WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen
Engelmanns Eigenhandel

Sozialistische Träume

Seite 3/3

Grande Nation ohne Spitzenrating

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy Quelle: dapd

Denn selbst wenn Hollande als Sozialist gerne das Füllhorn staatlicher Leistungen und Wohltaten über den Bürgern ausschütten würde, kann auch er die wirtschaftliche Realität nicht ignorieren: Frankreich muss sparen und seinen Haushalt ebenso konsolidieren wie viele andere Staaten der Euro-Zone. Dass die Ratingagentur Standard & Poors der Grande Nation kürzlich das Spitzenrating AAA aberkannte, muss auch Hollande als Warnung begreifen. Weicht er nach einem Wahlsieg vom Pfad der Haushaltskonsolidierung ab, drohen weitere Herabstufungen der Kreditwürdigkeit und damit erhöhte Finanzierungskosten für das staatliche Defizit. Der Spielraum, sozialistische Träume zu verwirklichen, ist eng und so wird Hollande im Falle eines Wahlsieges den ein oder anderen Punkt des sozialistischen Programms streichen oder auf später verschieben müssen. Vor weiteren Einschränkungen staatlicher Leistungen dürfte er allerdings zurückschrecken - solche sind gerade unter Linken stets unpopulär. So werden Steuererhöhungen auf breiter Front die einzige Lösung bleiben, den Staatshaushalt im Lot zu halten.

Freund von Euro-Bonds

Ob Francois Hollande und Angela Merkel genau so dicke Freunde werden, wie Nicolas Sarkozy und die Bundeskanzlerin, dürfte sich im Falle einer Wahl des Sozialisten relativ schnell entscheiden. Schon jetzt hat Hollande angekündigt, den von Frau Merkel für so überaus wichtig erachteten Fiskalpakt überarbeiten zu wollen. Gerne möchte Hollande Klauseln in den Pakt aufnehmen lassen, die den Regierungen größeren Spielraum für Konjunkturprogramme lassen. Auch kann er sich eine (noch) aktivere Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB) bei der Bewältigung der Staatsschuldenkrise vorstellen. Hollande ist auch ein Freund von Euro-Bonds und einem noch größeren europäischen Rettungsmechanismus. Könnte sich die Kanzlerin mit erweiterten Finanzspielräumen zur Förderung der Wirtschaft vielleicht noch anfreunden, dürfte der Franzose mit seinen anderen Forderungen bei ihr auf Granit beißen. Aus der "Chere Angie" könnte so sehr schnell wieder die "Madame Non" werden. Wenn man der Bundeskanzlerin eines bescheinigen kann, dann ein untrügliches Gespür für Stimmungen. Und die Stimmung hierzulande scheint mehr und mehr gegen immer größere Rettungsschirme und eine Vergemeinschaftung aller Staatsschulden in Europa gerichtet zu sein.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Ungeliebte „Dicke Bertha“

Auch dass Mario Draghi bereits zum zweiten Mal die "Dicke Bertha" abgefeuert hat, erschreckt die Deutschen mehr als dass es zu ihrer Beruhigung beiträgt. Die Kritik an der überaus großzügigen Geldpolitik der EZB, die auch von der Deutschen Bundesbank in Person ihres Präsidenten Jens Weidmann wiederholt geäußert wurde, verstärkt sich. Dass aus "Merkozy" also schnell ein "Hollerkel" wird, scheint mehr als fraglich. Man darf gespannt sein, inwieweit sich solche Meinungsunterschiede auf das gemeinsame Ziel, die Staatsschuldenkrise in den Griff zu bekommen und das Experiment Euro zum Erfolg zu führen, auswirken werden. Vielleicht schafft Nicolas Sarkozy im Endspurt des Wahlkampfs ja noch einen Turnaround und er und Angela Merkel können - mindestens bis zur Bundestagswahl im kommenden Jahr - weiterhin als Traumpaar der Politik die Geschicke Europas lenken. Das ist allerdings ungefähr so wahrscheinlich wie dass sich Monique nicht mehr länger nach dem Befinden deutscher Gymnasiasten erkundigt. Le telephone sonne! Qui est-ce? C'est Monique! "Ca va?" "Ca va bien!"

Hinweis: Herr Engelmann ist Mitarbeiter der Citigroup in Deutschland. Der von ihm verfasste Text gibt allein seine persönliche Meinung wieder und ist keine Analyse, Beratung oder Empfehlung der Citigroup.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%