Die königliche Marke „Großbritannien wäre nicht Großbritannien ohne die königliche Familie“

Tassen mit dem Bild der verstorbenen Königin Elizabeth II. in einem englischen Souvenirladen. Quelle: REUTERS

Die Queen ist tot. Die königliche Marke aber lebt. Bloß wie sieht ihre Zukunft aus? Markenexperte Andrew Bloch über royale Spannungen und die Wahrnehmung der Monarchie.

  • Teilen per:
  • Teilen per:

Markenexperte Andrew Bloch hat schon vor einige Zeit vorausgesagt, dass die „Sussex“-Marke von Prinz Harry und Meghan Markle zur wertvollsten persönlichen Marke der Welt werden könnte. Er erklärt, inwiefern diese Marke zwangsläufig zu Spannungen mit der königlichen Familie und mit deren königlicher Marke führt. Wie werden sich die Royals anpassen müssen, nach dem Wechsel an der Spitze der königlichen Marke relevant zu bleiben? Ein Gespräch.

WirtschaftsWoche: Was bedeutet der Wechsel an der Spitze der königlichen Familie?
Andrew Bloch: Die Königin war ein unveränderlicher Referenzpunkt für das öffentliche Leben in Großbritannien. Jetzt wird es eine große Herausforderung für das Land und die Mitglieder der königlichen Familie sein, ohne sie weiterzumachen. Dabei darf man große Bewunderung und Unterstützung für die Königin nicht mit einer unerschütterlichen Unterstützung für die gesamte königliche Familie verwechseln. Denn die Monarchie ist in den vergangenen Jahren auch durch schwierige Zeiten gegangen, in der Art und Weise, wie Prinz Harry und Meghan Markle behandelt wurden, oder wegen der Kontroversen um Prinz Andrew.

Wie wichtig ist denn die königliche Marke für Großbritannien?
Der Wert der königlichen Marke für das Land ist kaum zu beziffern. Großbritannien wäre nicht Großbritannien ohne die königliche Familie. Sie ist als Institution einzigartig in ihrer Anziehungskraft, beispielsweise in Sachen Tourismus oder auch beim internationalen Ansehen. Die Monarchie bringt Einkommen und hilft dabei, das Land auf der Weltbühne zu verankern. Diesen Wert kann man nicht unterschätzen. Das sieht man gerade in diesen Tagen, wenn man weltweit keinen Fernsehsender einschalten und keine Zeitung aufschlagen kann, ohne etwas über die königliche Familie zu erfahren. Die Marke ist derzeit meiner Meinung auch auf einem Allzeithoch. Aber die technologischen Veränderungen und die Art und Weise, wie heute rund um die Uhr berichtet wird, haben dazu geführt, dass es heute so viele Geschichten, Gerüchte und Tratsch über die königliche Familie gibt wie nie zuvor. Und die königliche Familie musste lernen, sich daran anzupassen.

Zur Person

Was wird Charles III. da als neuer Chef der königlichen Marke aus Ihrer Sicht unternehmen?
Charles III. wird aus meiner Sicht die Philosophie „never complain, never explain“ fortsetzen. Da wird es, denke ich, keine große Verschiebung aus PR-Sicht geben. Er könnte darauf hoffen, dass sich der Verlust der Königin insofern positiv auf die Familie auswirken wird, dass sie wieder enger zusammenrückt. Einen wirklich großen Wandel werden wir aber vermutlich bis zum nächsten großen Übergang innerhalb der Monarchie nicht sehen. Das ist sicher auch eine Generationenfrage.

Hat die königliche Familie nicht auch vielen britischen Unternehmen mit der Verleihung ihres königlichen Siegels geholfen, dem „Royal Warrant“? Ändert sich da was?
Wenn eine Marke ein königliches Siegel erhält, dann ist das natürlich eine Anerkennung. Ich wüsste nicht, dass sich da etwas ändern wird. Man sollte aber auch die Arbeit der Stiftungen nicht unterschätzen, die Charles als Prince of Wales betrieben hat. Er hat das Leben vieler junger Menschen damit verändert.

Lesen Sie auch: Aus dem Leben eines Hoflieferanten der Queen

Charles sprach schon lange über die Gefahren des Klimawandels, als das Thema noch weit weg war vom gesellschaftlichen Mainstream. Heute ist es in aller Munde. Könnte er als Monarch in dieser Hinsicht Impulse setzen? Und die Royals somit quasi als grüne Marke verankern?
Charles war seiner Zeit weit voraus mit seinen Ansichten zu Umwelt, Klimawandel und Nachhaltigkeit. Und hat da einen guten Job gemacht. Ich hoffe, dass das innerhalb der königlichen Familie nach untern weitergereicht wird. Er war sein ganzes erwachsenen Leben lang in einer unglaublich einflussreichen Position. Die Schwierigkeit für ihn wird jetzt sein, einen Schritt zurückzutreten und sich an seine neue Rolle als König anzupassen, die ja Neutralität erfordert. Darüber wurde sicher schon seit Jahrzehnten gesprochen. Ich denke daher, er ist dazu bereit. Wir werden in den kommenden Monaten und Jahren sehen, welchen eigenen Stempel er der Monarchie aufdrücken wird, um ihre Relevanz zu sichern.

Wäre der Sarg der Queen mit dem Zug durch Großbritannien gefahren worden, wäre die Deutsche Bahn involviert gewesen. Die DB betreibt den Zug seit 2007 – und wird dafür mit einem königlichen Siegel ausgezeichnet.
von Christian Schlesiger

Das klingt nach einer Herausforderung.
Zweifellos. Wird er das Bild von Stabilität seiner Mutter nachahmen und die Institution aufrechterhalten können, die seine Mutter fast ihr gesamtes erwachsenen Leben lang geschützt hat? Sie war ja Königin, seit sie 25 war, und hat die Politik dabei immer den Politikern überlassen. Charles ist an einem ganz anderen Punkt in seinem Leben: Er ist 73 und wird der älteste Monarch sein, der den britischen Thron bestiegen hat. Wir wissen heute, dass er sich schon lange auf den höchsten Ebenen der Politik eingebracht hat. Es gibt die „Black Spider Memos“, in denen er sich gegenüber Ministern für eine ganze Reihe von Belangen stark gemacht hat. Und ihn umgibt auch nicht dieselbe Mystik, die seine Mutter ihr Leben lang so erfolgreich kultiviert hat. Damit die Monarchie weiter als Quelle nationaler Einheit angesehen werden kann und damit er nicht als parteiisch angesehen wird, wird er sich anpassen und seine Ansichten stärker für sich behalten müssen. Das hat er aber auch schon selbst eingeräumt, als er sich nach seiner Thronbesteigung an die Nation gewandt hat.

In der Vergangenheit wurde hin und wieder über den Unterschied zwischen königlichem Prestige und der Promi-Kultur geschrieben: Das eine erfordert die Mystik, die sie angesprochen haben, das Letztere ist darauf angewiesen, immer wieder von neuem Aufmerksamkeit zu erzeugen. Laufen sich die königliche Marke und die „Sussex“-Marke von Harry und Meghan da nicht zuwider?
Es gibt tatsächlich einen großen Gegensatz zwischen dem öffentlichen Profil der Royals und den kommerziellen Interessen, die Prinz Harry und Meghan verfolgen. Sie sind ja das vielleicht berühmteste Promi-Paar der Welt. Und es gibt sicherlich Spannungen, die sich aus dem Bestreben ergeben, eine persönliche Marke zu schaffen und der Institution der Monarchie an sich. Ich hoffe, dass sich da ein Gleichgewicht ergibt. Grenzen werden verschoben werden müssen, aber hoffentlich in einer respektvollen Weise. Die königliche Familie ist ja auch die berühmteste Familie der Welt. Die Medien sind besessen von ihnen. Das ist gerade für die jüngeren Mitglieder der königlichen Familie nicht immer einfach, aber es gehört eben auch zum Job.

Sie haben einmal vorausgesagt, dass die „Sussex“-Marke zur teuersten persönlichen Marke der Welt werden könnte mit einem Wert von über einer Milliarde Dollar. Ist diese Einschätzung noch aktuell? Und wo stehen die Sussexes mit ihrer Marke innerhalb der königlichen Marke?
Die Sussex-Marke ist so etwas wie eine Untermarke der königlichen Marke. Und ich glaube nach wie vor, dass diese Marke das Potenzial dafür hat, die wertvollste persönliche Marke der Welt zu werden. Um sich auf diesen Pfad zu begeben, mussten sie ihre Rolle als führende Mitglieder der königlichen Familie aufgeben. Sie sind nach Los Angeles gezogen und haben Deals gemacht mit Netflix, Spotify und mit einer Wall-Street-Firma. Es wird interessant sein zu sehen, ob die Familie jetzt in der Trauerzeit wieder ein wenig enger zueinander finden wird. Und ob das Prinz Harry zu Veränderungen veranlassen wird.

Wie muss sich die königliche Marke aus Ihrer Sicht verändern?
Jede Marke muss sich anpassen, um relevant zu bleiben, ob das die Royals sind oder Coca-Cola. Ich denke, dass King Charles und auch die jüngeren Generationen diese Herausforderung gerne annehmen werden. Was man nicht möchte: Den Wert einer Institution verlieren, die Jahrhunderte alt ist.

Tech-Aktien Diese KI-Profiteure sind Schnäppchen am Aktienmarkt

Die Kursexplosion bei den Halbleiterspezialisten Nvidia und Arm sind nur die halbe Wahrheit: Viele Profiteure mit KI-Potenzial werden noch übersehen. Sie sind gerade spottbillig zu haben.

KfW-Förderung 2,1 Prozent Zins: Das müssen Sie über die neue Eigenheimförderung wissen

Das Bauministerium öffnet die Geldschleusen: Hauskäufer können über die KfW die Neubauförderung beantragen. Wie die Konditionen aussehen, wie Sie am meisten herausschlagen können und ob sich die Förderung wirklich lohnt.

Aleph Alpha „Viel mehr als nur ein simpler Chatbot“

Jonas Andrulis, Gründer von Aleph Alpha, nimmt seine Rolle als KI-Hoffnungsträger eines ganzen Landes an. Und fordert noch mehr Geld.

 Weitere Plus-Artikel lesen Sie hier

Die kommenden Generationen und die Institution der Monarchie werden sich in einer positiven Art und Weise anpassen müssen. Ich würde aber keine dramatischen Veränderungen erwarten in der Art und Weise, wie die königliche Familie auftritt und wie sie mit den Medien und der Öffentlichkeit kommuniziert. Dennoch glaube ich, dass es nuancierte Veränderungen geben wird. Neue Generationen kommen hinzu, Kinder werden geboren. Aber nichts Dramatisches, vor allem nicht in naher Zukunft.

Lesen Sie auch: „Die Karosserie wurde höher gebaut, sodass die Queen mit Hut einsteigen konnte“

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%