EU-Außenminister Härtere Sanktionen gegen Russland

In der Ukraine-Krise warnen die EU-Staats- und Regierungschefs Russland vor weiteren Sanktionen. Vor einem Sondertreffen der EU-Außenminister zur Ukraine erinnerten die „Chefs“ an ihre Gipfel-Erklärung vom Dezember.

Wo Gazprom in Deutschland seine Finger im Spiel hat
Des russische Energieversorger Gazprom liefert nicht nur Erdgas in verschiedene Länder, er investiert auch in Erdgastankstellen. So hat das Unternehmen im September 2013 zwölf Erdgastankstellen des bayerischen Energieversorgers FGN in Süddeutschland übernommen. „Mit der Übernahme erweitern wir unser Erdgastankstellennetz in Deutschland und bekräftigen unser Engagement für den umweltschonenden Einsatz von Erdgas als Kraftstoff“, sagte Vyacheslav Krupenkov, Hauptgeschäftsführer der Gazprom Germania GmbH. Mit der Übernahme baute GAZPROM Germania ihr bundesweites Netz von acht auf 23 Erdgastankstellen bis Ende 2013 aus. Quelle: dapd
Auch bei der Verbundnetz Gas AG (VNG) in Leipzig ist Gazprom investiert. Gleiches gilt für die W&G Beteiligungsgesellschaft in Kassel, die ebenfalls im Erdgastransport tätig ist. Gazprom öffnet aber auch für den Sport seinen Geldbeutel. Quelle: dpa
Gazprom spendete der Christoph Metzelder Stiftung 20.000 Euro für sozial-benachteiligte Kinder. Auf Initiative des ehemaligen Fußballnationalspielers engagiert sich das russische Energieunternehmen für das Projekt „Bildungstankstelle“ am Firmenstandort Berlin. Das außerschulische Angebot des Vereins Straßenkinder e.V. fördert sozial schwache Schüler in Marzahn-Hellersdorf mit individueller Lernbetreuung. Die Kooperation zwischen GAZPROM und der Christoph Metzelder Stiftung startete bei der offiziellen Saisoneröffnung des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04. Quelle: Presse
Seit 2007 ist Gazprom einer der Hauptsponsoren des Vereins Schalke 04. Rund 17 Millionen Euro macht der russische Gaskonzern jährlich für den Verein locker. Der hat jetzt eine Einladung in den Kreml angenommen, die angesichts der Ukraine-Krise in der Politik auf Kritik gestoßen sind. "In der momentanen Lage eine Einladung in den Kreml anzunehmen und sich so instrumentalisieren zu lassen, zeugt nicht wirklich von Fingerspitzengefühl", sagte CDU-Generalsekretär Peter Tauber der "Bild"-Zeitung . Neben Schalke fördert Gazprom auch Zenit St. Petersburg, Roter Stern Belgrad und den FC Chelsea. Quelle: AP
Ganz aktuell fördert Gazprom die Fotoausstellung des russischen Künstlers Yurgis Zanarevsky im Berliner "Café des Artistes". Quelle: Screenshot
Auch für die Deutsch-Russischen Festtage macht Gazprom Geld locker, statt. "Gazprom Germania unterstützt die Deutsch-Russischen Festtage seit ihren Anfängen als zuverlässiger Partner. Mit unserer Förderung ermöglichen wir allen Besuchern den kostenfreien Besuch des Kulturfestes und viele Begegnungen zwischen Menschen aus Russland und Deutschland", heißt es seitens des Unternehmens. Quelle: AP
Außerdem bezuschusst Gazprom die Deutsch-Russischen Filmtage und die Russische Filmwoche in Berlin. "Wir sorgen dafür, dass das weltberühmte Mariinski-Theater aus St. Peterburg das Berliner Publikum verzaubert", heißt es im Geschäftsbericht. Quelle: Presse
Auch für die Oper interessiert sich der Konzern: So fördert Gazprom das Internationale Opernfestival der Kammeroper Schloss Rheinsberg) "Gazprom Germania begleitet die Kammeroper Schloss Rheinsberg seit vielen Jahren als Förderer. Mit diesem Engagement unterstützt das Unternehmen die Bekanntmachung musikalischer Nachwuchstalente aus ganz Europa und baut damit neue kulturelle Brücken zwischen den Nationen", heißt es von Seiten des Unternehmens. Quelle: dpa
2010 unterstützte Gazprom außerdem die Potsdamer Schlössernacht im Park von Sanssouci. „Besonders freuen wir uns auf das Vorabendkonzert der Potsdamer Schlössernacht mit dem weltberühmten Tschaikowsky Symphonieorchester“, sagte damals Vladimir V. Kotenev, Hauptgeschäftsführer der Gazprom Germania GmbH. Mit der Förderung der Potsdamer Schlössernacht und dem damit verbundenen Auftritt des Tschaikowsky Symphonieorchesters leiste das Unternehmen einen weiteren Beitrag zum deutsch-russischen Kulturaustausch. Quelle: dpa

Die EU-Staaten drohen Russlands Präsidenten Wladimir Putin offen mit weiteren Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts. Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre europäischen Kollegen forderten die EU-Außenminister jetzt auf, bei einem für diesen Donnerstag geplanten Treffen Vorbereitungen für mögliche zusätzliche Strafmaßnahmen zu treffen. „Wir haben Belege für (...) eine zunehmende Unterstützung der Separatisten durch Russland, was Russlands Verantwortung unterstreicht“, schrieben die Staats- und Regierungschefs am Dienstag in einer Stellungnahme. Man sei zu weiteren Schritten bereit, wenn dies erforderlich sei.

In Reaktion auf die Unterstützung der Separatisten und die Annexion der ukrainischen Schwarzmeerhalbinsel Krim hatte die EU bereits im vergangenen Jahr eine ganze Reihe von Sanktionen verhängt. Der Zugang großer russischer Unternehmen und Banken zu den EU-Kapitalmärkten ist erheblich erschwert. Zudem dürfen beispielsweise auf der Krim hergestellte Waren und Güter nicht mehr in die EU importiert werden.

Ob eine Ausweitung der Sanktionen weitere russische Wirtschaftsbereiche oder vor allem Einzelpersonen treffen würde, wollte die EU am Dienstag zunächst nicht konkretisieren. Entscheidungen sollten am Donnerstag von den Außenministern getroffen, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission. Russland droht in diesem Jahr wegen der westlichen Sanktionen und des Ölpreiseinbruchs schon jetzt eine tiefe Rezession. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) stufte die Kreditwürdigkeit des Landes am Montag auf „Ramschniveau“ herab.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Hintergrund des Sondertreffens der EU-Außenminister ist die jüngste Eskalation des Ukraine-Konflikts. Die Kämpfe haben zuletzt wieder deutlich zugenommen. In der Hafenstadt Mariupol starben am Wochenende mindestens 30 Zivilisten durch Raketenbeschuss. „Wir können nicht einfach dasitzen und zusehen. Was dort vor sich geht, ist faktisch Krieg“, kommentierte die lettische Regierungschefin Laimdota Straujuma die Vorbereitungen für neue Sanktionen, die unter der EU-Ratspräsidentschaft ihres Landes laufen. Moskau kenne die Bedingungen des Minsker-Abkommens, halte sich aber nicht an sie.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%