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EU-Problemstaat Ungarn verschenkt sein Talent

Eine moderne Infrastruktur und gut ausgebildete Menschen macht Ungarn für Investoren interessant. Doch mit seiner scharfen Rhetorik macht Ministerpräsident Viktor Orbán sein Land zum Pariastaat Europas.

Die größten Nettoempfänger der EU
Ein bulgarischer Landwirt hält eine Nationalflagge während Protesten in Sofia Quelle: dpa
Eine Frau mit einer Rumänischen Flagge Quelle: dapd
Blitze über Bratislava Quelle: dpa
Die Altstadt von Vilnius Quelle: AP
Blick aus dem Rathausturm in Prag Quelle: dpa
Die Projektion der portugiesischen auf einem historischen Gebäude Quelle: REUTERS
Das ungarische Parlament Quelle: dpa

Eine moderne Infrastruktur, gut ausgebildete Menschen, überschaubare Kosten und die Nähe zu den Märkten Westeuropas – das waren die Faktoren, die deutsche Firmen in der Vergangenheit zu Tausenden nach Ungarn getrieben haben.

Ungarns Stärken

Die großen Namen des deutschen Einzelhandels wie Metro, Aldi und Lidl sind vor Ort; Dax-Schwergewichte wie Siemens oder Bayer sowieso. Doch vor allem die Autozulieferer nutzen Ungarn seit langem als Fertigungsbasis. Etwa die Hälfte des deutschen Investments in Ungarn entfällt auf die Automobilwirtschaft. Insgesamt hatten deutsche Unternehmen bis Ende 2011 fast 18 Milliarden Euro in das osteuropäische Land getragen. Kaum irgendwo sonst in der Region ist die deutsche Wirtschaft ähnlich stark engagiert.

Ungarns Schwächen

Ungarn galt bei der deutschen Wirtschaft stets als verlässlicher Partner und attraktiver Standort. Wegen seiner Rolle beim Fall des Eisernen Vorhangs genoss das Land außerdem überall im Westen hohes Ansehen. Doch jetzt ist Ministerpräsident Viktor Orban dabei, den Bonus zu verspielen. Mit seinen Frontalangriffen gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), schrillen Tönen gegen Brüssel, seinen ständigen Verfassungsänderungen und den verschärften Kontrollen der Medien sorgt der Regierungschef schon seit einiger Zeit auf politischer Ebene für Wirbel. Schlimmer noch: Die zunehmend unberechenbare Wirtschaftspolitik verunsichert jetzt auch deutsche Unternehmen. Immerhin ist Deutschland größter ausländischer Investor in Ungarn. 3000 deutsche Firmen haben im Land Niederlassungen.

Es breite sich in Ungarn eine Stimmung aus, heißt es bei der deutschen Auslandshandelskammer (AHK) in Budapest, die sich mit den Worten „Ungarn zuerst“ zusammenfassen ließe. Vor allem im Dienstleistungssektor seien Unternehmen aus dem Ausland in Ungarn nicht mehr willkommen. Die Profiteure: heimische Staatsfirmen. „Über das positive Bild legt sich ein Schatten“, umschreibt ein langjähriger politischer Beobachter aus Deutschland in Budapest das Klima.

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