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Drohende Deflation und Massenarbeitslosigkeit Schlechte Zeiten in Europa

Die Zahlen sind ernüchternd: Auch wenn einige Krisenländer wieder wachsen, kommt der Arbeitsmarkt nicht in Schwung. Nun ist auch der zarte Aufschwung gefährdet, denn: Die Sorgen vor einer Deflation wachsen.

Europa ist nur bedingt wettbewerbsfähig
Ein Mann trägt eine griechische Flagge Quelle: dpa
ItalienAuch Italien büßt zwei Plätze ein und fällt von Rang 44 auf Rang 46. Die Studienleiter kritisieren vor allem das Finanz- und Justizsystem. Die Abgaben seien zu hoch und Verfahren viel zu langwierig und intransparent. Lediglich bei der Produktivität und mit seiner Infrastruktur liegt der Stiefelstaat im Mittelfeld. Ein wenig besser macht es ... Quelle: REUTERS
Ein Mann schwenkt eine portugiesische Flagge Quelle: AP
Stierkampf Quelle: dpa
Eine Frau hält eine Fahne mit einer französischen Flagge in der Hand Quelle: REUTERS
Das Parlamentsgebäude in Wien Quelle: dpa
Finnische Flagge Quelle: dpa

Die gute Stimmung ist dahin. Europa wähnte das Schlimmste hinter sich gehabt zu haben. Die Renditen an den Anleihemärkten fielen auf Tiefststände, selbst Italien und Spanien konnten sich zuletzt sehr günstig Geld leihen. Nahezu alle Länder der Eurozone rechneten mit einem Plus beim Bruttoinlandsprodukt für 2015, die Zeiten der schrumpfenden Volkswirtschaften schien vorbei.

Doch plötzlich sind die Sorgen wieder größer als die Hoffnungen. Die Unsicherheit, ob Griechenland im Euro-Verbund bleibt, hemmt Investoren und Unternehmer. Der zarte Aufschwung kommt auf dem Arbeitsmarkt in Südeuropa nicht an. Und nun drückt auch noch der niedrige Ölpreis – von dem deutsche Exporteure profitieren – auf die Stimmung, da die Preise fallen.

Dramatisch fallende Energiekosten

Europa in der Deflation? Diese Sorgen bekommen neue Nahrung. Die Preise im Euroraum sind wegen dramatisch fallender Energiekosten erstmals seit dem Krisenjahr 2009 wieder gesunken. Die jährliche Inflationsrate betrug im Dezember vergangenen Jahres minus 0,2 Prozent, wie die Statistikbehörde Eurostat in einer ersten Schätzung berichtete.

Die Folgen der EZB-Niedrigzinspolitik

Im Oktober 2009 hatte die Teuerungsrate in der Eurozone minus 0,1 Prozent betragen, im September 2009 minus 0,3 Prozent. Seitdem lag die Rate laut Eurostat stets im positiven Bereich. Die Europäische Zentralbank strebt eine Rate von knapp unter zwei Prozent an, bei der sie Preisstabilität gewahrt sieht.

Im Eurogebiet mit nun 19 Ländern – Litauen trat zum Jahreswechsel bei – wird schon länger eine Deflation befürchtet. Das ist eine Abwärtsspirale aus rückläufigen Preisen und schrumpfender Wirtschaft. Die große Gefahr: Festigt sich der Trend, dass die Preise fallen, dürften Unternehmer und Konsumenten ihr Geld beisammen halten.

Geplante Anschaffungen könnten sie hinauszögern – in der Hoffnung, dass die Preise weiter fallen und später Schnäppchen getätigt werden können. Ein Investitionsstau droht, Arbeitsplätze könnten schlimmstenfalls in Gefahr geraten.

Die Reaktionen zum OMT-Programm

Der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) steigt also, gegen fallende Preise vorzugehen. Beobachter erwarten, dass die Notenbank am 22. Januar einen massiven Kauf von Staatsanleihen ankündigen wird.

Zumal auch die Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone dramatisch hoch bleibt. Sie ist im November gar zum dritten Mal in Folge leicht gestiegen. Laut Eurostat waren rund 18,4 Millionen Männer und Frauen auf Jobsuche – und damit 34.000 mehr als im Oktober. Binnen Jahresfrist hingegen sank die Zahl der Arbeitslosen lediglich um 522.000. Die um jahreszeitliche Schwankungen bereinigte Arbeitslosenquote verharrte den vierten Monat in Folge bei 11,5 Prozent.

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Spitzenreiter mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit nach vergleichbarer EU-Rechnung ist Österreich mit einer Quote von 4,9 Prozent vor Deutschland mit 5,0 Prozent. Schlusslichter sind unverändert Griechenland mit 25,7 Prozent (im September) und Spanien mit 23,9 Prozent. In Italien, das neben Frankreich als eines der größten Sorgenkinder in der Euro-Zone gilt, kletterte die Arbeitslosigkeit auf einen Rekordwert von 13,4 Prozent.

Die Zahlen zeigen, dass sich die schwache Konjunkturerholung bisher kaum auf den Stellenmarkt niederschlägt – und dass die Hoffnungen auf bessere Zeiten in Europa (bisher) noch unbegründet sind.

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