechen erteilen den Sparvorgaben der internationalen Gläubiger eine deutliche Absage. Nach Auszählung aller Wahlzettel haben 61,31 Prozent der Wähler mit „Nein“ votiert, wie das Innenministerium in Athen am frühen Montagmorgen mitteilte. 38,69 Prozent stimmten mit „Ja“, wie es auf der Internetseite des Ministeriums weiter hieß.

+++01.30 Uhr+++

Nach dem Referendum hat Griechenlands Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos ein Treffen mit den Vorsitzenden der sieben im Parlament vertretenen Parteien anberaumt. Damit folge er einer Bitte von Ministerpräsident Tsipras, sagte Pavlopoulos.

+++00.30 Uhr+++

Nach dem Referendum in Griechenland ist es in Athen zu Zusammenstößen zwischen Beamten und mutmaßlichen Anarchisten gekommen. Rund 100 bis 150 Protestler warfen in der Nacht zum Montag Rauchbomben auf Bereitschaftspolizisten und setzten Mülleimer in Brand. Die Unruhen spielten sich im Viertel Exarchia ab - und damit in großer Entfernung zum zentralen Syntagma-Platz, wo Demonstranten den Ausgang des Volksentscheids feierten.

+++00.00 Uhr+++

„Wir haben zunächst mal ein solches Ergebnis zu akzeptieren“, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier am Sonntagabend in Wien am Rande der Atom-Gespräche mit dem Iran. „Welche Schlussfolgerungen daraus zu ziehen sind, das ist eine Entscheidung, die jetzt in erster Linie in Griechenland getroffen werden muss und deshalb liegt der Ball in Athen“, sagte der SPD-Politiker.


+++23.30 Uhr+++

Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn hat sich für einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone ausgesprochen. "Die Griechen müssen noch eine Chance bekommen, im Europa zu bleiben. Alles andere wäre eine Katastrophe für Griechenland und Europa", sagte Asselborn am Sonntagabend im ZDF. Luxemburg hat am 1. Juli die halbjährige EU-Ratspräsidentschaft übernommen.


+++23.00 Uhr+++

Die polnische Regierungschefin Ewa Kopacz hat Griechenland den Austritt aus der Eurozone nahegelegt. Wenn sich das „Nein“ der Griechen zu den Sparauflagen der internationalen Kreditgeber bestätige, bleibe Athen wohl keine andere Wahl, sagte Kopacz am Sonntagabend, als erst ein Teil der Stimmen bei dem griechischen Referendum ausgezählt war. „Der Weg für Griechenland kann nur einer sein: die Eurozone zu verlassen“, sagte sie. Polen ist allerdings selbst nicht Mitglied der Währungsunion.

+++22.35 Uhr

Angesichts der wachsenden sozialen Not in Griechenland erwartet EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, dass die Europäische Union schon am Montag oder Dienstag ein „humanitäres Hilfsprogramm“ für das Euro-Krisenland auflegt. Die „Ärmsten der Armen“ dürften nicht die Zeche für die kompromisslose Krisenpolitik der linksgeführten Regierung in Athen tragen, sagte der SPD-Politiker am Sonntagabend in der ARD. Als Beispiel nannte er Beispiele verzweifelter Rentner, die nicht genug Bargeld bekämen, um überlebenswichtige Medikamente zu kaufen.

+++22.05 Uhr+++

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Abend mit Präsident dem französischen Präsidenten Francois Hollande telefoniert. Beide seien sich darin einig, dass das Votum der Griechen zu respektieren sei, sagte ein Regierungssprecher. Die Kanzlerin und der Präsident sprechen sich dafür aus, am Dienstag ein Gipfel der Staats- und Regierungschefs der Eurozone einzuberufen.

+++21.57 Uhr+++

Mittlerweile sind mehr als 60 Prozent der Stimmen ausgezählt und es bleibt dabei: 61 Prozent wählten "Nein", 39 Prozent „Ja“. Die Wahlbeteiligung lag bei 62 Prozent. Varoufakis wertet das "Nein" seiner Landsleute beim Referendum als klare Absage an die bisherige Sparpolitik. "Das griechische Volk hat nach fünf Jahren Austerität gesagt: So geht es nicht weiter".

+++21.52 Uhr+++

Varoufakis will nach dem Sieg der Reformgegner beim Referendum mit den internationalen Geldgebern neu verhandeln. „Ab morgen fangen wir an, unsere Wunden zu heilen“, kündigte Varoufakis am Sonntagabend im griechischen Fernsehen an. Europa dürfe nicht mehr ein riesiger eiserner Käfig der Sparpolitik sein. Seine Regierung habe sich fünf Monate lang für gelockerte Sparvorgaben eingesetzt. Doch die Gläubiger hätten am 25. Juni ein Ultimatum gestellt, ihr Sparprogramm zu akzeptieren. „Sie haben unsere Banken geschlossen. Sie wollten uns erniedrigen“, sagte Varoufakis. Nun habe das griechische Volk das Ultimatum zurückgewiesen.

+++21.35 Uhr+++

Die US-Bank JP Morgan teilt mit, für sie sei nun wahrscheinlicher, dass Griechenland den Euro verlasse als dass das Land die Gemeinschaftswährung behalte. Für den weiteren Verlauf sei wichtig, welche unmittelbaren Reaktionen es innerhalb und außerhalb Griechenland jetzt gebe. JP Morgan erwarte, dass der Ton auf beiden Seiten etwas versöhnlicher werde als zuletzt.

+++21.28 Uhr+++

Die Sozialdemokraten im Europaparlament fordern nach dem klaren „Nein“ beim griechischen Referendum die schnelle Aufnahme neuer Verhandlungen mit den Geldgebern. „Ab morgen sollten wir die Verhandlungen wieder eröffnen. Und zwar in einer neuen Atmosphäre der Solidarität und Kooperation“, sagte Fraktionschef Gianni Pittella am Sonntagabend in Brüssel. Er erwarte, dass die griechische Regierung mit „einer neuen, verantwortungsbewussten Einstellung“ an den Verhandlungstisch zurückkehre. „Außerdem wird es Zeit, dass einige Mitgliedsstaaten und Minister endlich aufhören, sich von unakzeptabler Starrheit, Selbstsucht und innenpolitischen Angelegenheiten leiten zu lassen.“

+++21.27 Uhr+++

Mit dem "Nein" habe sich das griechische Volk gegen die Grundlagen und Regeln eines einheitlichen Währungsraumes ausgesprochen, erklärt Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Er fügt hinzu, konsequenterweise sollte Griechenland jetzt aus der Euro-Währungsgemeinschaft ausscheiden.

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