Donald Tusk EU-Ratspräsident warnt vor neuem Flüchtlingsstrom

Die Flüchtlingszahlen könnte nach Ansicht des EU-Ratspräsidenten Donald Tusk wieder ansteigen: Vor allem über Malta und Italien könnte der Flüchtlingsstrom zunehmen. Die EU müsse sich solidarisch zeigen.

"Genau solche Leute suchen wir doch"
Frank Appel, Deutsche Post"Auf dem deutschen Arbeitsmarkt gibt es rund eine halbe Million offener Stellen. Wenn Flüchtlinge rasch Arbeitsbewilligungen erhalten, dann können deutsche Unternehmen dieses Potenzial nutzen", sagte der Deutsche-Post-Chef Frank Appel dem "Handelsblatt". Quelle: dpa
Dieter Zetsche, Daimler"Ich könnte mir vorstellen, dass wir in den Aufnahmezentren die Flüchtlinge über Möglichkeiten und Voraussetzungen informieren, in Deutschland oder bei Daimler Arbeit zu finden. Die meisten Flüchtlinge sind jung, gut ausgebildet und hoch motiviert. Genau solche Leute suchen wir doch. Sie können uns – ähnlich wie vor Jahrzehnten die Gastarbeiter – helfen, unseren Wohlstand zu erhalten beziehungsweise zu vermehren. Deutschland kann doch die freien Arbeitsplätze gar nicht mehr allein mit Deutschen besetzen", sagte der Daimler-Chef der "Bild am Sonntag". Quelle: dpa
Christian Illek, Deutsche Telekom„Die Deutsche Telekom hat viele Liegenschaften, die durch den technischen Wandel längst nicht mehr in dem Maße genutzt werden wie früher“, sagte Personalvorstand Illek der WirtschaftsWoche. „Nicht jede ist für die Unterbringung von Flüchtlingen geeignet, aber dort wo wir helfen können, sind wir gerne bereit, das zu tun.“ Sofern technisch möglich, will die Deutsche Telekom alle Flüchtlingsunterkünfte mit WLAN versorgen. Die meist kostenlosen Hotspots sind für die Flüchtlinge die einzige Möglichkeit, per E-Mail oder Messenger-Dienste mit ihren Verwandten in Kontakt zu treten. „Deswegen unterstützen wir die Hilfsorganisationen und die öffentliche Hand beim Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur“, sagt Illek. Quelle: PR
Matthias Müller, Porsche"Es ist an der Zeit, dass Wirtschaftslenker zu bestimmten Dingen ihre Meinung sagen. Wir müssen uns Extremismus entgegenstellen und Haltung zeigen. Die Industrie darf sich nicht aus Angst um den Aktienkurs oder vor persönlichen Angriffen zurückhalten. Das darf die Wirtschaft nicht, wir sind schließlich Teil der Gesellschaft. Ich wünsche jedem Menschen auf der Welt, dass er einmal am Tag warm essen und ruhig schlafen kann. Kein Mensch gibt doch freiwillig und leichten Herzens seine Heimat auf", sagte Müller der "Süddeutschen Zeitung". Quelle: dpa
Klaus Engel, Evonik"Wir können nicht so tun, als ginge es uns nichts an, wenn ertrunkene Kinder an die Küsten des Mittelmeeres gespült werden und verzweifelte Menschen durch Europa ziehen, auf der Suche nach einer friedlichen Zukunftsperspektive. Viele der Menschen, die jetzt zu uns kommen, werden bleiben", sagte der Chef des Essener Chemiekonzerns Evonik, Klaus Engel, dem "Handelsblatt". Quelle: dapd
Beiersdorf"Wir bauen derzeit ein Projekt auf, das den qualifizierten Flüchtlingen den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt erleichtert", teilte der Kosmetik-Konzern mit. Quelle: dpa
Kik"Wegen der fehlenden Arbeitserlaubnis besteht derzeit keine legale Möglichkeit, Flüchtlinge oder Asylsuchende zu beschäftigen", teilte der Textildiscounter mit. Quelle: dpa
Ingo Kramer, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände"Die Politik muss dafür sorgen, dass Asylbewerber nicht viele Monate vom Arbeitsmarkt ferngehalten werden. Wir brauchen in den nächsten 20 Jahren viel mehr Arbeitskräfte, als dieses Land hervorbringen wird", sagte Kramer der "Süddeutschen Zeitung". Quelle: dpa
Rupert Stadler, Audi„Das große Leid der Flüchtlinge in Europa erschüttert uns“, sagt Audi-Chef Rupert Stadler. „Menschen vor unserer eigenen Haustür sind in Not – deswegen wollen wir kurzfristig und unbürokratisch helfen.“ Das Unternehmen spendet eine Million Euro, die in lokale Hilfsprojekte an den Audi-Produktionsstandorten fließen soll. „Uns ist bewusst, wie dramatisch sich die Situation der Flüchtlinge vor Ort entwickelt hat“, sagt Thomas Sigi, Vorstand Personal und Sozialwesen, und fügt hinzu: „Mit der Soforthilfe wollen wir an unseren Unternehmensstandorten ein Zeichen der Verbundenheit und sozialen Verantwortung setzen.“ Quelle: dpa

EU-Ratspräsident Donald Tusk hat vor einem erneuten Anstieg der Flüchtlingszahlen Richtung Italien und Nordeuropa gewarnt. "Wir müssen uns daran erinnern, dass die Balkanroute nicht die einzige Route ist", sagte Tusk am Mittwoch vor dem EU-Parlament in Straßburg. Die Zahl an Migranten in Libyen sei "alarmierend". Deshalb müsse die EU solidarisch gegenüber den Mitgliedsländern Malta und Italien sein, wenn diese darum bäten. "Wir können die Lösungen in Griechenland nicht einfach übertragen, vor allem, weil Libyen nicht die Türkei ist", mahnte Tusk mit Blick auf das Abkommen der EU mit der Türkei zur Rückführung von Flüchtlingen.

Libyen versinkt seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar Gaddafi 2011 im Chaos. Unter Vermittlung der UN war eine Einheitsregierung gebildet worden, die sich seit Ende März in der Hauptstadt Tripolis aufhält. Doch dort und in weiten Teilen des Landes haben noch immer konkurrierende Milizen die Kontrolle. Am Montag und Dienstag befassen sich die Außen- und Verteidigungsminister der EU in Luxemburg mit der Lage in dem nordafrikanischen Land.

Was Flüchtlinge dürfen

Vergangenes Jahr waren die Flüchtlinge größtenteils über Griechenland in die EU gekommen. In den Jahren zuvor hatten die meisten Migranten die wesentlich längere und gefährlichere Fahrt über das Mittelmeer Richtung Italien gewählt.

In den ersten drei Monaten dieses Jahres waren es über 16.000 Migranten, 6000 mehr als im selben Zeitraum vor einem Jahr. Für die kommenden Monate wird ein weiterer Anstieg erwartet, wenn bessere Wetterbedingungen auf eine leichtere Überfahrt hoffen lassen.

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