Die Freytags-Frage

Drohen der Euro-Zone japanische Verhältnisse?

Die Schuldenkrise ist noch längst nicht vorbei. Die Euro-Zone wird weder glimpflich davonkommen, noch muss sie Hyperinflation fürchten. Wahrscheinlicher ist es, dass Europa eine Krise wie Japan durchlebt.

Wie geht es weiter? Neben dem baldigen Entkommen aus der Krise, was von allen gewünscht wird, sind zwei weitere alternativen Szenarien denkbar. Quelle: dpa

Die gegenwärtigen Nachrichten von der Rettungsfront in der Eurozone könnten unterschiedlicher nicht sein. Auf der einen Seite werden Portugal und Irland Fortschritte konzediert, die Banken in der Eurozone leihen sich offenbar wieder mehr Geld und zahlen die Kredite an die EZB zurück. Der griechische Notenbankpräsident beruhigt die Kreditgeber. Das hört sich doch gut an. Der EZB-Notenbankpräsident Draghi sieht sogar für das zweite Halbjahr eine flächendeckende Erholung voraus.

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Allerdings gibt es auch beunruhigende Nachrichten. In Italien und Spanien drohen Korruptionsskandale, in beiden Ländern scheinen die Reformen nur sehr langsam voranzugehen. Der Wahlkampf in Italien scheint zu lähmen. Kollegen von  Präsident Draghi, namentlich Herr Asmussen und das ehemalige Mitglied des Direktoriums der EZB, Lorenzo Bini Smaghi, sind deshalb auch weniger optimistisch. Hinzu kommt, dass die Euro-Eliten um jeden Preis die Regierung in Zypern retten wollen. Der finanzielle Aspekt dieser Aktion ist sicherlich vernachlässigbar. Verheerend dürfte das Signal sein, dass die Steuerzahler jetzt zur Rettung von Geldwäschern herangezogen werden und dass eine Regierung sich alles erlauben darf. Wir stehen dennoch für sie ein.

Die wichtigsten Entscheidungen zum Euro 2012
Frankreich verliert BonitätFrankreich verliert am 14. Januar seine Bestnote als Schuldner bei Standard & Poor's. Nun wird immer klarer, dass allein Deutschland unter den großen Eurozonen-Ländern als Stabilitätsanker zu sehen ist. Quelle: REUTERS
FiskalpaktBeim EU-Gipfel in Brüssel unterzeichnen 25 der 27 EU-Länder am 2. März 2012 den von Deutschland und Frankreich durchgesetzten Fiskalpakt. Der sieht unter anderem eine Schuldenbremse nach deutschem Vorbild vor, die vom Europäischen Gerichtshof überprüft wird. In der Regel darf die Neuverschuldung demnach konjunkturbereinigt 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nicht überschreiten. Aber: Die Schuldengrenze ist weniger streng als die des Bundes. Für Berlin darf das jährliche Staatsdefizit in Normalzeiten ab 2016 nur noch bei 0,35 Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen. Quelle: dpa
SchuldenschnittAm 12. März 2012 wird der sogenannte Schuldenschnitt für Griechenland fällig. Über 96 Prozent der Unternehmen, meist Banken, die Griechenland-Anleihen halten, verzichten auf einen Großteil ihrer Forderungen – mehr oder weniger freiwillig. Griechenland ist damit noch längst nicht gerettet. Die Schuldenquote steigt schnell wieder und viele der Gläubiger klagen vor Gericht. Quelle: dapd
Hollande gewähltAm 6. Mai 2012 wählen die Franzosen Francois Hollande zu ihrem Staatspräsidenten. Das Duo
Merkel erpresstEklat beim EU-Gipfel am 30. Juni 2012: Italien und Spanien ziehen alle Register, um Europa ihre Politik aufzuzwingen. Mit Erfolg. Künftig sollen Krisenländer den Euro-Rettungsschirm ohne verschärftes Anpassungsprogramm anzapfen dürfen. Quelle: dpa
Unbegrenzter Anleihenkauf der EZBAm 6. September gibt die EZB bekannt, dass sie im Notfall unbegrenzt Anleihen von finanziell angeschlagenen Euro-Staaten kaufen will, um die Zinsen für die Regierungen in Rom und Madrid drücken. Sie finanziert damit indirekt Staaten – was ihr eigentlich strikt verboten ist. Eine neue Ära der europäischen Geldpolitik beginnt. Der Bundesbankpräsident ist gescheitert. Quelle: dapd
Bundesverfassungsgericht entscheidet Am 12. September entscheidet das Bundesverfassungsgericht - im Bild Präsident Andreas Vosskuhle - über die deutsche Beteiligung am Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Sie ist rechtens, solange es bei der Haftungsobergrenze von 190 Milliarden Euro bleibt und das auch völkerrechtlich fixiert wird. Die Kläger, darunter der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler, sehen das zumindest als Teilerfolg. Quelle: REUTERS

Wie geht es weiter? Es hat sich eine Art multiples Gleichgewicht eingestellt, in der drei Szenarien die Erwartungen und die Diskussion (zumindest implizit) bestimmen: Zunächst steht das baldige Entkommen aus der Krise, was von allen gewünscht wird, von den politisch Verantwortlichen mehr oder weniger herbeigeredet, von der Fachwelt allerdings für eher unwahrscheinlich gehalten wird. Die alternativen Szenarien sind, dass es erstens in Kürze eine Hyperinflation mit massiver Vermögensvernichtung breiter Bevölkerungsschichten in ganz Europa gibt, oder zweitens eine langanhaltende Strukturkrise mit niedrigen Zinsen und moderater Inflation bei langsam ansteigender Arbeitslosigkeit zu erwarten ist. Auf diese konzentriert sich die Kolumne.

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