WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Einwanderung Wir schaffen das nicht

Seite 2/2

Großer Zulauf für Rechtsnationalisten ist eine Gefahr

In einer EU aber, die sich in der Flüchtlingskrise in nationale Egoismen flüchtet und in der extreme Parteien an die Macht drängen, muss eine Diskussion über eine Vergemeinschaftung der Einlagensicherung und eine Währungsunion mit Finanzausgleich, wie gerade von Paris vorgeschlagen, erst gar nicht beginnen. 

In Schweden hat die Flüchtlingskrise bereits tiefe Spuren in der politischen Landschaft hinterlassen. Bezogen auf die Einwohnerzahl hat Schweden in Europa die mit Abstand meisten Flüchtlinge in Europa aufgenommen. Die rechtsnationalen Schwedischen Demokraten (SD)  mit ihrem Parteislogan „Bevara a Sverige Svenskt“ (“Schweden soll schwedisch bleiben“) erhielten dadurch enormen Zulauf. 2010 kam die SD in den nationalen Wahlen auf einen Stimmenanteil von 5,7 Prozent und war mit 20 Sitzen erstmals im Parlament vertreten.

Was Flüchtlinge dürfen

2014 sprang der Stimmenanteil auf 12,9 Prozent. Ende August kam die SD bei Umfragen auf über 25 Prozent, 5,5 Prozentpunkte mehr als die nächstplatzierte der beiden großen schwedischen Volksparteien. Mit dem Katalysatorthema Immigration hat die SD das schwedische Parteiensystem binnen fünf Jahren umgekrempelt. In Schweden mehren sich die Stimmen, die wegen der Flüchtlingspolitik den Rücktritt der Regierung fordern. Ein Vorgeschmack auf das, was auf andere Länder noch zukommen könnte.

In Österreich hat die Flüchtlingskrise am vorvergangenen Sonntag für einen fulminanten Wahlsieg der einwanderungskritischen FPÖ bei einer Regionalwahl in Öberösterreich gesorgt. Gegenüber der vorherigen Wahl hat sich der Stimmenanteil der FPÖ mehr als verdoppelt auf über 30 Prozent. Oberösterreich ist ein industriell geprägtes Bundesland mit einer starken Arbeiterbewegung. Der Zustrom von Flüchtlingen hatte alle anderen Themen im Wahlkampf verdrängt.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Wie in Deutschland zeigte sich auch in Österreich die Bevölkerung zunächst sehr hilfsbereit den Neuankömmlingen gegenüber. Sollte die Masseneinwanderung nach Deutschland anhalten, ist auch hierzulande mit einer ähnlichen politischen Entwicklung zu rechnen. Deutschland ist nicht unbedingt bekannt für eine erfolgreiche Einwanderungspolitik.

Boris Palmer, grüner Oberbürgermeister von Tübingen und Deutschlands bekanntester Kommunalpolitiker, warnt bereits davor, dass die Schmerzgrenze für die deutsche Bevölkerung erreicht sein könnte. Es kämen weitaus mehr Analphabeten als Ingenieure und Akademiker. Palmer erwartet einen harten Konkurrenzkampf um Arbeitsplätze, Arbeitsbedingungen und Wohnraum zwischen Einwanderern und dem unteren Fünftel der deutschen Gesellschaft.

Die EU wird ihre Außengrenzen deshalb bald ähnlich abriegeln wie die USA und Kanada. Wir schaffen das nämlich nicht.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%