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Dreistufige Überprüfung EZB-Bankenaufseher fordern tiefen Einblick in Bilanzen der Institute

Mit gewaltigem Aufwand durchleuchtet die EZB die Bilanzen der Euro-Banken. Die Bankenaufseher wollen Altlasten los sein, bevor sie ab November die Oberhoheit über die wichtigsten Institute übernehmen.

Bad Banks in Deutschland und Europa
Laut einem Bericht der französischen Zeitung "Les Echos" sitzen die europäischen Bad Banks auf Schrottpapieren im Wert von mehr als 1.000 Milliarden Euro. Alleine die Bad Bank der belgisch-französischen Bank Dexia besäße faule Kredite und andere Giftpapiere im Wert von 266 Milliarden Euro – Rekord in Europa. Auch die französische Natixis halte immer noch faule Papiere im Wert von 13,5 Milliarden Euro. Doch nicht nur die französischen Bad Banks sitzen immer noch auf Müllbergen.... Quelle: AP
CommerzbankInterne Bad Bank: Portfolio Restructing UnitZum 30. September 2009 sammelte die Commerzbank 44 Milliarden Euro an Schrottpapieren in einer firmeninternen Bad Bank. 2012 schrumpfte das Portfolio der internen "Bad Bank" um 17 Prozent auf 151 Milliarden Euro. Dabei fokussierte sich die Commerzbank vor allem auf die gewerbliche Immobilien- und Staatsfinanzierung. Bis 2016 soll das Portfolio dieser Abbaueinheit NCA auf gut 90 Milliarden Euro abschmelzen - vorzugsweise wertschonend über Fälligkeiten, in Einzelfällen werden nach früheren Angaben durch den Verkauf von Papieren aber auch Verluste in Kauf genommen. In der Bad Bank lagert der Immobilien- und Staatsfinanzierer Eurohypo, inzwischen umbenannt in Hypothekenbank Frankfurt, sowie die Schiffsbank. Aus all diesen Geschäftsbereichen zieht sich die Commerzbank komplett zurück. Auch einige Uraltlasten aus der Investmentbank von der Finanzkrise 2008 sind dabei. Quelle: dpa
Hypo Real Estate - FMS WertmanagementDie Bad Bank der verstaatlichten Münchener Immobilien Bank besaß bei ihrer Gründung zum 1. Oktober 2010 Schrottpapiere im Wert von 175,6 Milliarden Euro. Zum 30. Juni 2011 hat sie den Bestand auf 160,5 Milliarden Euro reduziert. 2012 konnte die Abwicklungsbank FMS einen Überschuss von 37 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Trend hatte sich bereits im ersten Halbjahr abgezeichnet. So hatte das Institut unterstützt von anziehenden Finanzmärkten von Januar bis Juni seinen Verlust auf 50 (Vorjahreszeitraum: 689) Millionen Euro reduziert. Auch in der zweiten Jahreshälfte hatte sich die Erholung an den Finanzmärkten weitgehend fortgesetzt. Dadurch hätten sich die Altlasten um 38 Milliarden Euro reduziert, sagte ein Insider. Quelle: dapd
HSH NordbankEine interne Bad Bank kümmerte sich um die Altlasten der Landesbank von Hamburg und Schleswig Holstein. Am 31. Dezember 2010 startete der Finanzfriedhof mit 69 Milliarden Euro. 2012 haben die Schifffahrtskrise und hohe Gebühren für Staatsgarantien der HSH Nordbank Verluste eingebrockt. Wegen der Lasten durch drohende Kreditausfälle in der internen Bad Bank und steigender Garantiekosten geht die Landesbank 2013 von einem weiteren Fehlbetrag aus. Erst 2014 ist ein Lichtstreif am Horizont in Sicht. Dann will das seit Jahren kriselnde Institut dank weiterer Fortschritte im Kerngeschäft „ein deutlich positives Konzernergebnis“ erwirtschaften. Im abgelaufenen Jahr musste die HSH, die nach wie vor in der Schiffsfinanzierung führend ist, erneut viel Geld für drohende Kreditausfälle zurücklegen. Hinzu kamen 473 Millionen Euro an künftigen Gebühren für Garantien, die bereits jetzt in der Bilanz verbucht wurden. Der Vorsteuerverlust verringerte sich dennoch leicht auf 185 (Vorjahresminus: 206) Millionen Euro, weil es im Kerngeschäft bereits besser lief. Quelle: dpa
WestLBDie vom übrigen Institut abgespaltene Bad Bank "Portigon", vormals "Erste Abwicklungsanstalt EAA" bündelte zum 1. Januar 2010 Schrottpapiere im Wert von 77,5 Milliarden Euro. Nach zwei herben Verlustjahren konnte die Bad Bank 2012 einen Minigewinn erzielen. Dank der Erholung der US-Immobilienmarktes weist die Portigon einen Jahresüberschuss von 6,6 Millionen Euro aus. 2011 hatte der Schuldenschnitt für Griechenland zu einem Verlust der Bad Bank von 878 Millionen Euro geführt. Der Vorstand betonte, dass die Abwicklung der WestLB-Papiere schneller als geplant vorankomme. Seit ihrer Gründung vor gut drei Jahren habe die Bad Bank in mehreren Schritten Bestände in der Größenordnung von rund 200 Milliarden Euro übernommen. Abgewickelt wurden bereits Kredit- und Wertpapiere im Gesamtvolumen von 68 Milliarden Euro. Quelle: dpa
BayernLBDie Bayern tauften ihre interne Bad Bank Projekt Herkules. Ein passender Name. Mit 67,2 Milliarden Euro Finanzschrott startete das Projekt am 1. Juli 2009. Zum Jahresende 2011 waren es nur noch 27 Milliarden Euro. Der Freistaat haftet mit einer Garantie von 4,8 Milliarden Euro für Verluste durch strukturierte Altkredite aus der Finanzkrise. Bislang reichte der Eigenanteil der Bank in Höhe von 1,2 Milliarden Euro, die Lasten der Vergangenheit aufzufangen. Davon ist jedoch bereits die Hälfte aufgebraucht. Die Landesbanker verwalten ihre 27 Milliarden Euro schwere Bad Bank intern in der eigenen Bilanz. Gut 40 Prozent davon entfallen auf sogenannte ABS-Papiere. Das sind gebündelte und verbriefte Kleinkredite, von denen keiner weiß, ob und in welchem Umfang die Schuldner sie zurückzahlen können. Quelle: dpa
Bank of Ireland - NAMADie irische Regierung gründete im September 2009 die erste Bad Bank in Europa - die National Asset Management Agency (NAMA) Sie übernahm faule Kredite im Wert von 47 Milliarden Euro. Irland erhielt eine Finanzspritze des IWF über 67,5 Milliarden Euro und Gelder aus dem EU-Rettungsschirm, um den Bankensektor zu stabilisieren. Übrig blieben nur zwei von fünf Banken - die Bank of Ireland und die Allied Irish Banks. Bis zum 31. März 2012 wurden Immobilienverkäufe im Wert von insgesamt acht Milliarden Euro genehmigt – 90 Prozent davon betrafen Objekte im Ausland. Eingenommen hatte die NAMA (Stand September 2011) bis dato allerdings nur 2,7 Milliarden Euro. Quelle: dapd

Die EZB fordert bei ihrem Bilanzcheck der europäischen Großbanken einen tiefen Einblick in deren Bücher. Insgesamt wollen die künftigen Euro-Bankenaufseher bei den 128 Instituten stichprobenartig Risikopapiere im Volumen von 3,72 Billionen Euro untersuchen, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Dienstag in Frankfurt erklärte. Das entspreche 58 Prozent der gesamten risikogewichteten Aktiva (RWA) der Institute. RWA umfassen zum Beispiel Immobilienkredite oder Schiffsfinanzierungen.

Pro Bank wollen die Aufseher durchschnittlich 1250 Kreditakten prüfen. Bei großen und international tätigen Instituten - wie etwa der Deutschen Bank - werden es voraussichtlich deutlich mehr sein. Aus dem am Dienstag veröffentlichten 287 Seiten starken Handbuch für die Prüfung geht auch hervor, dass die EZB die internen Bewertungsmodelle der Banken sowie deren Sicherheiten für Kredite genau unter die Lupe nehmen will. Wenn Banken den Bilanzcheck nicht bestehen, dann müssen sie ihre Kapitaldecke stärken, also sich neues Geld besorgen, zum Beispiel von Investoren. Im Zweifel müssten möglicherweise die Nationalstaaten einspringen.

Ausnahmen für bestimmte Anlageklassen wird es demnach nur dann geben, wenn die Aufseher nicht den geringsten Hinweis haben, dass dort Probleme drohen könnten. Die Notenbank wies einen Bericht der „Financial Times“ (Dienstag) ausdrücklich zurück, wonach deutsche Spitzeninstitute wie Deutsche Bank oder Commerzbank bei dem in Deutschland umstrittenen Bilanzcheck keine Details ihrer Kredite an private Hausbauer offenbaren müssen. „Solche Portfolios sind substanzieller Bestandteil der laufenden Überprüfung“, teilte die Notenbank mit.

Mit ihrer insgesamt dreistufige Überprüfung will die EZB Altlasten in den Bankbilanzen und etwaige Kapitallöcher aufdecken, bevor sie am 4. November die zentrale Bankenaufsicht im Euroraum übernimmt. Ab dann wird die EZB die größten und wichtigsten Banken in den 18 Eurostaaten direkt überwachen.

In Arbeit
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Ergebnisse des Bilanzchecks sollen im Oktober veröffentlich werden - zusammen mit den Erkenntnissen aus einem Stresstest, den die EZB in diesem Sommer gemeinsam mit der europäischen Bankenaufsicht EBA durchführen will. Dabei soll eine Krise mit Wirtschaftseinbruch und Verfall der Immobilienpreise simuliert werden. Klar ist bereits, dass die Quote an hartem Kernkapital - dieses gilt als Krisenpuffer - der Institute in diesem Szenario nicht unter 5,5 Prozent fallen darf. Damit legt diese Überprüfung härtere Kriterien an als frühere Stresstests in Europa.

Führende EZB-Vertreter hatten zuletzt mehrfach betont, dass die Notenbank bei ihren Überprüfungen kein Auge zudrücken wird. „Ich halte dieses Jahr für ein ganz entscheidendes Jahr: Wir haben die Chance aufzuräumen und wir sollten sie nutzen“, hatte kürzlich EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger betont.

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