Die Exits vor dem Brexit Zwei Länder haben die EU schon längst verlassen

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Großbritannien raus, Grönland rein?

Die einzige Lehre, die man aus der fast vergessenen oder sogar bewusst verdrängten Episode der algerisch-europäischen Freizügigkeit für Waren und Personen ziehen kann, ist vermutlich die: Wenn die inneren politischen und wirtschaftskulturellen Bedingungen für eine ökonomische Entwicklung nicht gegeben sind, nutzen auch die engste Anbindung und großzügige europäische Privilegien für Nachbarländer nicht viel.

Grönland und die EG

Kurz nachdem die Zollunion mit Algerien endete, traten zum Jahresbeginn 1973 Großbritannien, Irland und Dänemark der EWG bei. Mit dem Königreich Dänemark wurde auch dessen Territorium Grönland - die größte Insel der Welt - Bestandteil der EWG. Die rund 56.000 Grönländer, zum größten Teil Ureinwohner (Innuit), hatten allerdings bei der dänischen Volksabstimmung zum EWG-Beitritt am 2. Oktober 1972 mit überwiegender Mehrheit gegen die EWG gestimmt. Sie fürchteten vor allem Eingriffe Brüssel in die Fischerei.

Weil Grönland über Dänemark in der EWG war, konnten europäische (damals vor allem deutsche) Fischfangschiffe in seinen Gewässern fischen. Dagegen richtete sich bald eine Bürgerbewegung der kleinen Fischfangnation. In einer Volksabstimmung am 23. Februar 1982 setzten sich die Austrittsbefürworter durch.

Der Widerstand der Grönländer gegen Brüssels Fischereipolitik war auch eine entscheidende Motivation für ihr zunehmendes Verlangen nach weiterer Autonomie von Dänemark – nach dem Vorbild der Färöer-Inseln, die zwar zur Dänischen Krone gehören, aber schon weitestgehend autonom waren und nie der EWG, EG oder EU beitraten. Nach vierjährigen Verhandlungen erlangte auch Grönland 1979 innere Autonomie mit eigenem Parlament und Regierung als „Nation innerhalb des Königreichs Dänemark“.

Die Austrittsverhandlungen mit Brüssel dauerten daraufhin fast drei Jahre. Auf die lange Dauer und Komplexität der Grönland-Verhandlungen hatte 2016 vor dem britischen Referendum auch der damalige britische EU-Minister David Lidington hingewiesen, um seine Landsleute zur Räson zu bringen.

Der Austritt Grönlands zum 1. Januar 1985 war kein harter. Niemand sprach damals in Europa davon, ein Exempel zu statuieren, um andere Länder vom Austritt abzuhalten. Grönland behielt wie andere Überseegebiete von Mitgliedsstaaten seinen Status als „assoziiertes überseeisches Land“. Im Gegensatz zu Algerien war dieses Privileg nicht befristet, sondern gilt noch heute. Grönland gehört damit zwar nicht mehr zum Zollgebiet der Union, genießt aber die Vorteile eines zollfreien Handels – und braucht sich nicht um Brüsseler Fischfangquoten zu scheren.

Die Grönländer träumen seit einigen Jahren nun davon, dass ihnen bald der Abbau von Bodenschätzen auf ihrer größten Insel der Welt immensen Wohlstand bescheren und die Fischerei als Haupteinnahmequelle ersetzen werde. Doch das dauert – von Bedenken angesichts der Zerstörung arktischer Natur ganz abgesehen.

Im vergangenen Jahr, kurz vor dem Brexit-Referendum brachte der grönländische Abgeordnete Michael Rosing mit Unterstützung des Fischfangunternehmers Henrik Leth die Forderung nach einem Wiedereintritt in die EU auf. Man könne schließlich Investitionen der europäischen Strukturfonds gut gebrauchen, um die allzu langsame Diversifizierung der heimischen Wirtschaft jenseits der Fischerei voranzutreiben.

Mit europäischen Idealen jedenfalls scheint das Verhältnis der Grönländer zu Europa nicht viel zu tun zu haben. Der geographische Riese und demographische Zwerg hängt bei aller politischen Unabhängigkeit am finanziellen Tropf Dänemarks und der EU. Brüssel überweist jährlich rund 16 Millionen Euro für die Fischerei und 31 Millionen Euro für Bildungszwecke in die Hauptstadt Nuuk (17.000 Einwohner). Die Regierung des Königreichs Dänemark gewährt den abtrünnigen Untertanen jährlich 3,6 Milliarden Kronen (484 Millionen Euro) Unterstützung.

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